Der niederländische Ladeanbieter Fastned eröffnet in Bochum einen Autobahn- als auch Innenstadt-nahen Ladepark mit Kinderspielplatz. Fastned-CEO Michiel Langezaal sprach am Rande mit Next Mobility über seine Expansionspläne.
Michiel Langezaal (Bildmitte), CEO von Fastned, kam für die Eröffnung der 37. Fastned-Schnellladestation in Deutschland und der 212. in Europa aus der Amsterdamer Zentrale nach Bochum.
(Bild: Dirk Kunde/ Vogel Communicatios Group)
Der Ladepark West von Fastned erfüllt gleich zwei Zwecke: Er liegt direkt an der Ausfahrt Bochum- Stahlhausen der A448, einer wichtigen Querverbindung im Ruhrgebiet. Und das Grundstück liegt fünf Autominuten von der Innenstadt. „Für Menschen, die ohne eigene Wallbox in der Stadt leben, ist die Lage perfekt“, sagt Michiel Langezaal, CEO von Fastned. Er kam für die Eröffnung der 37. Fastned-Schnellladestation in Deutschland und der 212. in Europa aus der Amsterdamer Zentrale.
Mit zehn HPC-Anschlüssen (300 kW) ist es für das niederländische Unternehmen ein großer Standort. Größer ist nur der Ladepark Seed & Greet in Hilden mit 12 Fastned-Anschlüssen. Dessen Betreiber, Bäckermeister Roland Schüren, überreichte Langezaal zur Einweihung in Bochum eine Torte in der Firmenfarbe Gelb.
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In dieser Farbe leiten Markierungen auf dem Boden die Kunden zu den Säulen. Es ist eine Durchfahrtstation, so dass auch Gespanne mit Anhänger laden können, ohne zu rangieren. Das benachbarte Bochumer Entsorgungsunternehmen USB lädt hier seine zwei elektrischen Müllautos, ohne andere Ladesäulen zu blockieren. Die Flüssigkeits-gekühlten Ladekabel hängen an Schwenkarmen der Alpitronic-Lader. Das nimmt Gewicht und der Nutzer erreicht beide Seiten des Fahrzeugs mit dem CCS-Stecker. Zwei Säulen bieten Chademo-Stecker.
Weithin sichtbares Flügeldach
Auch wenn der Ladepark an der Kohlenstraße liegt, dreht sich hier alles um erneuerbare Energie. Auf dem Flügeldach liefern Solarzellen am sonnigen Einweihungstag ihre volle Leistung. Die reicht jedoch nur für den Betrieb und die Beleuchtung der Station. Geladen werden die Fahrzeuge mit grünem Strom, den der Netzbetreiber liefert.
Die aufwändige Dachkonstruktion biete laut Langezaal vor allem Schutz, Sicherheit und Sichtbarkeit. Wer in der Dunkelheit allein im Regen lädt, soll sich sicher fühlen als auch trocken bleiben. Der gelbe Dachrand und die gelbe Beleuchtung bei Nacht sollen Vorbeifahrenden signalisieren, Ladestationen sind überall und Laden ist einfach.
Langezaal ist Idealist. Er gründete das Unternehmen vor zehn Jahren, um die Energie- und Verkehrswende voranzutreiben. Fastned ist heute börsennotiert und betreibt Schnelllader in sechs Ländern. Sein Ziel sind 1.000 Standorte in ganz Europa bis zum Jahr 2030.
Doch aktuell holt ihn die Energiekrise ein. Am Eröffnungstag muss der Betreiber seinen Kilowattstundenpreis von 0,74 auf 0,83 Euro für Spontanlader anheben. Fastned bietet einen Monatstarif (11,99 Euro), dann kostet die Kilowattstunde 0,58 Euro. Doch von den aktuell 161.000 Kunden nutzen weniger als zehn Prozent das „Gold-Member“-Angebot. „Das ist vor allem für Heavy User wie Taxifahrer etwas“, sagt Langezaal. Die meisten E-Autofahrer wählen die Ladekarte ihres Autoherstellers, auch um Freiheit bei der Wahl der Ladesäule zu haben.
Mit steigenden Strompreisen bekomme auch die Elektromobilität einen Dämpfer, doch setzt Langezaal auf einen positiven Effekt: „Die Krise dürften dabei helfen, dass viele Menschen in Sachen Mobilität und Energienutzung umdenken.“ Damit mehr Menschen auf ein E-Auto umsteigen, subventioniert die Bundesregierung mit dem Deutschlandnetz den Ausbau und Betrieb von Ladestationen. Doch genau dieses staatliche Eingreifen in den Markt sieht Langezaal kritisch. Als Teil des Vereins Inspire legten Fastned und andere Ladeanbieter (CPO) Beschwerde gegen die Beihilfe bei der EU-Kommission ein. Das Ergebnis ist noch offen. Über die vorgesehene Preisobergrenze von 0,44 Euro pro Kwh kann man aktuell nur schmunzeln.
Doch Langezaal stört etwas anderes. Ein Teil der Ausschreibung sieht vor, dass Betreiber passenden Grundstücke einbringen müssen. Das führt zu einem preistreibenden Wettbewerb um Grund und Boden unter den CPO. Schließlich wolle alle Standorte an Verkehrskontenpunkten bewirtschaften.
Die Lage in Bochum erfüllt alle Wünsche, die der CEO an einen Standort hat: Das 1.700 Quadratmeter große Grundstück hat der Eigentümer aktiv Fastned angeboten. In nur acht Monaten Bauzeit entstand der Ladepark. Der Kinderspielplatz ist fertig. Bis zum Frühjahr 2023 kommt noch eine Fastned-Lounge mit Toiletten sowie Snack-Automaten hinzu. Außerdem baut ein Bochumer Gastronom ein Restaurant auf dem angrenzenden Grundstück. Hier sind noch mal 20 Normallader (AC) für E-Auto und E-Bikes vorgesehen.
Stand: 08.12.2025
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Plug & Charge wird Fastned an seinen Stationen nicht anbieten. Auf die Frage warum, druckst Langezaal etwas herum. Ihm sei das System zu komplex, gehe aber in die richtige Richtung. Fastned biete weiterhin Autocharge an. Dabei ist das Fahrzeug in der App registriert und startet den Ladevorgang, sobald es angeschlossen ist.
Auf die Frage, ob man mit Ladestationen Geld verdienen kann, kommt seine Antwort prompt: „Ja.“ Eine Ladestation wie die in Bochum arbeite oft bereits ab dem ersten Tag profitabel. Ab 50 Ladevorgängen pro Tag erreiche man den „grünen Bereich“. Für das gesamte Netz lag die Auslastung im zweiten Quartal bei 10,1 Prozent. Diese Angabe bezieht sich auf 24 Stunden. Doch schränkt Langezaal direkt ein: „Ein AC-Ladeanbieter hat sicher eine höhere Auslastung, weil die E-Autos dort länger stehen. Entscheidend ist die Zahl der Ladevorgänge.“ Die lag im zweiten Quartal bei 935.000 an den 212 Standorten.
Das Unternehmen mit seinen 170 Mitarbeitern arbeite noch nicht gewinnbringend, da noch immer hohe Summen in Softwareentwicklung und Standortausbau investiert werden. Dennoch wolle Fastned im kommenden Jahr auf EBITDA-Basis schwarze Zahlen schreiben.