Von außen sieht die grüne Lokomotive recht unspektakulär aus, die da auf dem Werksgelände des chinesischen Lokomotivherstellers CRRC in der Provinz Sichuan der Presse vorgestellt worden ist. Doch das Innenleben der Lokomotive „CKD6H“ ist interessant und hat am 20. Mai eine Reihe von Fernsehteams und Fotografen angelockt.
Bei der neuen Lokomotive handelt sich um ein auch im übertragenen Sinne „grünes“ Hybridmodell, das einen emissionsarmen Dieselmotor mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie kombiniert.
(Bild: crrcgc)
Bei der neuen Lokomotive handelt sich um ein auch im übertragenen Sinne „grünes“ Hybridmodell, das einen emissionsarmen Dieselmotor mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie kombiniert. Die Pressekonferenz ist einberufen worden, weil zum ersten Mal eine Lok mit dieser Antriebstechnologie als neues Serienmodell ins Ausland geliefert wird – nach Kasachstan.
CKD6H ist eine von mehreren neu entwickelten Baureihen, mit denen Chinas Bahnindustrie versucht, in eine umweltfreundliche Zukunft zu rollen. Entwickelt wurde er von CRRC Ziyang in Zusammenarbeit mit der kasachischen Staatsbahn.
Dieselloks ersetzen
In Zentralasien wird es im Winter klirrend kalt. Die Lok ist daher für Temperaturen bis minus fünfzig Grad Celsius ausgelegt. Auch für schwere Lasten und eine eher schlechte Infrastruktur. In Kasachstan soll sie zukünftig im Güterverkehr überall dort zum Einsatz kommen, wo bislang ausschließlich Dieselloks unterwegs waren.
Die CKD6H-Hybrid-Lokomotive soll in Kasachstan nach dem EAC-Standard zertifiziert werden. Das ist der „Eurasian Conformity“-Standard, der in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) gilt, also unter anderem in Kasachstan, Russland und Belarus.
Sollte dabei in einigen Wochen alles gut gehen, so wäre es das erste Mal, dass chinesische Standards im Ausland anerkannt werden. Auch das wäre ein Durchbruch für die chinesische Eisenbahnindustrie und ihr neues Exportgeschäft. Der sparsame Dieselmotor in der Hybrid-Lok sei aber auch mit dem EU-IIA-Standard konform, war auf der Pressekonferenz zu hören.
Hybridloks gelten als Hoffnungsträger
China knüpft große Erwartungen an neue Hybrid-Loks wie diese. Mit ihrer Hilfe soll die chinesische Staatsbahn zu einem zentralen Vehikel bei der Umsetzung der nationalen Klimaziele werden. Der schrittweise Abschied vom Dieselantrieb im Schienengüterverkehr ist in China längst politisch beschlossen und wird nun Schritt für Schritt umgesetzt. Man fährt dabei zweigleisig. Die sparsamen, emissionsärmeren Güterzüge sollen sowohl in China rollen als auch ins Ausland exportiert werden.
Die Regierung in Peking spricht von einer „chinesischen Lösung für die grüne Transformation des Transportsektors“. Sie wird nun gerade mit Nachdruck für die Länder entlang der „neuen Seidenstraße“ in Zentralasien propagiert. Neben Kasachstan sind das Kirgistan, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan.
Weniger Treibstoffverbrauch
Während CRRC Ziyang mit dem kasachischen Auftrag nun gerade einen ersten Exporterfolg feiern kann, werden auch in China selbst immer mehr ähnliche Hybrid-Loks in Betrieb genommen. Durch den Hybridmotor der „CKD6H“ soll der Treibstoffverbrauch im Betrieb um mehr als 45 Prozent reduziert werden können, behauptet der Hersteller. Jene Abgase, die noch entstehen, sollen viel sauberer als zuvor. Im Vergleich zu herkömmlichen Diesellokomotiven sollen die Stickoxid-Emissionen um etwa 45 Prozent, die Emissionen von Kohlenwasserstoffen um rund 73 Prozent und die von Kohlenmonoxid sogar um etwa 83 Prozent sinken, behauptet CRRC.
Rangierlok komplett elektrisch
Auch wurde im Frühjahr dieses Jahres von CRRC in Dalian eine batterieelektrische Rangierlokomotive mit einer 1000-kW-Batterie vorgestellt, die speziell für Industrieanlagen und Bergbauunternehmen konzipiert worden ist. Beim Einsatz dieser E-Lok fallen überhaupt keine Emissionen mehr an, sagte Sun Rongkun, Vorstandsvorsitzender von CRRC Dalian, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Xinhua.
Die Lokomotive verfügt über ein leistungsstarkes Flüssigkeitskühlsystem für ihre LFP-Batterie, die mit bis zu 680 kW Ladeleistung innerhalb von 70 Minuten vollständig wieder aufgeladen werden kann. Ein erstes Exemplar ist unter anderem an den Stahlkonzern Ansteel ausgeliefert worden, wo es seit April auf dem Werksgelände getestet werden. Dort konnte der Kraftstoffverbrauch seither angeblich um mehr als 30 Prozent reduziert werden.
Auch Brennstoffzellen-Lok im Einsatz
Neben rein elektrischen und Hybrid-Antrieben setzt China auch auf die Brennstoffzelle für seine „grünen“ Loks. In der südwestchinesischen Provinz Guizhou hat im Mai die erste wasserstoffbetriebene Lokomotive des Landes ihren kommerziellen Betrieb aufgenommen. Entwickelt wurde sie von einem Konsortium unter Leitung von Meijin Energy, einem Unternehmen aus dem Bereich der Kokereigas-Verwertung. Die Wasserstoff-Lok kommt nun in der „Kohle- und Stahlstadt“ Liupanshui in Guizhou für den Gütertransport im Bergbau zum Einsatz. Das Konzept: Wasserstoff, der dort als Nebenprodukt bei der Kohleerzeugung anfällt, wird aufgefangen, gereinigt und dann für den Betrieb der Lokomotiven und von Schwerlastfahrzeugen genutzt. Über hundert Lkw und mehrere Buslinien werden dort nun schon mit Brennstoffzellen betrieben. Die Lok selbst kommt mit einer Tankfüllung bis zu 800 Kilometer weit, kann über viertausend Tonnen anhängen und ist in fünfzehn Minuten voll betankt.
Stand: 08.12.2025
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Die Brennstoffzelle liefert den Strom für den Hauptantrieb der Zugmaschine, überschüssige Energie wird zudem in einer Lithium-Batterie gespeichert. Dieses hybride System soll in großen Höhenlagen effizient arbeiten können, behauptet sein Entwickler. Während Dieselmotoren auf dem Hochplateau an Leistung verlieren, weil sie dort nicht mehr genug Sauerstoff aus der dünnen Luft ziehen können, funktionieren Brennstoffzellen weiterhin stabil, zitierte Xinhua einen Projektleiter bei Meijin Energy.
In diesem speziellen Anwendungsfall ist Wirtschaftlichkeit garantiert.
Wasserstoff, der andernorts momentan noch relativ teuer aus Erdgas oder mit erneuerbaren Energien erzeugt werden muss, fällt in Liupanshui als Abfallprodukt an. Die Umwandlungskosten liegen dort deshalb nur bei einem Drittel des üblichen Marktpreises. Langfristig wird allerdings erwartet, dass die Skalierung der Wasserstoff-Technologie in ganz China die Preise für den Einsatz von Brennstoffzellen fallen lässt.
Für den Werksverkehr in solchen Fabriken sei außerdem die dezentrale Infrastruktur für das Betanken nützlich, heißt es in chinesischen Fachmedien. Die Regierung der Provinz Guizhou plant bereits, das Modell auf weitere Industriebetriebe auszuweiten.
Langfristig hofft man, einen großen Teil der Schwerlast-Logistik der Provinz auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge umstellen und so einen Beitrag zum Erreichen der chinesischen Klimaziele leisten zu können.
Fazit: Wie der Export der CKD6H nach Kasachstan nahelegt, könnten sich die nachhaltigen Güterloks aus China zukünftig zu einem weiteren Exportschlager der chinesischen Fertigungsindustrie entwickeln, ähnlich wie Solarparks in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Wasserstoff-Anlagen in Saudi-Arabien und Pakistan. (se)