Krise in der Automobilindustrie Boston Consulting untersucht Stimmung in der Zuliefererindustrie

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Bis 2035 soll die Nachfrage nach Fahrzeugkomponenten um 3,5 Prozent pro Jahr steigen. Eigentlich eine positive Nachricht für Automobilzulieferer. Allerdings werden davon nicht alle Unternehmen profitieren, wie die Studie „How Auto Suppliers Can Rebuild and Rise Again“ der Boston Consulting Group ergab.

Automobilzulieferer befinden sich in einer schweren Krise, die vor allem auf eine Kombination aus strukturellem Wandel und konjunkturellen Problemen zurückzuführen sind.(Bild:  frei lizensiert bei Pexels)
Automobilzulieferer befinden sich in einer schweren Krise, die vor allem auf eine Kombination aus strukturellem Wandel und konjunkturellen Problemen zurückzuführen sind.
(Bild: frei lizensiert bei Pexels)

Automobilzulieferer befinden sich in einer schweren Krise, die vor allem auf eine Kombination aus strukturellem Wandel und konjunkturellen Problemen zurückzuführen ist: Der Transformationsdruck zur Elektromobilität sorgt für hohe Investitionen in neue Technologien auf der einen und Gewinneinbrüchen bei Komponenten für den Verbrennungsmotor auf der anderen Seite. Eine schwache Nachfrage nach Neufahrzeugen, ein starker Wettbewerb aus China, geopolitische Krisen, Handelskonflikte und Lieferkettenprobleme tun ihr Übriges.

Bis 2035 soll die Nachfrage nach Automobilkomponenten zwar jährlich um 3,5 Prozent steigen, aber davon profitieren nicht alle Unternehmen. Gewinner sind die Hersteller von Fahrzeug-Software, Batterien und Elektrofahrzeugkomponenten. Sie können mit Wachstumsraten zwischen 13 und 16 Prozent pro Jahr rechnen. Produzenten von Komponenten für Verbrennungsmotoren verlieren deutlich – bis 2035 im Schnitt zwischen drei und acht Prozent pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „How Auto Suppliers Can Rebuild and Rise Again" der Boston Consulting Group. Für die Studie hat die Unternehmensberatung die Finanzsituation von mehr als 750 Zulieferern und rund 50 Fahrzeughersteller weltweit analysiert, sowie 127 Führungskräfte auf C-Level befragt.

Neue Geschäftsfelder bieten Chancen

In jenen Bereichen, die für die Transformation von Verbrenner- auf Elektrofahrzeuge zentral sind, bieten sich Zulieferern tendenziell größere Chancen als in traditionellen Domänen: „Elektrifizierung, Elektronik und Software sind schnell wachsende Geschäftsfelder, in denen sich mit der richtigen Strategie deutlich höhere Gewinnmargen erzielen lassen als in klassischen Segmenten", erklärt Alex Brenner, Automobilexperte bei Boston Consulting und Co-Autor der Studie. Klassische Komponenten-Zulieferer haben 2025 im Schnitt mit 5,7 Prozent erstmals seit fünf Jahren wieder höhere EBIT-Margen erwirtschaftet als die Automobilhersteller. In Wachstumsfeldern wie Batterien und Halbleitern lagen die EBIT-Margen nochmal deutlich höher - bei über 7 respektive über 20 Prozent. Bei Halbleitern, Batterien und anderen Nicht- Kerngeschäftsbereichen haben Zulieferer 2025 mit 5,7 Prozent erstmals seit fünf Jahren wieder höhere EBIT-Margen erwirtschaftet als die Automobilhersteller. Für 2027 prognostizieren die Autoren eine Stabilisierung der Marge bei sechs Prozent für klassischen Komponenten-Zulieferer.

Transformation zur Elektromobilität problembehaftet

Dennoch ist die Unsicherheit in der Branche groß. Der Grund: Die Transformation hin zur Elektromobilität verläuft deutlich unruhiger als erwartet. Stromerprogramme sind allein im ersten Halbjahr 2025 teils um mehr als den Faktor drei von den ursprünglichen Verkaufsprognosen abgewichen – sowohl nach oben als auch nach unten. Für Zulieferer bedeutet das: Milliardeninvestitionen treffen auf hohe Auslastungsunsicherheit. Das ist ein Risiko, das sich nicht mehr mit klassischem Kapazitätsmanagement beherrschen lässt. „Die akute Krise liegt hinter uns, aber Normalität ist nicht zurückgekehrt. Höhere Zinsen, geopolitische Spannungen und volatile BEV-Nachfrage sind kein Übergangsphänomen mehr - sie definieren das neue Grundrauschen der Branche," betont Albert Waas, Leiter des Bereichs Automobil und Mobilität in Europa, dem Nahen Osten, Südamerika und Afrika. „Zulieferer müssen ihre Gewinnschwellen strukturell senken, indem sie ihr Portfolio vereinfachen, Werke und Standorte konsolidieren, wo die Größe nicht ausreicht, und indirekte Kosten und Gemeinkosten rigoros reduzieren. Das Ziel ist nicht eine einmalige Kostensenkung, sondern eine neu gestaltete Ertragsbasis, die auch bei schwankender Nachfrage robust bleibt."

Druck auf Europa wächst – vor allem aus China

Der globale Vergleich verschärft den Druck auf Europa zusätzlich: Zulieferer aus China haben ihre europäischen Wettbewerber 2024 bei der Profitabilität überholt. Die Kapitalmärkte folgen dem Wachstum: China legte zwischen 2019 und 2025 beim Börsenwert der Zulieferer stärker als jede andere Region zu. Die chinesischen Zulieferer zeigen laut der BCG-Analyse auch die klarste Wachstumsorientierung - mit Fokus auf Expansion, Partnerschaften sowie neue Produkte und Technologien.

Entsprechend angespannt ist die Stimmung in der Branche: Jede zweite Führungskraft rechnet damit, dass sich der Markt verschlechtert. In Europa fällt die Einschätzung am negativsten aus. Führungskräfte verweisen vor allem auf starken wirtschaftlichen Druck, unsichere Regeln und mehr Insolvenzen. Boston Consulting hat fünf Hebel identifiziert, die den Weg zum erneuten Aufstieg ebnen: Erfolgreiche Zulieferer erschließen sich eine neue Ertragsbasis, erhöhen ihre Widerstandsfähigkeit und gehen gezielt in die Offensive in Bereichen mit hohem Wachstumspotenzial, die an bestehende Kompetenzen angrenzen. Künstliche Intelligenz als operatives Nervensystem und ein starkes Changemanagement machen es möglich. (se)

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