„Das vernetzte Auto“: Sicherheit im Connected Car

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Hohe technische Anforderungen an das Update-Verfahren

Wichtig für den FOTA-Prozess ist, dass das Update-Verfahren selber sicher durchzuführen ist und kein zusätzliches Angriffspotential bietet. Die Folgen für Daten- und funktionale Sicherheit wären unabsehbar, wenn FOTA dazu verwendet werden könnte, Schadsoftware auf ein Gerät aufzuspielen. Eine kryptografische Absicherung der Luftschnittstelle ist daher essentiell. Dies kann z.B. durch eine Verschlüsselung mittels TLS-Protokoll erzielt werden.

Die hierfür notwendigen Schlüssel und Zertifikate müssen geheim und manipulationssicher in die Geräte eingebracht und dort in einem geschützten Speicherbereich abgelegt werden. Um einen sicheren Speicher zu realisieren und kryptografische Verfahren sicher auszuführen ist hierbei ein dediziertes Hardware-Security-Modul (HSM) wichtig.

Doch nicht nur die Technik, auch Organisation und Entwicklung bedürfen einer Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Beispielsweise sollten End-to-End-Risikoanalysen zu den Anforderungen gehören, die Hersteller an ihre Zulieferer stellen. Bei diesen Analysen werden mögliche Angriffsszenarien auf alle Komponenten der Kette und deren Auswirkungen auf die Datensicherheit (Security) und die funktionale Sicherheit (Safety) untersucht.

Die Ergebnisse helfen dabei, geeignete Schutzmaßnahmen zu definieren. Der Erfolg dieser Schutzmaßnahme ist allerdings nur dann garantiert, wenn Automobilhersteller, Backendlösungslieferanten und Steuergerätehersteller schon in einer frühen Entwicklungsphase zusammenarbeiten. Das bedingt die Abkehr von der Blackbox-Entwicklung von Steuergeräten hin zu einem ganzheitlichen Ansatz bezüglich der funktionalen Sicherheit.

Neue Geschäftsmodelle dank FOTA

Nicht nur hinsichtlich Sicherheitsbedenken bietet FOTA den Automobilherstellern viele Vorteile. So werden unter anderem teure Rückrufe im Bezug auf Software-Probleme zukünftig nicht mehr nötig sein, da immer mehr Patches drahtlos ins Auto gelangen, ohne dass Kunden aktiv werden müssen. Auch der Aufbau neuer Geschäftsmodelle und Kundenbeziehungen ist mit FOTA möglich, wie ein Beispiel des US-Autobauers Tesla zeigt.

Ein Update, das das Unternehmen seinen Kunden für etwa 2.000 Dollar anbot, enthielt eine Autopilot-Funktion. Viele Teslas haben sich so zu (teil)autonomen Fahrzeugen weiterentwickelt. Das eröffnet OEMs neue Perspektiven. Heute ist es die Regel, dass sich der Wert eines Neuwagens schon in dem Moment halbiert, indem man den Hof des Händlers verlässt.

Dieser Wert sinkt in der Folgezeit ständig weiter. In Zukunft ist es möglich, dass ein Fahrzeug aufgrund neuer Funktionen, die über FOTA aufgespielt werden, im Laufe der Zeit nicht an Wert verliert, sondern ihn behält oder sogar dazugewinnt. Dies würde für Kunden und Zulieferer gleichermaßen einen Gewinn bedeuten.

* Guido Dornbusch ist Vice President Product Management bei Laird

(ID:45068466)