E-Auto-Hersteller insolvent Ausgebremst: Fisker meldet Insolvenz an, Tesla-Herausforderer wieder pleite

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Überforderung, Missmanagement, Beschaffungsschwierigkeiten: Berichten zufolge herrschte bereits in den vergangenen Wochen Chaos beim E-Auto-Start-Up Fisker, das wie viele andere vor ihm Elon Musks Tesla Konkurrenz machen wollte. Am Abend des 17. Juni 2024 wurde die Reißleine gezogen und ein Insolvenzverfahren beantragt. Das ist nicht das erste Mal für Fisker.

Der SUV Ocean von Fisker.(Bild:  Fisker)
Der SUV Ocean von Fisker.
(Bild: Fisker)

Aus Berichten und Beobachtungen, die unter anderem dem Handelsblatt zugespielt wurden, kann abgelesen werden, dass beim E-Auto-Hersteller Fisker schon seit einiger Zeit nichts so richtig unter Strom steht. Es schien nur eine Frage der Zeit gewesen zu sein, dass die Unternehmensführung des einstigen Tesla-Herausforderers in einem Insolvenzverfahren Schutz vor Gläubigern sucht. Der Antrag auf ein Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts wurde am 17. Juni 2024 beim Gericht von Delaware eingereicht.

Zuvor gab es schon einige deutliche Anzeichen für die Probleme, die den E-Auto-Hersteller plagen. Im Februar 2024 hatte der dänische Autodesigner Henrik Fisker bereits angedeutet, dass die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel steht, wenn sich keine neuen Investoren finden ließen. Und Mitte April 2024 hatte die New Yorker Börse die Aktien aus dem Handel ausgeschlossen.

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Gespräche mit Partnern gescheitert

Zwar wurde zwischenzeitlich eine neue Finanzierungsrunde durchgeführt und dazu wurden bereits gebaute Fahrzeuge mit Rabatten auf den Markt gebracht, doch diese Maßnahmen halfen der Firma nicht wirklich aus der Patsche. Dazu kommt, dass Fisker-Automobile beim Auftragsfertiger Magna in Österreich hergestellt werden und deswegen als Importauto in die USA kommen – und Käufer somit nicht von den Steuergutschriften der US-Regierung profitieren.

Die Rettung für das Unternehmen hätte eine Investition eines „großen Autobauers“ bedeuten sollen, bei dem es sich angeblich um Nissan gehandelt haben soll. Doch diese Gespräche trugen keine Früchte.

Wenn die Gerüchte zu den Gründen für das Scheitern der Verhandlungen stimmen, dann wäre das brisant. Es heißt, dass die Gespräche mit (mutmaßlich) Nissan und anderen Interessenten im Sande verlaufen wären, weil zur Debatte stünde, wie viel geistiges Eigentum Fisker tatsächlich an dem SUV Ocean und an anderen Modellen hält. Die Autoren des Handelsblatts zitieren einen Manager eines deutschen Autoherstellers wie folgt: „90 Prozent des Autos wurden von Magna entwickelt. Magna besitzt einen Großteil des intellektuellen Eigentums an der Fertigung und den Komponenten.“ Fisker-Insider bemerkten gegenüber den Autoren des Handelsblatts, dass 90 Prozent vielleicht zu hoch gegriffen seien, das Thema der intellektuellen Rechte allerdings bereits seit Monaten ein Thema wäre.

Ebenfalls ist oft zu hören, dass im Managementkreis von Fisker die falschen Leute an den falschen Positionen saßen. Henrik Fiskers Gattin war als Finanzchefin eingesetzt und habe sich genauso wenig um die Klärung wichtiger Fragen und Situationen gekümmert wie Fisker selbst, der sich nur im Designlabor wirklich wohlgefühlt haben soll.

Gerüchte über Schwierigkeiten nahmen überhand

Der letzte Schritt, der offenbar unternommen werden konnte, ist die Beantragung des Insolvenzverfahrens. Und das stellt ebenfalls ein Problem dar. Anscheinend gibt es seit Wochen Schwierigkeiten, angefangen beim überforderten Kunden-Support über fehlende Ersatzteile bis zu verlorenen Kundengeldern.

Wer Kunde von Fisker ist, säße nun auf einer „2,5 Tonnen schweren Zeitbombe“, wie es die Redaktion von Focus umschreibt. Die Pleite von Fisker hat auch Auswirkungen auf den Auftragsfertiger Magna – und auf die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Kundendienst. Wer sich einen Fisker-Stromer in die Garage gestellt hat, wird jetzt viele Fragen haben.

Denn obwohl bekannte Autoreviewer wie der US-Youtuber Marques Brownlee den Ocean als schlechtestes Auto bezeichnet hatte, das er je reviewt hatte, wurden immerhin knapp 5.000 Ocean an Kunden geliefert. Inzwischen ist der erste große Wirbel um E-Autos abgeklungen, insbesondere weil einige Länder ihre Subventionen für Käufer teilweise oder komplett eingestellt haben. Zudem drängen aus der Volksrepublik China E-Fahrzeuge auf den Markt, die aufgrund hoher staatlicher Subventionen günstiger als etwa US-Modelle angeboten werden können.

Nicht Fiskers erste Pleite

Henrik Fisker war bereits Chef eines Automobilunternehmens, das seinen Namen trug, im Jahr 2007 gegründet wurde und im Jahr 2013 Insolvenz anmelden musste. 2014 stieg die chinesische Wanxiang-Gruppe bei Fisker ein. Mit der Unterstützung sollte der Umstieg auf ein Elektronikfahrzeug gelingen. Die ambitionierten Pläne Fiskers sahen vor, 2016 das erste E-Fahrzeug auf den Markt zu bringen.

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Die Zeit hat gezeigt, dass es tatsächlich sieben Jahre länger dauerte, bis die ersten Ocean-Fahrzeuge ausgeliefert wurden. Allerdings sind E-Auto-Fans solche Verspätungen inzwischen gewohnt, zumindest, wenn sie einen Tesla ihr Eigen nennen wollten. (sb)

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