Parkraumkonzept für urbane Ballungsräume Mobilität hoch hinaus

Von Gunthart Mau * 3 min Lesedauer

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Durch den ausgeprägten Individualverkehr mit hoher Pkw-Dichte haben gibt es einen hohen Platzbedarf durch parkende Autos. Das ist vor allem in Großstädten ein Problem. Als platzsparende Lösung bieten sich Parktürme an. Hierfür entwickelte das Münchner Unternehmen VePa Vertical Parking mit Unterstützung von SEW-Eurodrive ein automatisiertes Paternoster-Parksystem.

Parktürme können eine platzsparende Lösung sein, wie das Münchner Unternehmen VePa Vertical Parking zeigt. Das Start-Up hat im Münchner Werksviertel ein automatisiertes Paternoster-Parksystem umgesetzt. (Bild:  SEW-Eurodrive)
Parktürme können eine platzsparende Lösung sein, wie das Münchner Unternehmen VePa Vertical Parking zeigt. Das Start-Up hat im Münchner Werksviertel ein automatisiertes Paternoster-Parksystem umgesetzt.
(Bild: SEW-Eurodrive)

VePa Vertical Parking hat sich zum Ziel gesetzt, Städte lebenswerter zu machen. Dafür will das Münchner Start-up-Unternehmen Parkmöglichkeiten auf kleinem Raum schaffen und so die umweltschädliche Bodenversiegelung reduzieren. Im bevölkerungsreichen Asien sind bereits seit einiger Zeit vertikale Parksysteme in Betrieb. Derartige Lösungen auch für Deutschland zu entwickeln, inspirierte die beiden VePa-Gründer, David Schön und Simon Schubnell.

Großer Nutzen, kleine Grundfläche

Vertikale Parksysteme können eine zukunftsweisende Lösung sein, um städtische Flächen effizienter zu nutzen. VePa entwickelte Parktürme mit einem automatisierten Paternoster-Parksystem als zukunftsfähige Lösung für die urbane Stellplatzproblematik. Auf 49 m², auf denen sonst drei bis vier Fahrzeuge Platz finden würden, entstehen acht, zehn oder zwölf Stellplätze – perspektivisch sind sogar 16 möglich. Diese hohe Flächeneffizienz ermöglicht es Städten, an anderer Stelle wertvolle Flächen zu entsiegeln. Auch für Neubauten und Nachverdichtungen schaffen die Parktürme Mehrwert: Projektentwickler können zukünftig auf aufwendige Tiefgaragen verzichten und so wirtschaftlicher und nachhaltiger planen. Bereits im Herbst 2023 wurde im oberbayerischen Freising, unweit des Münchner Flughafens, ein erster Parkturm mit acht Pkw-Stellplätzen als Prototyp in Betrieb genommen. Das Bauunternehmen Adldinger ist der Betreiber dieses Parkturms. Nach einem zweijährigen, erfolgreichen Test mit einem geschlossenen Personenkreis wurde 2025 der erste öffentliche Parkturm im Münchner Werksviertel, in der Nähe des Ostbahnhofs, eröffnet. Er bietet zwölf Fahrzeugen von der Größe eines SUVs Platz.

Das Werksviertel-Mitte möchte auch für kommende Generation ein lebens- und liebenswerter Ort sein. Deshalb wurde dieses Stadtquartier im Münchner Osten mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit gestaltet.(Bild:  SEW-Eurodrive)
Das Werksviertel-Mitte möchte auch für kommende Generation ein lebens- und liebenswerter Ort sein. Deshalb wurde dieses Stadtquartier im Münchner Osten mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit gestaltet.
(Bild: SEW-Eurodrive)

Laden per App

Die Stellplätze sind jeweils mit einer Wallbox zum Laden von Elektrofahrzeugen ausgestattet. Das Laden erfolgt über ChargePoint, eine modulare Software-Plattform für Elektromobilitätsdienstleister und Ladestationsbetreiber. Sie ermöglicht den Betreibern, ihre Ladestationen zu verwalten und zu überwachen und den Nutzern das problemlose Laden ihrer Elektrofahrzeuge.

In die Wallboxen des Parkhauses passen Typ 2-Stecker, die seit 2013 in der EU Standard sind. Im Turm in München beträgt die maximale Ladeleistung 11 kW.(Bild:  SEW-Eurodrive)
In die Wallboxen des Parkhauses passen Typ 2-Stecker, die seit 2013 in der EU Standard sind. Im Turm in München beträgt die maximale Ladeleistung 11 kW.
(Bild: SEW-Eurodrive)

Einfahrt in den Parkturm

Die Nutzung der öffentlichen VePa-Parktürme ist für Kurzzeitparker vorgesehen. Hierbei erfolgt eine automatische Kennzeichenerkennung. Zur Einfahrt in den Turm öffnet sich das Rolltor und eine freie Plattform wird bereitgestellt, auf der das Fahrzeug geparkt werden kann. Der Parkvorgang sowie sicherheitsrelevante Angaben müssen anschließend außerhalb des Gebäudes quittiert werden.

Bezahlung und Ausfahrt

Wer sein Auto abholen möchte, muss vor dem geschlossenen Tor durchschnittlich weniger als eine Minute warten, bis das Fahrzeug wieder zur Verfügung steht. Die Steuerung ist so programmiert, dass der Pkw immer auf dem kürzesten Weg nach unten befördert wird. Zum Ausparken bezahlt man am Parkautomaten per Karte oder online über eine App. Dann kann man das Auto am Terminal anfordern, den Turm durch die Personentür betreten und bei Bedarf den Batterieladevorgang beenden. Anschließend fährt man das Auto raus.

Zuverlässige Antriebstechnik

Neben den beteiligten Bau- und Immobilienfirmen sowie Parkhausbetreibern ist SEW-Eurodrive eine weitere treibende Kraft hinter diesem Projekt, durchaus im wörtlichen Sinn: Ein 30-kW-Kegelradgetriebemotor KAF157 DRN200 treibt die Plattformen an. Er sorgt über eine Antriebskette für den kraftvollen und präzisen Umlauf der Plattformen in beide Richtungen. Die Energieversorgung und Regelung des Motors erfolgt über einen Frequenzumrichter Movidrive System MDX91A aus dem Automatisierungsbaukasten Movi-C. Auch für neue Projekte – mit erweiterten Anforderungen – wird die Antriebstechnik gemeinsam mit SEW-Eurodrive dimensioniert. Leonard Stenger, Manager Urbane Projekte bei VePa: „Wir freuen uns, mit SEW-Eurodrive einen starken Partner für unsere Innovation gefunden zu haben.“

Ein vierpoliger Drehstrommotor DRN200 der Energieeffizienzklasse IE3 mit Kegelstirnradgetriebe KAF157 treibt den Paternoster im Parkturm an. Er sorgt für den kraftvollen und präzisen Umlauf der Plattformen in beide Richtungen. (Bild:  SEW-Eurodrive)
Ein vierpoliger Drehstrommotor DRN200 der Energieeffizienzklasse IE3 mit Kegelstirnradgetriebe KAF157 treibt den Paternoster im Parkturm an. Er sorgt für den kraftvollen und präzisen Umlauf der Plattformen in beide Richtungen.
(Bild: SEW-Eurodrive)

Ausblick: Urbane Mobilität

Das nächste Projekt steht bereits in den Startlöchern: In Berlin wird der nächste VePa-Turm als öffentliches Park- und Ladehub errichtet. Co-Founder Simon Schubnell denkt aber schon weiter: „Wir wollen Schritt für Schritt zu einem der führenden Betreiber urbaner Parking- und Charging-Hubs in Deutschland – und darüber hinaus in ganz Europa – werden.“ Dank der modularen Bauweise ist auch eine multifunktionale Erweiterung der Parklösung möglich, zum Beispiel durch die Integration von Shared- oder Mikro-Mobility-Angeboten, etwa für das Carsharing oder einen E-Bike-Verleih.  (se)

* Gunthart Mau ist Referent Fachpresse bei SEW-Eurodrive in Bruchsal.

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