Die Abholung eines Neuwagens beim Autohändler ist ein Auslaufmodell. Viele neue Automarken verzichten auf ein Händlernetz. Auto-Abos sorgen für häufige Fahrzeugwechsel. Vermittlungsplattformen wie Onlogist vermitteln Fahrten bis an die Haustür der Kunden.
Die Fahrzeugübergabe vor dem eigenen Haus hat einen gewissen Charme. Dienstleister wie Onlogist bieten diesen Service an.
(Bild: Autoren-Union Mobilität/CKD)
Geschwindigkeit und Lieferung bis an die Haustür nennt Onlogist-CEO Felix Müller als Vorteile seines Angebots. „Wenn der Autohersteller eine Spedition mit Sattelschlepper beauftragt, benötigt die drei Wochen und liefert die Autos an einen Händler oder einen Sammelplatz“, sagt Müller. Ist der Auftrag bei Onlogist platziert, dauert es zwei, drei Tage bis ein Fahrer der Auftrag annimmt und das Fahrzeug an der Haustür des Kunden abliefert.
Vor allem für neue Automarken, vorzugsweise aus China, ist das ein großer Vorteil. Etliche Marken setzen zwar auf Showrooms in Metropolen, doch Auslieferungszentren oder Händler in der breiten Fläche errichten sie nicht. „Zu unseren neuen Kunden zählen unter anderem Nio und Fisker“, berichtet Müller im Gespräch mit Next-Mobility.
Unstrukturierte Anfragen aus China
Weitere asiatische Marken fragen laufend beim Unternehmen für europaweite Auslieferung nach. „Noch laufen diese Anfragen etwas unstrukturiert und einige Anbieter haben Schwierigkeiten ihre Volumina zu beziffern“, sagt Müller. Da sitze dann ein Disponent in China und blicke auf eine Europa-Karte. Im Vergleich zu China wirke Europa klein, das müsste ein einzelner Dienstleister übernehmen können, laute häufig die Schlussfolgerung.
Doch die so genannte„Last Mile„“-Lieferung sollte nicht länger als 700 km sein und nicht über Landesgrenzen führen. Zum einen wollen Kunden einen Neuwagen mit möglichst wenigen Kilometern auf der Anzeige. Doch 95 Prozent der Überführungen bei Onlogist erfolgen auf eigener Achse. Zum anderen möchten die Fahrer lange und aufwändig Rückreisen vermeiden. Innerhalb Deutschlands bemühen sie sich um „Round Trips“, also die passende Übergabefahrt in die entgegengesetzte Richtung.
Gesicht zum Kunden
Für den Transport auf eigener Achse ist lediglich ein Führerschein der Klasse B notwendig und kein Lkw-Führerschein. Somit gibt es weniger personelle Engpässe als in der Speditionsbranche. Die genaue Zahl der Fahrer auf der Plattform kann Onlogist nicht beziffern. Doch die Zahl der registrierten Fahrdienstleister hat sich seit Anfang 2021 auf 1.000 verdoppelt. „Einige der Dienstleister beschäftigen mehrere Fahrer“, sagt Müller. Diese werden bei der Fahrzeugübergabe an den Kunden zum Gesicht der Automarke. Hersteller wie Nio hinterlegen daher eine Online-Qualifikation. Erst wenn die bestanden ist, dürfen die Fahrer Nio-Fahrzeuge ausliefern. Schließlich haben Kunden etliche Fragen zu den ersten Schritten bei einem E-Auto.
Auto-Abo-Anbieter Finn schreibt zudem vor, dass jedes Fahrzeug gewaschen und vollgetankt bzw. geladen an den Kunden übergeben wird. Eventuelle Transportschäden deckt eine spezielle Haftpflichtversicherung ab, die Onlogist für jeden Auftrag abschließt. Dazu schießt der Fahrer mit dem Smartphone Fotos ab Abholung und Übergabe. „Eventuelle Schäden können direkt über unsere App an die Versicherung gemeldet werden“, sagt Müller.
Aufschwung mit dem Abo
Er gründet das Unternehmen zusammen mit Moritz Pagendarm (CFO) 2014 in Hamburg. Der Name setzt sich aus Online und Logistik zusammen. In den ersten Jahren bestimmen Hol- und Bringfahrten von Werkstattketten die Auftragslage. Hinzu kommen Rückholungen als auch Einflottungen von Autovermietern.
Mit der Corona-Pandemie ändert sich das Geschäft. Von Januar 2021 bis Anfang diesen Jahren verzeichnet die Vermittlungsplattform einen Anstieg der Aufträge für Haustürlieferungen von circa 1.175 Prozent. Auto-Abos erleben ab dem Zeitpunkt einen großen Aufschwung. Finn und Cluno benötigen für ihre Autos Fahrer.
Wie wechselhaft das Geschäft ist, zeigt das Beispiel Cluno. Bereits im Sommer 2022 verkaufen sie ihr Geschäft an Vive la Car. Hintergrund sind Finanzschwierigkeiten des Mutterunternehmens Cazoo. Die Briten wollten laut Manager-Magazin zum „Amazon des Gebrauchtwagenmarktes“ werden. Das geht gründlich schief und Cazoo zieht sich im Herbst 2022 aus Deutschland zurück.
Autohero bestimmt den Markt und lässt Gebrauchtwagen ebenfalls bis an die Haustür liefern. Doch der Transporter im Glaskasten dürfte in erster Linie ein Marketing-Vehikel sein. Müller schließt nichts aus, doch mit seiner Plattform bewegt er sich derzeit ausschließlich im Neuwagensegment. In dem Bereich sieht er auch keinen Mitbewerber.
Für 235 Euro quer durchs Land
Inzwischen vermittelt Onlogist mit seinen 20 Mitarbeitern rund eine halbe Million Fahraufträge pro Jahr. Die Aufs und Abs bei den Auslieferungen der Hersteller spiegelt sich auf der Plattform wider. Doch im ersten Quartal des Jahres lagen die vermittelten Fahrten 60 Prozent über dem ersten Quartal in 2021. Die Lieferengpässe bei den Herstellern scheinen überwunden. Gefragt nach Preisen für Fahrten, nennt Müller zwei Beispiele: Eine Überführung von Bremen ins niedersächsische Lehrte kostet 87 Euro, die Fahrt von Düsseldorf nach Dresden 235 Euro.
Stand: 08.12.2025
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Bei kleineren E-Autos mit geringer Reichweite kann es teurer werden. „Muss der Fahrer auf der Strecke drei Ladepausen einlegen, dauert es länger, was sich auch im Preis niederschlägt“, sagt Müller. Für diese Fälle sowie Hersteller, deren Autos tatsächlich mit Null Kilometern beim Kunden ankommen sollen, bietet Onlogist entsprechende Transporte auf Anhängern oder Plateaufahrzeugen.
Etliche Pannen- und Abschleppdienste lasten ihre Kapazitäten aufgrund sinkender Pannenzahlen nicht aus. Sie bieten ihre Dienstleistung über Onlogist an. Zwar fehlt der imposante Glaskasten aus der Werbung, doch eine rote Schleife für die Motorhaube könnte der Auftraggeber ja durchaus mitgeben.