Antriebstechnik Geely: Neuer Verbrennungsmotor mit Wärmewirkungsgrad von 46,5 Prozent

Von Henrik Bork Henrik Bork * 3 min Lesedauer

Geely hat mit dem Galaxy Starship ein neues Hybrid-Auto in China auf den Markt gebracht. Trotz des Namens ein Highlight hier auf der Erde. Die thermische Effizienz des Verbrennungsmotors aber klingt tatsächlich wie aus einer fernen Galaxie – nämlich 46,5 Prozent.

Geely hat mit dem Galaxy Starship ein neues Hybrid-Auto in China auf den Markt gebracht, das mit einem äußerst effizienten Verbrennungsmotor glänzt.(Bild:  Geely)
Geely hat mit dem Galaxy Starship ein neues Hybrid-Auto in China auf den Markt gebracht, das mit einem äußerst effizienten Verbrennungsmotor glänzt.
(Bild: Geely)

Marktüblich sind heutzutage noch Wärmewirkungsgrade zwischen 30 und 35 Prozent für Verbrennungsmotoren (Internal Combustion Engines, ICE). Der von Geely neu entwickelte ICE-Motor, ein Vierzylinder mit 1,5 Litern Hubraum namens „BHE15“, habe mit seinen 46,5 Prozent „die höchste thermische Effizienz der Welt“, erklärt der Hersteller. Gemeint ist hier eigentlich „der Erde“ und nicht „der Welt“, denn wer weiß schon, was in fernen Galaxien so alles herumfährt. Spaß beiseite – aber ziemlich beeindruckend ist das Ganze schon. Schließlich handelt es sich hier nicht um einen Prototyp, sondern um einen Motor und ein Hybridauto, die beide schon in Serie gefertigt werden. Die ersten Modelle sind Anfang dieses Monats im Geely-Werk in Yiwu in der Provinz Zhejiang vom Band gerollt.

Niedrige Energieaufnahme

Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit, als Geely sein neues Hybridauto „Galaxy Starship 7“ Anfang November auf der Guangzhou Auto Show vorgestellt hat. Es ist ein Plugin-Hybrid (PHEV). Dank des sparsamen Motors habe das Fahrzeug einen Kraftstoffverbrauch von 3,75 Liter auf 100 Kilometer, schreiben chinesische Fachmedien. Etwas Sparsames gibt es in dieser Modellklasse momentan (A-Klasse, SUV) nirgends, weder auf der Erde noch nach gegenwärtigem Kenntnisstand im Universum.

Bei Tests erreichte der neue Motor sogar Verbrauchswerte, die mit einer Zwei vor dem Komma beginnen. Testfahrzeuge hätten “Reichweiten von 2.390 Kilometern und einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 2,62 Litern auf 100 Kilometern“ erreicht, berichtete beispielsweise CNEVPOST. Innovativ sei am Design des neuen Verbrennungsmotors unter anderem das „Entenschnabel”-Design des Ansaugrohrs für die Luft mit einem sehr spezifischen, hohen Winkel, ein neuartiges, „maskenartiges“-Luftführungs-System, ein den Luftstrom besser kontrollierender Kolbenboden - was alles zusammen die Effizienz der Verbrennung steigere.

Auch der neu entwickelte elektrische Antrieb, den Geely „Leishen EM-i“ nennt, auf Englisch auch “NordThor”, wirkt sich gemeinsam mit dem E-Motor drosselnd auf den Energieverbrauch aus. Dabei handelt es sich um ein „11-in-1“-Edrive namens „DHT“ mit Siliziumkarbid-Modulen, der durch den hohen Integrationsgrad seiner Komponenten deren Gesamtgewicht im Fahrzeug um 13,5 Prozent senkt und damit – sowie mit weiteren technischen Details – den Kraftstoffverbrauch noch weiter reduziert.

Wettbewerb zu BYD

Schon der Name des neuen Elektroantriebs signalisiert, dass Geely damit einen Frontalangriff auf seinen Konkurrenten BYD im Sinn hat. Denn der neue Edrive imitiert die Namensgebung des „DM-i“ von BYD, dessen Energieeffizienz von 46,06 Prozent bislang als führend galt. Die Hybridfahrzeuge von BYD sind bei den Autokäufern aufgrund ihres geringen Kraftstoffverbrauchs sehr beliebt, der bei bestimmten Modellen unter bestimmten Bedingungen ebenfalls schon den niedrigen Wert von 2,9 Liter pro 100 km erreicht.

BYD hat von Januar bis September dieses Jahres mehr als 2,4 Millionen Stromer und Hybride verkauft, ist damit Chinas größter Autobauer. Geely hat im selben Zeitraum 546.000 Elektro- und Hybrid fahrzeuge verkauft. Die Beliebtheit von Geely bei den Autokäufern wächst aber gerade sehr schnell.

Wiedergeburt des Verbrennungsmotors?

Der neue Geely-Motor mit dem neuen Weltrekord bei der thermalen Effizienz ist ein weiteres Beispiel für die „Wiedergeburt des Verbrennungsmotors“ in Asien. Nicht nur BYD und Geely investieren in China große Summen in ihre Forschung & Entwicklung, um immer sparsame Motoren insbesondere für Hybridfahrzeuge zu entwickeln. Auch Toyota in Japan verfolgt diese Strategie.

In beiden Ländern wird derzeit mit Nachdruck an der Elektrifizierung der Autoindustrie gearbeitet, aber man weiß gleichzeitig, dass viele Verbraucher noch immer nicht genügend Ladesäulen finden, um sich mit einem rein batterie-elektrisch angetriebenen Fahrzeug wirklich wohlzufühlen. Der Absatz von Hybriden wächst in China schneller als der Absatz von rein elektrischen Fahrzeugen (Battery Electric Vehicles, BEV).

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Die Japaner und Chinesen vereint außerdem der pragmatische Ansatz, dass man mit hochmodernen, sparsamen Verbrennungsmotoren einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Solange Verbrennungsmotoren noch gebraucht und daher verkauft werden können, gebe es keinen Grund, sie nicht so Energie-effizient wie eben möglich zu machen, argumentieren Automanager in beiden asiatischen Ländern.

Geelys neues „Galaxy Starship 7“ lässt sich übrigens sowohl mit Benzin als auch mit Methanol betanken. Das Hybridauto kostet in verschiedenen Ausführungen mit verschieden starken Batterien zwischen 109.800 und 142.800 chinesische Yuan, also umgerechnet zwischen gut 14.500 und rund 18.900 Euro. Wenn das nicht alles intergalaktisch cool ist, dann wissen wir es auch nicht mehr.  (se)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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