Nicht mit dem neuesten Modell erregt Autohersteller BYD die Gemüter der Branchenkenner, sondern mit einem eigenen Autochip, dem BYD 9000. Der beweist, dass China in dem Sektor rasant aufholt.
BYD-Fahrzeuge erfreuen sich großer Beliebtheit, jüngst ging das zehnmillionste "New Energy Vehicle" vom Band.
(Bild: BYD)
Immer häufiger sorgen neue Autochips für mehr Schlagzeilen als neue Automodelle. So war es auch jetzt, als BYD am 12. November 2024 das neue Offroad-SUV namens „Fang Cheng Bao 8“ vorstellte. Ein spannendes Auto voller neuer Funktionen – doch die versammelte Presse stürzte sich auf ein einziges Detail, den neuen BYD-9000-Chip im Cockpit.
Noch sind nicht alle Details bekannt, aber der von BYD Semiconductor selbst entwickelte Cockpit-Chip wird schon jetzt als der „bislang fortgeschrittenste Halbleiter des E-Auto-Herstellers“ bezeichnet. DigiTimes Asia nennt ihn sogar schon „Chinas bis dato hochwertigsten Autochip“.
Sicher ist, dass der neue Chip für das smarte Cockpit in BYD-Modellen auf einem 4-Nanometer-Prozess entwickelt worden ist und eine Arm-V9-Architektur verwendet. Da sonst bisher nicht viele Informationen veröffentlicht wurden, kursieren zusätzlich viele Gerüchte. Eines besagt, der Chip wird von TSMC hergestellt. Ein anderes, dass MediaTek bei der Entwicklung geholfen haben soll.
„Die frappierende Ähnlichkeit des Chips mit einer existierenden Lösung von MediaTek hat Spekulationen über eine strategische Partnerschaft zwischen BYD und MediaTek ausgelöst“, fasst DigiTimes Asia die entsprechenden Berichte zusammen.
Chip im Alleingang?
BYD und die Tochter BYD Semiconductor haben selbst nie behauptet, den neuen, fortgeschrittenen Autochip ganz alleine entwickelt zu haben. Es ist normal, dass Zulieferer bei solchen Entwicklungen technische Assistenz leisten. Den nicht bestätigten Berichten zufolge könnte es sich also bei dem neuen BYD-Chip um eine maßgeschneiderte Abwandlung von Halbleitern der „Dimensity 9000“-Serie von MediaTek handeln.
Aus technischer Sicht ist der neue BYD-Chip auf jeden Fall genauso interessant wie seine mögliche Inspiration, woher die auch immer kommen mag. Er macht die Cockpits 5G-fähig, was für Navigations- und Vernetzungsfunktionen in smarten E-Autos in China gerade immer wichtiger wird. Und über ein DDR5-Memory-Interface können bis zu elf Monitore im Auto gleichzeitig gesteuert werden.
Parallel gibt es derzeit Berichte in chinesischen Fachmedien, dass BYD und seine taiwanesischen Zulieferer TSMC und MediaTek auch an der Entwicklung eines neuen Controller-Chips mit einer Rechenleistung von 80 TOPS arbeiten. In beiden Fällen, bei dem neuen Cockpit-Chip und dem neuen Controller-Chip, stoßen BYD und seine asiatischen Partner in einen schnell wachsenden Markt vor, den der Autochips, der momentan noch zu rund 90 Prozent von amerikanischen, europäischen und japanischen Chip-Produzenten dominiert wird.
BYD scheint sich also langfristig darauf vorzubereiten, aus dem Ausland importierte Produkte wie den Nvidia Orin zu ersetzen, um fortgeschrittene Navigationslösungen wie NOA (Navigate on Autopilot) oder immer bessere ADAS-Fahrassistenz-Systeme mit heimischen Chips anbieten zu können.
Mit einem Chip wie dem BYD 9000 ließen sich nicht nur bei BYD, sondern auch bei anderen chinesischen Herstellern momentan noch weitverbreitete Autochips wie der Qualcomm Snapdragon ersetzen.
Kosteneffizienz im Fokus
BYD verfolgt bei seinen Eigenentwicklungen vordergründig das Ziel, immer kostengünstiger produzieren zu können. Der inzwischen zum führenden E-Auto-Hersteller Chinas und der Erde avancierte Autobauer entwickelt aus demselben Grund auch seine eigenen Powerbatterien und E-Antriebe.
Globale politische Spannungen verstärken allerdings gerade die chinesische Lust auf die „heimische Substitution“ noch weiter. Washington erlässt im Zuge seines „Chip-Krieges“ gegenüber der Volksrepublik immer neue Sanktionen für fortgeschrittene KI-Chips. Mehr Autarkie ist daher für Chinas Chipindustrie eine Überlebensfrage – und bei Autochips sind die Fortschritte chinesischer Unternehmen bis jetzt schon am deutlichsten.
Auch hat die EU-Kommission BYD und andere chinesische Hersteller gerade mit Strafzöllen belegt, die chinesische E-Autos auf dem europäischen Markt künstlich verteuern. Damit wächst der Druck auf BYD und andere chinesische Autobauer wie Xiaomi, NIO, Xpeng und andere, ihre eigenen, günstigen Autochips zu entwickeln – Automobil Industrie berichtete. (sb)
Stand: 08.12.2025
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