Elektromobilität Kia erforscht Batteriepass-Technologie auf Zellenebene

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Kia erforscht und testet öffentlich einen Batteriepass auf Zellenebene. Durch detaillierte Echtzeitdaten zum Zustand jeder Batteriezelle soll der Pass für Transparenz bei Elektroautobatterien sorgen. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine eigene Organisation gegründet, um selbstständig einen Batteriepass-Service anzubieten.

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie nutzte Kia einen mit Batteriezellen-Überwachung ausgestatteten EV3, um detaillierte Echtzeitdaten zum Zustand jeder Batteriezelle zu erhalten.(Bild:  Kia)
Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie nutzte Kia einen mit Batteriezellen-Überwachung ausgestatteten EV3, um detaillierte Echtzeitdaten zum Zustand jeder Batteriezelle zu erhalten.
(Bild: Kia)

Ein Batteriepass ermöglicht die Live-Überwachung des Batteriezustands (State of Health, SoH), Reparaturdiagnosen in Echtzeit und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit über den gesamten Batterielebenszyklus. Das sorgt insgesamt für eine längere Batterielebensdauer, Kosteneinsparungen bei der Wartung und mehr Vertrauen beim Kauf oder Verkauf gebrauchter Elektrofahrzeuge.

Eigene Organisation gegründet

Um einen eigenen Batteriepass-Service zu entwickeln, hat Kia über die Vorfeldforschung hinaus eine interne Organisation gegründet, die Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen mit Partnern aus der gesamten Batterie-Wertschöpfungskette sowie verwandten Netzwerken zusammenbringen will. Der Batteriepass der koreanischen Marke wird über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen, indem er zusätzliche sicherheitsrelevante Daten enthält und damit einen Standard gewährleistet. Kia plant diesen Service bis Februar 2027 für alle in Europa verkauften Elektrofahrzeug- und Hybridmodelle anzubieten. Der digitale Batteriepass ist laut EU-Batterieverordnung ab Februar 2027 verpflichtend.

Pilotumgebung zur gemeinsamen Datennutzung

Für den Test wurde ein in Korea produzierter und mit einem Dukosi-Batteriezellen-Überwachungssystem ausgestatteter Kia EV3 nach Deutschland geliefert. Das Versuchsfahrzeug ist in der Lage, Live-Daten für jede Akkuzelle zu erheben und zu übermitteln und sie in seinen digitalen Batteriepass hochzuladen.

Nach dem Upload der Daten lassen sich über das Infotainment-System des Fahrzeugs die Echtzeitinformationen zum Batteriezustand (SoH) abrufen. Damit die Genauigkeit und Rückverfolgbarkeit während des gesamten Batterielebenszyklus gewährleistet ist, wird das System nach Reparaturarbeiten automatisch aktualisiert. Um während des Versuchs auf die gesammelten Batteriepassdaten zugreifen zu können, kam eine von der niederländischen Forschungs- und Entwicklungsorganisation TNO entwickelte Pilotumgebung zur gemeinsamen Datennutzung zum Einsatz.

Koordiniert wurde der Batteriepass-Test von der Technischen Universität Delft zusammen mit mit der Kia-Mutter Hyundai. Das System könnte auch für weitere Anwendungen konfiguriert werden, zum Beispiel für ein anderes Fahrzeugmodell, für die Interfunktionsfähigkeit mit einer anderen Marke oder sogar für eine Anwendung in einem anderen Sektor.

Herausforderungen bei der Umsetzung des EU-Batteriepasses ausloten

Der Batteriepass-Test ist Teil einer EU-weiten Forschungskooperation, die darauf abzielt, die Herausforderungen und Möglichkeiten der Umsetzung des EU-Batteriepasses in einem realen Kontext mit mehreren Interessengruppen zu erproben und zu erkunden. Um eine sichere Datenübertragung zwischen den Fahrzeugsystemen und den Beteiligten zu gewährleisten, wurde die technische und Backend-Integration des Batteriepasses von Hyundai Mobis und Hyundai durchgeführt.

Welchen Nutzen digitale Produktpässe in Zukunft haben könnten, untersuchte das Projekt „Datapipe“zusammen mit ARN, der niederländischen Organisation für Herstellerverantwortung bei der Behandlung von Altautos und deren Batterien. Der EU-Batteriepass beinhaltet derzeit mehr als 100 Datenmerkmale.

Hohe Datengenauigkeit

Im Vergleich zu herkömmlichen Überwachungssystemen, die nur den Zustand des gesamten Akkus oder eines Batteriemoduls ermitteln, sammelt die Kia-Forschung Daten für jede einzelne Zelle und zeigt sie an. Diese Datenerhebung bietet den Kunden verschiedene Vorteile. Zum Beispiel können sie dank der Echtzeitdaten zum Batteriezustand Wartungsprobleme frühzeitig erkennen und beheben lassen. Das kann die Batterielebensdauer verlängern und die langfristigen Kosten reduzieren.

Die hohe Präzision der Batterieüberwachung ermöglicht auch gezielte zellenspezifische Reparaturen. So können statt kompletter Module einzelne Zellen ausgetauscht werden, was Zeit und Geld spart. Beim Verkauf des Stromers profitiert man davon, dass die Live-Daten zum Batteriezustand das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs erhöhen, was wiederum den Wiederverkaufswert steigern kann. Hilfreich ist diese Transparenz auch bei Entscheidungen über die Wiederverwendung und das Recycling von Batterien. Dadurch wird es einfacher, Elektroautobatterien länger auf dem Markt zu halten und Abfall zu reduzieren. (se)

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