Ladeinfrastruktur

„Es wäre unsinnig, an jede Straßenlaterne ein Schnellladekabel zu hängen“

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Dabei maßen sich die PTV-Mitarbeiter nicht an, genau voraussagen zu können, wie sich einzelne Verbraucher im Jahr 2030 verhalten werden. Pfriem erläutert: „Bei der Modellierung gilt das Gesetz der großen Zahl.“

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Interessierten Städten soll das Tool dabei helfen, attraktive Standorte für den Auf- und Ausbau von Ladeinfrastruktur zu identifizieren, die auch aus finanzieller Sicht Sinn ergeben. „Heute gehen viele in der Planung noch sehr sequentiell vor“, sagt Pfriem. „Am Anfang steht die Frage nach dem Standort. Dann holt man irgendwann die Stadtwerke ins Boot. Und am Ende wird das Ganze dann oft deutlich teurer als gedacht, weil die Voraussetzungen nicht stimmen.“ Beispielsweise würde zu oft vergessen, im Vorfeld die Erschließungskosten zu prüfen. „Wir wollen den Planungsprozess systematisieren“, so Pfriem.

Heißt: Wo ist der Nutzen für Verbraucher am größten und wo sind gleichzeitig die Kosten erträglich, um einen Ladepunkt ans Netz zu bringen. „Dabei geht es um verschiedene Fragen: Wie hoch ist die zu erwartende Auslastung zu welchen Tages- und Nachtzeiten? Braucht es dafür eine Schnellladesäule oder reicht auch weniger?“, erläutert Matthias Pfriem. „Unser Ziel ist, dass aus dem vorhandenen Budget der maximale Nutzen herausgeholt werden kann.“

„Dort wo sich die Menschen sowieso aufhalten, müssen sie laden können“

Überall auf Schnellladen zu setzen, sei nicht die Lösung, sind sich Pfriem und Heidl einig. „Strom bereitzustellen, ist keine Hexerei. Die Frage ist aber: Zu welchen Kosten? Es wäre unsinnig, an jede Straßenlaterne ein Schnellladekabel zu hängen“, sagt Matthias Pfriem. Anders als etwa in neugegründeten Modellstädten im arabischen Raum stehe man in Europa auch vor der Herausforderung, nicht komplett neu planen zu können, sondern gewachsene Strukturen transformieren zu müssen. Dabei spielen auch Dinge wie der Flächenbedarf eine Rolle. „Städte müssen entscheiden: Wie viel Fläche lassen wir dem Leben und wie viel Fläche geben wir dem Verkehr? Für Schnellladeinfrastruktur braucht man beispielsweise deutlich mehr Platz.“

Bei der bedarfsgerechten Planung sollten Kommunen aus Sicht der PTV-Experten keine Zeit verlieren. „Für die Psychologie ist es wichtig, dass die Lademöglichkeiten dem Bedarf ein Stück weit vorausgehen“, meint Pfriem. Die Maxime sollte dabei laut Udo Heidl sein: „Dort wo sich die Menschen sowieso aufhalten, müssen sie laden können.“ So könne es beispielsweise für Supermärkte zum Wettbewerbsvorteil werden, wenn sie Kunden für ihren halbstündigen Einkauf Schnelllademöglichkeiten bereitstellen. Gleichzeitig wäre es aus Sicht von Matthias Pfriem beispielsweise weniger sinnvoll, in Städten vorwiegend größere Schnellladehubs zu platzieren. „Das impliziert, dass man dafür Umwege in Kauf nimmt. Damit erhöht man die Fahrleistung Und das ist nicht im Sinne der Umwelt.“

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