Netzausbau für E-Mobilität Ladeinfrastruktur in Europa: Ziele bis 2030 werden wahrscheinlich verfehlt

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Die EU-Kommission hat klare Ziele formuliert, wie stark die Ladeinfrastruktur in Europa bis zum Jahr 2030 ausgebaut sein soll. Studien zufolge gibt es aktuell rund 910.000 Stationen, was 26 Prozent des bis 2030 gesetzten Ziels von 3,5 Millionen entspricht.

"Lade-Wüsten" in Europa(Bild:  Motointegrator/ Datapulse Research)
"Lade-Wüsten" in Europa
(Bild: Motointegrator/ Datapulse Research)

Im Rahmen einer Studie von Motointegrator und Datapulse Research halten die Autoren fest, dass Europa wahrscheinlich die von der EU-Kommission gesetzten Ziele zum Auf- und Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur bis zum Jahr 2030 nicht erreichen wird. Zumindest lässt der aktuelle Stand diese Annahme zu. Aktuell finden sich in den 27 EU-Staaten rund 910.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte; das sind 26 Prozent des bis 2030 gesetzten Ziels von 3,5 Millionen Ladestationen.

Bei der aktuellen Installationsrate von etwa 150.000 neuen Ladepunkten pro Jahr würde Europa bis 2030 nur rund 1,7 Millionen erreichen. Um das Ziel zu erfüllen, müsste die Ausbaugeschwindigkeit auf mehr als 500.000 jährlich steigen.

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Die Strategien der Mitgliedstaaten unterscheiden sich dabei deutlich. Deutschland plant bis 2030 rund eine Million Ladepunkte, Frankreich 400.000. Die Niederlande verfolgen einen kapazitätsbasierten Ansatz, der auf hohe Verfügbarkeit statt auf fixe Gesamtzahlen setzt. Die EU-Verordnung für alternative Kraftstoffinfrastruktur (AFIR) schreibt dabei Mindeststandards vor – etwa Schnelllader mit mindestens 150 kW alle 60 Kilometer entlang des TEN-T-Kernnetzes. Das TEN-T-Kernnetz steht für Trans-European Transport Network und ist sowohl Rückgrat des europäischen Verkehrs als auch die Referenzachse, an der sich alle EU-weiten Mindeststandards für Lade-, Wasserstoff- oder alternative Kraftstoffinfrastruktur orientieren.

Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land

Die Studie unterstreicht dabei deutlich, dass es beim Aufbau der Ladeinfrastruktur nicht nur auf die Anzahl, sondern auch auf Leistung, Standortverteilung und Netzqualität ankommt. Es zeigen sich zum Beispiel erhebliche regionale Unterschiede. Besonders in Nordskandinavien, ländlichen Regionen Deutschlands sowie in Süd- und Osteuropa bestehen sogenannte Lade-Wüsten, in denen der Abstand zwischen Stationen 40 Kilometer oder mehr beträgt. Damit werden die EU-Vorgaben deutlich verfehlt.

Während die Niederlande mit der höchsten Zahl an Ladepunkten pro Kopf führen, verfügen sie überwiegend über Mittelklasse-Ladeleistungen. Norwegen kombiniert dagegen eine dichte Abdeckung mit einem hohen Anteil an Schnellladepunkten über 150 kW.

Privatwirtschaft springt ein

Eine zunehmende Rolle beim Ausbau spielen private Anbieter. Einzelhandelsketten investieren europaweit in Schnellladeinfrastruktur auf Parkplätzen und tragen damit zur Abdeckung regionaler Lücken bei. Auch außerhalb der EU wächst der Markt: In der Türkei etwa hat sich die Zahl der öffentlichen Ladepunkte innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt – von rund 11.800 Ende 2023 auf über 26.000 Ende 2024. (sb)

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