BahntechnikDSB bestellen vollautomatische S-Bahn-Züge für Kopenhagen
Von
Richard Oed *
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Siemens Mobility und Stadler liefern gemeinsam für die Dänischen Staatsbahnen mindestens 226 neue Züge für das S-Bahn-Netz Kopenhagen. Die Fahrzeuge ermöglichen einen vollautomatischen Betrieb und kürzere Zugfolgen.
Vollautomatisch nach GoA 4 sollen die neuen S-Bahn-Züge ab 2032 in Kopenhagen unterwegs sein.
(Bild: Siemens | Stadler)
Am 6. Februar 2026 schlossen die Dänischen Staatsbahnen (DSB) mit einem Konsortium aus Siemens Mobility und Stadler unter der Führung von Siemens einen Rahmenvertrag über die Lieferung von 226 neuentwickelten elektrischen und vollautomatischen Zügen für die S-Bahn in Kopenhagen ab. Zusätzlich besteht eine Option über weitere 100 Triebzüge. Die Vertragspartner sind dabei mindestens 30 Jahre lang für die Wartung der Fahrzeuge zuständig. Insgesamt hat der Auftrag einen Wert von rund drei Milliarden Euro (23 Milliarden Dänischen Kronen). Mit dem Übergang auf einen vollautomatischen Betrieb nach GoA 4 (Grade of Automation) steht das Kopenhagener S-Bahn-Netz nicht nur vor der umfassendsten Veränderung in seiner 90-jährigen Geschichte. Es entsteht auch das weltweit größte offene Bahnsystem mit automatisiertem Zugbetrieb (Automatic Train Operation, ATO).
Durch die Umstellung kann die DSB die Anzahl der Abfahrten erhöhen. Damit ist es möglich, dass in der Hauptverkehrszeit die Zugfolge auf jeder Linie maximal siebeneinhalb Minuten beträgt. Im zentralen Abschnitt, wie am Kopenhagener Hauptbahnhof und am Bahnhof Nørreport, sind es sogar nur eineinhalb Minuten. Das entspricht bis zu 35 Prozent mehr Abfahrten und circa zehn Millionen zusätzlichen Fahrten im Jahr. Rund 111 Millionen Fahrgäste nutzten 2025 die S-Bahn Kopenhagen.
Zunächst sollen die neuen Züge im Laufe des Jahres 2032 auf der Linie „F“ zwischen København Syd und Hellerup unterwegs sein. Bis 2040 werden alle Fahrzeuge ausgeliefert und das gesamte, 170 Kilometer lange S-Bahn-Netz vollautomatisch betrieben. Erste Betriebseinsätze im Netz sind schon ab 2030 geplant. Die Umrüstung der Strecken und die Lieferung der ATO-Fahrzeugausrüstungen hatten die Dänischen Staatsbahnen bereits 2024 bei Siemens Mobility beauftragt.
Breite Gänge, ein verbessertes Fahrgastinformationssystem und große Fenster zeichnen die neuen Fahrzeuge aus. Durch den Entfall des Führerstands besteht freie Sicht auf die Strecke.
(Bild: Siemens | Stadler)
Mehr Komfort für die Fahrgäste
Insgesamt bieten die 120 km/h schnellen und 56 Meter langen, vierteiligen Züge 130 feste Sitzplätze, 36 Klappsitze und circa 300 Stehplätze. Maximal drei Triebwagen können zu einem Triebwagenzug gekoppelt werden. Dann finden mehr als 1.300 Fahrgäste Platz. Eine flexible Raumnutzung mit 2+2-Sitzen, Flexräumen für bis zu 16 Fahrräder pro Zug, die auch Raum für großes Gepäck und Kinderwagen aufweisen, und einem Arbeitsbereich mit Tischen bietet den Reisenden einen hohen Komfort.
Bis zu 16 Fahrradstellplätze bietet ein vierteiliger Zug Platz. Auch große Gepäckstücke und Kinderwagen finden hier Platz.
(Bild: Siemens | Stadler)
Eine Tür mit ausfahrbaren Trittstufen ermöglicht einen niveaugleichen Übergang vom Bahnsteig aus und vereinfacht den Einstieg für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste und Rollstuhlfahrer. Die beiden Rollstuhlplätze sind in den Fahrgastbereich integriert. Breite Gänge und großzügige Einstiegsbereiche mit sechs Türen pro Fahrzeugseite erlauben selbst in der Hauptverkehrszeit einen schnellen Fahrgastwechsel. Rufpunkte im Zug, Videoüberwachung, eine optimierte Außenanzeige, moderne Fahrgastinformationssysteme und eine Klimaanlage vervollständigen die Ausstattung.
Auf der technischen Seite sind die Fahrzeuge zudem mit dem Air-Free-Bremssystem von Siemens Mobility ausgerüstet. Bei diesem entfallen die energieintensiven pneumatischen Elemente vollständig, was zu einem reduzierten Gesamtgewicht und zu einem um über 50 Prozent verringerten CO₂-Fußabdruck führt. Zusammen mit dem modernen Antriebssystem werden laut den Herstellern so erhebliche Betriebskosteneinsparungen erreicht.
Barrierefrei ist der Einstieg für Rollstuhlfahrer und mobilitätseingeschränkte Reisende.
(Bild: Siemens | Stadler)
Aufgeteilte Zuständigkeiten
Die Entwicklung und Lieferung der neuen Triebzüge teilen sich die beiden Partner. So liefert Siemens neben der elektrischen Ausrüstung, die Antriebs- und Bremstechnik, Bordstromversorgung, Fahrzeug- und Zugsteuerung und Fahrgastinformationssystem umfasst, auch die Drehgestelle.
Stadler wiederum produziert die Wagenkästen, die Kupplungen, die Innenausstattung mit Sitzen, die Klimaanlagen und die Türen. Außerdem ist der Schweizer Schienenfahrzeughersteller für die Endfertigung zuständig.
Neben der Fahrzeuglieferung übernimmt das Konsortium auch die Gesamtverantwortung für die Wartung der neuen Züge über mindestens 30 Jahre. Für die jeweilige Ausführung der Arbeiten bleiben aber die Mitarbeiter der DSB zuständig. Im Mittelpunkt steht dabei ein modernes Instandhaltungsmanagementsystem. Dieses wird durch digitale Tools wie CORMAP (Common Railway Maintenance Management Platform), Railigent X sowie eine FRACAS (Failure Reporting, Analysis, and Corrective Action System) / RAM (Reliability, Availability, Maintainability) Reporting-Plattform ergänzt.
Zusammenarbeit alter Bekannter
Stadler und Siemens Mobility arbeiteten bereits früher bei ähnlichen Großprojekten wie den Zügen der Baureihen 483 und 484 für die Berliner S-Bahn zusammen. Beide Unternehmen sammelten schon Erfahrungen in Dänemark und mit der dänischen Staatsbahn. So ist Siemens unter anderem der Lieferant der 42 Vectron-Lokomotiven des Typs EB für die DSB, während Stadler die Fahrzeuge für die S-Bahnen in Århus und Odense lieferte. Auch die batterieelektrischen Züge (BEMU) des Typs FLIRT für die dänische Eisenbahngesellschaft Lokaltog stammen von Stadler. (se)
Stand: 08.12.2025
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