Bahntechnik Neue Generation an Hochgeschwindigkeitszügen in China: Schneller, leiser, grüner

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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China hat die nächste Generation seiner Hochgeschwindigkeitszüge vorgestellt. Kurz vor dem Jahreswechsel ist in Peking erstmals der neue Prototyp CR450 für die chinesischen „Gaotie“ enthüllt worden, also das chinesische Äquivalent des ICE in Deutschland oder des Shinkansen in Japan.

In Chinas Hauptstadt Peking wurde am 29.12.2024 der Prototyp des schnellsten Hochgeschwindigkeitszuges der Welt. Dieser kann eine Spitzengeschwindigkeit von 450 km/h erreichen. (Bild:  Xinhua | Ju Huanzong)
In Chinas Hauptstadt Peking wurde am 29.12.2024 der Prototyp des schnellsten Hochgeschwindigkeitszuges der Welt. Dieser kann eine Spitzengeschwindigkeit von 450 km/h erreichen.
(Bild: Xinhua | Ju Huanzong)

Die neuen Züge werden noch schneller fahren, dabei gleichzeitig aber noch sparsamer beim Energieverbrauch und noch leiser für die Passagiere sein, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. In Fahrtests, von denen bis jetzt 200.000 Kilometer ausgeführt worden sind, erreichte der CR450 eine Spitzengeschwindigkeit von 450 Stundenkilometern. Sobald er kommerziell in Betrieb genommen werden kann – was voraussichtlich in rund zwei Jahren der Fall sein wird – werde die Betriebsgeschwindigkeit auf Chinas schnellsten Strecken von derzeit 350 auf 400 km/h steigen können, schreibt Xinhua. „Eine Steigerung der Geschwindigkeit von 50 km/h mag sich nicht nach sehr viel anhören, aber dafür mussten eine Menge Hürden überwunden werden“, zitiert die chinesische Wissenschaftszeitung Keji Ribao den Direktor des „Rolling Stock Research Institute“ der „China Academy of Railway Sciences”, Zhang Bo.

Mehr Platz, weniger Geräuschbelastung

So ist das Gewicht der acht Waggons, von denen vier mit und vier ohne eigenen Antrieb fahren, um zehn Prozent reduziert worden, was die Energiekosten trotz der höheren Geschwindigkeit reduziert, berichten chinesische Staatsmedien. Gleichzeitig mussten aber Stabilität und Sicherheit trotz des leichteren Gewichtes und der höheren Geschwindigkeit gewahrt bleiben. Unter anderem sei das durch den Einsatz neu entwickelter Materialien aus Karbonfasern, sowie durch Design-Neuerungen beim Fahrwerk und bei der Karosserieerreicht worden, heißt es.

Durch das Design einer besonders spitzen „Schnauze“ und anderer Innovationen habe man den Luftwiderstand weiter entscheidend verringern können, gaben die zwei Hersteller des neuen Zuges, die CRRC Changchun Railway Vehicles und die CRRC Sifang Co., Ltd, bekannt. Der Betriebswiderstand des neuen Schnellzuges liege insgesamt um 22 Prozent niedriger als bei seinem Vorgängermodell, so seine Entwickler.

Auch seien neue Technologien entwickelt worden, um die Geräuschbelastung der Passagiere um zwei Dezibel zu reduzieren. Gleichzeitig bekommen die Fahrgäste vier Prozent mehr Platz als zuvor, unter anderen für neue Stellplätze für Rollstühle und Kinderwagen.

Längstes Schnellzugnetz weltweit

Schon jetzt betreibt China das schnellste und längste Schnellzugnetz der Erde. Bis Ende vergangenen Jahres hat es eine Länge von 48.000 Kilometern erreicht, wird jedoch noch weiter ausgebaut. Insgesamt hat Chinas Schienennetz für Züge jeglicher Geschwindigkeit eine Länge von 162.000 Kilometern erreicht. „Während China in die Zukunft blickt, bleibt sein Eisenbahnsektor ein Symbol für die Ambitionen unseres Landes, zum weltweiten Führer in den Bereichen technologische Innovation und nachhaltige Entwicklung zu werden“, kommentiert die China Daily den gerade vorgestellten Prototypen.

Der neue Schnellzug wird wohl erneut derjenige mit der global schnellsten Betriebsgeschwindigkeit werden. Die demnächst möglichen 400 km/h kontrastieren mit den derzeit 300 km/h des ICE3 in Deutschland und den 320 km/h des französischen TGV sowie des japanischen „JR East E5“.

Ist noch schneller sinnvoll?

Skeptische Fragen, ob noch mehr Geschwindigkeit überhaupt sinnvoll sei, stellt man in China auch, beantwortet sie aber sofort dem Verweis auf den ökonomischen und ökologischen Nutzen. So wird die Reisezeit zwischen Peking und Shanghai von derzeit 4,5 auf 3,3 Stunden reduziert werden, falls die neuen Züge auf dieser Strecke eingesetzt werden.

Auch für die wirtschaftliche Entwicklung entlegener Teile des Landes, darunter etwa Tibet und viele Grenzregionen Chinas, ist das Schnellzugnetz von großer Bedeutung. Viele bislang eher schwer erreichbare und relativ schlecht entwickelte Reiseziele wie das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannte Jiuzhaigou im Westen der Provinz Sichuan freuen sich über neue Entwicklungschancen durch den heimischen Tourismus.

Nicht nur schnell, sondern auch grün

Je mehr aufgrund der Klimadebatte die Nachhaltigkeit von Kurzstreckenflügen angezweifelt wird, desto sinnvoller erscheint zudem der Einsatz von Schnellzügen, zumindest für Entfernungen von bis zu 1000 Kilometern. Bequemer, schneller und umweltfreundlicher geht es bis dato mit keiner anderen Transportmethode.

Verkaufsargument Schnelligkeit

China treibt die technologische Entwicklung seiner Schnellzüge aber auch deshalb immer weiter voran, weil es mit ihrem Verkauf ins Ausland Geld verdienen will. Die schnellsten Züge der Erde zu haben – und erfolgreich zu betreiben – ist im Exportgeschäft ein wertvolles Verkaufsargument.

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In Indonesien ist seit Oktober 2023 ein rein auf chinesischer Technologie basierendes Schnellzugnetz im Betrieb, das bereits mehr als vier Millionen Passagiere befördert hat. Auch zwischen Belgrad und Novi Sad verkehren Hochgeschwindigkeitszüge aus China. Viele andere Länder sind ebenfalls an den chinesischen Zügen interessiert. (se)

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