Markenausblick Genesis denkt luxuriös und elektrisch über den Heimatmarkt hinaus

Quelle: sp-x 4 min Lesedauer

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Die noble Premium-Tochter von Hyundai will spätestens ab 2030 rein elektrisch und mit neuem Design die Konkurrenz angreifen. Am heimischen Markt hat man die Weichen schon gestellt. In Europa arbeitet man noch an Strukturen und der richtigen Modellpolitik.

Die Luxus-Konkurrenz hat Genesis mit dem G90 klar im Visier. Und auch Modelle im Kleinwagenbereich werden diskutiert. Klar ist: Die Marke erhält eine neues Design und wird elektrifiziert.(Bild:  Genesis)
Die Luxus-Konkurrenz hat Genesis mit dem G90 klar im Visier. Und auch Modelle im Kleinwagenbereich werden diskutiert. Klar ist: Die Marke erhält eine neues Design und wird elektrifiziert.
(Bild: Genesis)

Das erste Etappenziel ist vollbracht. Seit Januar wird die koreanische Nobelmarke Genesis in der Zulassungsstatistik des KBA als eigenständige Marke geführt. Im Premierenjahr 2022 mussten sich die Newcomer noch anonym unter „Hyundai/Sonstige“ einordnen. Magere 1.400 Einheiten standen da zu Buche. Die meisten noch Eigenzulassungen. Aber niemand hat behauptet, dass sich Genesis auf einem Sprintrennen befindet.

„Wir schauen zunächst nicht auf die Verkäufe“, sagt Genesis Markenchef Grame Russell. Das kann man sich offensichtlich leisten. Mit der Potenz des übermächtigen und kerngesunden Hyundai-Konzern im Rücken führt der erst 2015 gegründete Luxusableger ein Leben auf der Überholspur. Der Blick auf den Heimatmarkt, wo zwei Drittel aller Fahrzeuge verkauft werden, verdeutlicht den rasanten Aufstieg. Rund 800.000 Fahrzeuge hat Genesis bereits auf der Straße, dieses Jahr soll die Million vollgemacht werden. Gefühlt fahren in Seoul bereits mehr Genesis rum als bei uns Mercedes oder BMW.

Acht Modelle aktuell im Portfolio

Acht Modelle gibt es derzeit. Erfolgreichster Genesis weltweit ist der G80, entsprechend der Mercedes E-Klasse oder dem Fünfer BMW. Selbst von der im letzten Jahr eingeführten Nobellimousine G90, die kurzfristig auch zu uns abbiegen könnte, wurden hier bereits über 20.000 Einheiten verkauft. Wer die 5,47-Meter-lange, staatstragende Stretch-Version wählt, erhält seit Januar freien Eintritt in die nagelneue First-Class-„Genesis-Lounge“ im feinsten Hotel der Stadt, „The Shilla“. Auf so etwas steht man hier. Status und Luxus sind für viele der ewig fleißigen, aufstrebenden Koreaner die Triebfedern ihres Lebens.

Extravaganz lässt sich Genesis etwas kosten. Schon die Fahrzeugauswahl gleicht dem Bummel durch ein Luxuskaufhaus. Im maximal stylischen Suji Studio, dem zweiten seiner Art in Seoul, präsentiert Genesis auf fast 5.000 Quadratmetern, verteilt auf vier Stockwerke seine noblen Karossen. Lediglich 40 Autos parken hier, das entspricht dem selbstgewählten Leitbild vom „Beauty of White Space“, der Schönheit des weißen Raums.

Nach Voranmeldung kann der potenzielle Käufer mit seinem persönlichen Berater Modelle, Farben und Materialien auswählen sowie Probefahrten unternehmen. Die Abholung der bestellten Ware an die Kunden erfolgt dann in einer Zeremonie mit exakt einstudierter Choreografie. Wie in einem Automaten aufgereiht, warten die Fahrzeuge auf ihren Einsatz. Dann schweben sie aus dem gläsernen Regalsystem per Lift ein und werden mit viel Brimborium übergeben. Das Ganze dauert bis zu drei Stunden, 40 bis 50 Handovers finden hier pro Monat statt.

Zwei Studios in Deutschland

In Deutschland hat Genesis bislang zwei Studios, in Frankfurt und München. Zugegeben, nicht ganz so extravagant. Derzeit suchen die Koreaner neue Handelspartner. Bundesweit sind 15 bis 20 Händler angestrebt, die meisten dürften existierende Hyundai-Händler werden, man würde aber auch unters Dach geeigneter anderer Marken schlüpfen.

Welche Modelle dort dann präsentiert werden, lässt noch viel Raum für Spekulationen. Fest steht: Ab 2025 wird Genesis keine neuen Verbrenner mehr einführen, ab 2030 will die Premiummarke dann rein elektrisch sein. Anders als der Komponentenspender Hyundai wird es nach heutigem Stand keine Wasserstoffmodelle bei der Premium-Tochter geben, Genesis will sich rein auf den batterieelektrischen Antrieb fokussieren.

Zunächst überbrückt der Feinkostanbieter die Zeit weitgehend mit Facelifts. Eventuell folgen auch noch weitere elektrifizierte Versionen basierend auf bestehenden Modellen, entsprechend dem electrified GV 70. Auf jeden Fall entwickeln die obersten Formengeber Creative Officer Luc Donckerwolke und Designchef Sangyup das „Two-Lines-Design“ mit den extrem schmalen Scheinwerfern, in denen Tagfahrlicht, Abblendlicht und Blinker integriert sind, kontinuierlich weiter. Auch die grell leuchtenden, parallel um das Fahrzeug gezogenen Lichtstreifen werden wir an zukünftigen Modellen noch ausgeprägter wiederfinden. Der G90 gibt hier schon mal einen Vorgeschmack auf das, was kommen wird.

Viel Zukunftsmusik

Wie spektakulär das mal aussehen könnte, hat Genesis 2022 erstmals in New York bei der ikonischen Studie „X Speedium“ gezeigt. Ein ebenso klassisch elegantes wie kreativ modern gezeichnetes Coupé mit derart gelungenen Proportionen, dass man spontan Schnappatmung bekommt. Lee sagt: „Wenn wir nach links und rechts gucken, sind wir nicht fokussiert auf den Weg, der vor uns liegt. Wir wollen nicht folgen, sondern es richtig machen.“

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Ob das Leuchtturmprojekt es mal in die Serie schafft, ist ebenso Zukunftsmusik wie ein Luxus-Mini. Noch einmal Lee: „Natürlich fragen wir uns, wie klein Premium sein kann, sein darf. Schließlich wird die Zukunft in Mega-Citys stattfinden.“ Bis dahin fährt Genesis auf sicherem Terrain. Bereits Anfang April stellen die Koreaner in New York das JX Coupé Concept vor, quasi eine serienreife Coupé-Version des GV80 in BMW X6-Größe.

Danach ist vieles möglich. Gerade die zukünftigen, dann komplett elektrifizierten Modelle bieten im Innenraum famose Spielwiesen. Genesis experimentiert derzeit zum Beispiel mit Konzepten zu Oberflächenheizungen, inspiriert von der koreanischen Architekturheizung Ondol. Oder auch mit großen, gekrümmten OLED-Bildschirmen und mit extravaganten Klangerlebnissen, die alles, was wir von bisherigen Musikanlagen im Ohr hatten, in den Schatten stellen. Wir werden von dem kommenden Millionär also noch einiges hören.

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