Licht und Bedienung im Automobil Seamless Touch soll Innenraumbeleuchtung und Bedienung verändern

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 5 min Lesedauer

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Für eine sichere und elegantere Bedienung im Fahrzeug hat Dräxlmaier Seamless Touch entwickelt: Das Konzept vereint Licht und Bedienung in einem einzigen Element. Möglich sind harte und weiche Oberflächen.

Beleuchtung und Touch-Bedienung: Black Panel integriert eine beleuchtete Bedienung unter einer harten Oberfläche. (Bild:  Dräxlmaier)
Beleuchtung und Touch-Bedienung: Black Panel integriert eine beleuchtete Bedienung unter einer harten Oberfläche.
(Bild: Dräxlmaier)

Es ist noch gar nicht so lange her, da beschränkte sich die Innenbeleuchtung eines Fahrzeugs auf die reine Ausleuchtung des Armaturenbretts und des Fußraums. Heute wird Licht eingesetzt, um Stimmungen zu erzeugen und Funktionen und Informationen visuell darzustellen. Die Ambientebeleuchtung trägt dazu bei, im Innenraum eine hochwertige und luxuriöse Atmosphäre zu schaffen. Es kann beispielsweise in verschiedenen Farben und Helligkeiten eingestellt werden, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Dank kostengünstiger Technik ist dies nicht auf hochpreisige Fahrzeuge beschränkt.

Die Innenbeleuchtung wird sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln. Es ist davon auszugehen, dass die Lichttechnik weiter verfeinert und die Möglichkeiten der optischen Darstellung von Funktionen und Informationen weiter ausgebaut werden. Denn Licht im Innenraum ist längst keine reine Ambientebeleuchtung mehr. Auch einzelne Funktionen und sogar die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Mensch können dank präziser Lichttechnik optisch dargestellt werden. Auch Warnhinweise können durch gezielte Lichtakzente hervorgehoben werden.

Beleuchtung und Touch-Bedienung

Die Dräxlmaier Group geht jetzt noch einen Schritt weiter: Mit dem Konzept „Seamless Touch“ integriert der Automobilzulieferer nicht nur die LED-Technologie direkt in das jeweilige Interieur-Bauteil. An gleicher Stelle wird auch eine Touch-Bedienung realisiert. So ist das Licht direkt mit einer Bedienfunktion gekoppelt.

Umgesetzt wird dieses Konzept in zwei Entwicklungen: „Black Panel Touch“ integriert eine beleuchtete Bedienung unter einer harten Oberfläche, während die Armlehne FIS (Function Integrated System) die Bedienung eines Bildschirms unter einer weichen Oberfläche integriert.

FIS-Armauflage nimmt autonomes Fahren vorweg

Leuchtende Armlehne: Die Armlehne FIS (Function Integrated System) integriert die Bedienung eines Bildschirms unter einer weichen Oberfläche. (Bild:  Dräxlmaier)
Leuchtende Armlehne: Die Armlehne FIS (Function Integrated System) integriert die Bedienung eines Bildschirms unter einer weichen Oberfläche.
(Bild: Dräxlmaier)

Die Armlehne FIS ist eine Neuentwicklung, bei der unter der Oberfläche eine semitransparente Sensorfolie angebracht ist. Hinter der Folie befinden sich LEDs und Lichtleiter, die das gewünschte Lichtszenario erzeugen. Auf der Rückseite wird im Reinraum eine funktionale PET-Folie mit aufgedruckten Leiterbahnen aufgebracht. Alle Bedienelemente werden ausschließlich über die LEDs dargestellt, physische Knöpfe oder ähnliches sind nicht mehr notwendig. Die Oberfläche kann aus verschiedenen schubweichen Materialien wie Stoff, Leder, Kunstleder oder einem geschäumten Material bestehen.

Die Integration in eine Armlehne steht exemplarisch für die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten im Interieur. So lässt sich beispielsweise die Bedienung eines Monitors elegant und nahtlos in die Armlehne integrieren, ohne dass störende Knöpfe notwendig sind. Das bietet den Automobilherstellern eine hohe Designfreiheit und spart Gewicht sowie Bauraum. Nicht zuletzt nimmt die FIS-Armlehne das autonome Fahren vorweg. Denn durch die Integration der Bedienelemente in die Armlehne könnte der Fahrer eines Fahrzeugs den Monitor auch dann bedienen, wenn er in seinem Sitz eine entspannte Position eingenommen hat.

Perforationen passgenau per Laser

Kombiniert wird diese Entwicklung mit mikroperforierten Oberflächen. Kleinste, bei Tageslicht kaum sichtbare Perforationen im Material werden mit LEDs angestrahlt, so dass alle erdenklichen Muster, Linien, Schriftzüge oder Logos dargestellt werden können. Die Perforationen werden passgenau per Laser erzeugt und anschließend mit einem lichtdurchlässigen Material versiegelt.

„Neben rein ästhetischen Anwendungsfällen, wie der Darstellung von Mustern, Logos oder Markennamen, können auch alle erdenklichen Bedienelemente über Mikroperforationen in Stoffe oder Leder eingezeichnet und über LEDs sichtbar gemacht werden“, erklärt Marco Reis, verantwortlich für die Interieur-Vorentwicklung bei Dräxlmaier.

Um die größtmögliche Nutzerfreundlichkeit zu erreichen, ist das Konzept des „Seamless Touch“ mit Kraftsensoren ausgestattet. Somit lässt sich eine ungewollte Bedienung durch die Nutzer verhindern, da eine zufällige flüchtige Berührung des Sensors nicht ausreicht, um einen Bedienbefehl auszulösen.

Leuchtende Bedienelemente statt physischer Knöpfe

Für die Entwicklung „Black Panel Touch“, also für die Anwendung hinter harten Oberflächen, wird eine semitransparente Folie auf einen Kunststoffträger aufgebracht. Dahinter befinden sich LEDs und Lichtleiter, die das gewünschte Lichtszenario erzeugen. Eine rückseitig aufgebrachte PET-Folie mit aufgedruckten Sensorstrukturen für Schaltelemente und „Schieber“ ermöglicht die Betätigung der Schalter. Die Position der Schalter wird durch optische Elemente angezeigt.

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Die im Hintergrund des Black Panels arbeitende Auswerteelektronik sowie der Mikrocontroller der LEDs können so programmiert werden, dass die Bedienelemente beispielsweise nur bei Annäherung erscheinen und bei Berührung eine Wisch- oder Tippgeste optisch darstellen. Mögliche Anwendungen sind beispielsweise: Bedienelemente für die Klimaanlage, das Infotainmentsystem, Fensterheber, Türgriffe, Sitzheizungsregler oder den USB-Anschluss.

Integration von Licht und Bedienung in einem einzigen Element

„Mit Seamless Touch heben wir die Anwendungsmöglichkeiten von Licht im Innenraum auf eine neue Stufe. Wir gehen über den klassischen Charakter der Ambientebeleuchtung oder der Warnung der Insassen in Gefahrensituationen hinaus und führen eine neue Dimension des Lichts in Form eines interaktiven und optisch ansprechenden Bedienelements ein“, sagt Jan Reblin, CEO und CTO des Automobilzulieferers.

Durch die Integration, die sowohl unter harten als auch weichen Oberflächen erfolgen kann, wird Seamless Touch" zudem praktisch überall im Innenraum einsetzbar sein. So kann künftig die gesamte Bedienlogik im Fahrzeug über eine einzige Innovation realisiert werden. Dadurch können unzählige Schalter, Knöpfe, Regler und andere physische Bedienelemente und damit Gewicht und Bauraum eingespart werden – bei gleichzeitig größtmöglicher Designfreiheit, da die Bedienelemente durch ihr Design jede erdenkliche Form annehmen können.

Zusammenfassung: Seamless Touch und die Vorteile

Seamless Touch basiert auf zwei verschiedenen Technologien:

  • Black Panel Touch: Bei dieser Technologie wird eine semitransparente Folie auf eine harte Oberfläche aufgebracht. Hinter der Folie befinden sich LEDs und Lichtleiter, die das gewünschte Lichtszenario erzeugen. Eine rückseitig aufgebrachte PET-Folie mit aufgedruckten Sensorstrukturen für Schaltelemente und „Schieber“ ermöglicht die Betätigung der Schalter. Die Position der Schalter wird durch optische Elemente angezeigt.
  • FIS-Armlehne: Bei dieser Technologie wird unter der Oberfläche einer Armlehne eine semitransparente Sensorfolie angebracht. Hinter der Folie befinden sich LEDs und Lichtleiter, die das gewünschte Lichtszenario erzeugen. Auf der Rückseite wird im Reinraum eine funktionale PET-Folie mit aufgedruckten Leiterbahnen aufgebracht. Alle Bedienelemente werden ausschließlich über die LEDs dargestellt, physische Knöpfe oder ähnliches sind nicht mehr notwendig. Die Oberfläche kann aus verschiedenen schubweichen Materialien wie Stoff, Leder, Kunstleder oder einem geschäumten Material bestehen.

(heh)

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