Deutsche Unternehmen haben 2023 deutlich mehr Erfindungen beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet als im Jahr zuvor. Erfreulich: Insbesondere im Bereich Batterietechnik nahmen die Anmeldezahlen zu – getrieben durch das Tempo beim Ausbau der Elektromobilität.
Das Deutsche Patent- und Markenamt verzeichnete im Jahr 2023 eine deutliche Zunahme an angemeldeten Erfindungen. Insbesondere die Automobilindustrie meldete verstärkt Patente an.
(Bild: frei lizenziert von Pixabay)
Mit 38.469 Patentanmeldungen aus dem Inland verzeichnete das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) 2023 im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von 3,4 Prozent. Das verdeutlichtet die Jahresstatistik des DPMA. Die Zahl der Anmeldungen aus dem Ausland betrug 20.187 – ebenfalls ein Zuwachs. Insgesamt wurden 58.656 Erfindungen zum Patent angemeldet: ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Dass die Innovationstätigkeit deutscher Unternehmen merklich anzieht, ist ein ermutigendes Zeichen in wirtschaftlich schwieriger Zeit“, erklärte DPMA-Präsidentin Eva Schewior und betonte: „Geschützte Innovationen stärken die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und sind ein Treiber für Wohlstand und Fortschritt in unserer Gesellschaft.“ Mit Einsetzen der Corona-Pandemie Anfang 2020 war die Zahl der Patentanmeldungen mehrere Jahre in Folge rückläufig, insbesondere betraf dies Patentaktivitäten aus Deutschland.
Wirksame Prüfungsanträge nehmen zu
Neben den Patentanmeldungen steigt auch die Zahl der wirksamen Prüfungsanträge. Anmelder haben beim DPMA sieben Jahre lang Zeit, für ihre Patentanmeldung einen Prüfungsantrag zu stellen und damit das Prüfungsverfahren in Gang zu setzen, um die betreffende Erfindung zum Patent zu führen. Im vergangenen Jahr wurden beim DPMA 43.808 Prüfungsanträge wirksam gestellt, was ein Plus von 2,2 Prozent macht. Steigende Zahlen waren auch bei Gebrauchsmustern zu verzeichnen: 9.709 Anmeldungen gingen im vergangenen Jahr ein – und damit 2,5 Prozent mehr als noch 2022. Die Zunahme ist auf die höhere Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus China, zurückzuführen. Wie Patente schützen Gebrauchsmuster technische Erfindungen. Im Gegensatz zum Patent werden diese allerdings vor der Eintragung nicht auf Neuheit und erfinderische Tätigkeit geprüft.
Wachstum in der Batterietechnik
Im Patentbereich setzten sich mehrere Techniktrends der vergangenen Jahre fort. Vor allem nahmen die Anmeldungen im Bereich Elektrotechnik zu. 2023 waren es hier 6,1 Prozent mehr als noch 2022. Als maßgeblicher Treiber für die Entwicklung im Sektor Elektrotechnik zeichnete sich das Technologiefeld „Elektrische Maschinen und Geräte, elektrische Energie“ verantwortlich, in dem die Anmeldezahlen 2023 um 9,9 Prozent anstiegen. Besonders stark boomte hier die Batterietechnik. Allein in der dafür relevanten Unterklasse H01M der Internationalen Patentklassifikation (IPC) betrug der Zuwachs im Jahr 2023 fast 20 Prozent.
Deutsche Autohersteller engagieren sich bei Batterieentwicklung
Betrachtet man die Anmelder in diesem Bereich, so wird deutlich, dass der Haupttreiber die Elektromobilität ist. Die anmeldestärksten Unternehmen sind hier Automobilbauer und Zulieferer. Neben den herkömmlichen IPC-Klassen für Fahrzeugbau gehört die erwähnte Unterklasse H01M für die Batterietechnik bei allen großen deutschen Automobilherstellern zu den Top-3-Anmeldegebieten.
Dem Innovationstrend Elektromobilität steht ein weiterer deutlicher Rückgang im Bereich der Verbrennungsmotoren entgegen: Im Technologiefeld „Motoren, Pumpen, Turbinen“ gingen 2023 dabei 4,6 Prozent weniger Erfindungen ein als im Vorjahr. In anderen Technologiefeldern des Maschinenbaus verzeichnete das DPMA ebenfalls deutliche Rückgänge, etwa im traditionell starken Bereich „Maschinenelemente“ (–6,8 Prozent): Dazu gehören beispielsweise hydraulische oder pneumatische Stellorgane, Wellen, Gelenke und Lager sowie Rohre und Speicher für Gase oder Flüssigkeiten. Im seit Jahren anmeldestärksten Technologiefeld „Transport“ legte die Anmeldezahl dagegen wieder zu (+2,5 Prozent). Insgesamt gingen hier 10.618 Patentanmeldungen ein. „Die technologische Zeitenwende in der Mobilität ist ein wesentlicher Faktor beim Wandel der Innovationstätigkeit insgesamt“, so Eva Schewior. „Was früher der Verbrennungsmotor war, ist heute die Batterie: Die Anmeldeentwicklung verdeutlicht, dass die deutschen Automobilhersteller sich darauf eingestellt haben.“
Automobilindustrie meldet meiste Patente an
Für die Innovationskraft Deutschlands hat die Automobilindustrie nach wie vor zentrale Bedeutung: Diesen Fakt unterstrich der Verband der Automobilindustrie auf dem Technischen Kongress in Berlin am 20. und 21. Februar 2024. Das Deutsche Patent- und Markenamt belegte diesen nun mit Zahlen. Die zehn anmeldestärksten Unternehmen beim DPMA sind allesamt Automobilhersteller oder Zulieferer.
Die Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen im Jahr 2023 kommen allesamt aus der Automobilindustrie.
(Bild: DPMA)
Auf Platz 1 stand 2023 wie in den Vorjahren Robert Bosch mit nun 4.160 Patentanmeldungen, vor Mercedes-Benz (2.046) und BMW (1.963). Auf den Plätzen vier bis zehn folgten die GM-Tochter Global Technology Operations mit 1.640 Anmeldungen, ZF Friedrichshafen (1.309), Ford Global Technologies (1.175), Schaeffler Technologies (1.040), Volkswagen (1.031), Porsche (913) und Audi (865).
Stand: 08.12.2025
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Patentstatistik: Baden-Württemberg vor Bayern
Ein Ranking erstellt das DPMA jedes Jahr auch für die deutschen Bundesländer. Hier führt mit inzwischen großem Abstand Baden-Württemberg mit 14.648 Patentanmeldungen. Das sind 9,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf Rang 2 mit 10.805 Anmeldungen – ein Plus von 2,4 Prozent – liegt Bayern und Nordrhein-Westfalen folgt mit 5.527 Anmeldungen (+4,4 Prozent). Bezieht man die Anmeldungen auf die jeweilige Bevölkerungszahl, so ergibt sich ein leicht verändertes Ranking. Baden-Württemberg liegt mit 130 Patentanmeldungen pro 100.000 Einwohner weiter vor Bayern (81). Auf Platz 3 folgt dann aber Niedersachsen (35). Betrachtet man die Technologiefelder bei den Patentanmeldungen in Baden-Württemberg und Bayern, dann ist es wenig überraschend „Transport“ auf dem ersten Platz zu finden.
Bei Markenanmeldungen stehen ebenfalls die genannten Bundesländer auf den ersten drei Plätzen – allerdings in umgekehrter Reinfolge: Es führt Nordrhein-Westfalen mit 20.392, vor Bayern mit 11.183 und Baden-Württemberg mit 8336 Anmeldungen. Rechnet man auch die Markenanmeldungen auf je 100.000 Einwohner um, so führt Hamburg mit 169 Anmeldungen das Ranking an, vor Berlin (127) und Nordrhein-Westfalen. Die Unternehmen mit den meisten Markeneintragungen waren im vergangenen Jahr BMW (108), Boehringer Ingelheim International (94) und Brillux (