Verbote für Verbrenner: Wann sie wo kommen und welche Länder zögern
Von
Mario Hommen
Der Klimawandel sorgt global für ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Vielerorts wurden bereits Verbote für Verbrenner angekündigt. Doch die wichtigsten Automärkte drücken sich um konkrete Ansagen.
Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sollen in wenigen Jahrzehnten vielerorts der Vergangenheit angehören.
Manche erinnern sich vielleicht: Ein vom California Air Resources Board (CARB) 1990 ausgearbeitetes Luftreinhaltegesetz hätte bereits in den 90er-Jahren dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen sollen. Der damalige Erlass der Regierung des US-Bundesstaates Kalifornien brachte die Autoindustrie dazu, emissionsfreie Pkw zu entwickeln, die bis zur Aufweichung des CARB-Gesetzes sogar in größerer Stückzahl in den USA auf die Straße gelangten. Als die zunächst strengen Emissionsvorgaben wieder vom Tisch waren, verschwanden auch die Stromer von der Bildfläche. Und das für mehrere Jahrzehnte.
Mittlerweile scheint allerdings klar, dass der seit gut 10 Jahren währende Aufstieg des Elektromobils als eine ernstzunehmende Alternative zum Verbrennerauto wohl nicht mehr aufzuhalten und vielerorts sogar alternativlos sein wird. In vielen für die Autoindustrie wichtigen Märkten wurden bereits Zeitpunkte zur Einführung von Fahrverboten für Verbrenner festgelegt oder werden aktuell diskutiert. Weitere wichtige Autoregionen dürften den bereits zahlreichen Beispielen folgen. In den 90er-Jahren preschte allein der US-Bundesstaat Kalifornien vor und knickte schnell wieder ein. Mittlerweile hat das Phänomen globale Ausmaße angenommen, deren Umkehrbarkeit zunehmend unwahrscheinlicher erscheint. Dem Elektroauto dürfte dieser Trend zum endgültigen Durchbruch verhelfen.
Die Metropolen gehen voran
In Europa haben unter anderem eine Handvoll Metropolen angekündigt, neben Fahrverboten für Dieselfahrzeuge auch generelle Verbote für Benziner einführen zu wollen. So sollen 2030 in Manchester, Birmingham, Oxford, London, Kopenhagen, Oslo, Mailand, Rom, Amsterdam, Rotterdam, Utrecht, Den Haag und Barcelona keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr neu auf die Straßen kommen. Auch auf nahezu allen anderen Kontinenten finden sich Beispiele von Städten und Metropolregionen, die eine entsprechende Verbotsagenda verfolgen. So haben Kapstadt (Afrika), Auckland (Ozeanien), Quito (Südamerika) oder Vancouver (Nordamerika) ebenfalls 2030 als Jahr auserkoren, ab dem Neuzulassungen von Diesel- und Benzin-Pkw nicht mehr erlaubt sind.
Neben Städten haben sich auch einige europäische Landesregierungen mit der Benennung konkreter Ausstiegszeitpunkte vorgewagt. Allen voran will Norwegen bereits ab 2025 keine Autos mehr mit Verbrenner neu zulassen. Dabei werden sich die Norweger nicht einmal sonderlich umstellen müssen, denn bei ihnen erfreut sich das E-Auto seit Jahren unvergleichlich großer Beliebtheit. Bereits 2013 wiesen rund 5 Prozent der neu zugelassenen Autos in Norwegen einen E-Antrieb auf, mittlerweile trifft das auf mehr als jeden zweiten Neuwagen in dem skandinavischen Land zu.
Dem Beispiel Norwegens wollen weitere Länder in Europa folgen. Belgien etwa will ab 2026 ein Zulassungsstopp speziell für Firmenwagen mit Diesel oder Benziner einführen. Außerdem haben sich Island, Holland, Irland, Slowenien, Schweden und Dänemark den generellen Abschied vom Verbrenner ab 2030 zum Ziel gesetzt. Großbritannien, das zunächst einen Ausstieg für das Jahr 2040 ankündigte, hat Anfang dieses Jahres diesen auf 2035 vorgezogen und zudem auf Nutz- sowie Hybridfahrzeuge ausgeweitet. Speziell in Schottland will die Regionalregierung ein Neuzulassungsverbot für Verbrenner ab 2032 einführen.
In Finnland lautet das Motto: Verkaufsstopp mit fossilen Brennstoffen betriebener Pkw ab 2035 sowie ab 2045 Verkaufsstopp fossiler Brennstoffe selbst. Frankreich und Lettland haben wiederum Neuzulassungsverbote von Verbrenner-Pkw ab 2040 angekündigt. Spanien hat die Absicht erklärt, ebenfalls 2040 als den Einstieg in den Ausstieg von Benziner- und Diesel-Pkw anzustreben.
Deutschland zaudert noch
Anders als viele Nachbarländer konnte sich Deutschland bislang nicht auf eine konkrete Jahreszahl für einen Ausstieg festgelegen. Laut des 2016 von der Bundesregierung beschlossenen Klimaschutzplans soll im Jahr 2050 der Verkehrssektor weitgehend auf fossile Treibstoffe verzichten. Anders als dieses etwas vage formulierte Ausstiegsziel forderten jüngst CSU-Chef Markus Söder und der Chef des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, die Einführung eines Neuzulassungsverbots von Verbrennern für 2035. Die Grünen wünschen sich den Ausstieg schon für 2030.
Städte und Kommunen in Deutschland haben sich bislang nur zu Dieselverboten durchringen können. Zu den wenigen Orten Deutschlands mit einer weiterreichenden Ausstiegsagenda gehört die Stadt Heidelberg, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 weitgehende Klimaneutralität zu erreichen. Deshalb will die Stadt ab 2025 nur noch emissionsfreie Busse für den Nahverkehr anschaffen. Darüber hinaus will Heidelberg mit finanziellen Anreizen die E-Mobilität stärker fördern. Letztlich könnte für Deutschland jedoch eine EU-weite Regelung ausschlaggebend werden, die es allerdings bislang nicht gibt. Dänemark hatte bereits 2040 als Ausstiegsjahr vorgeschlagen. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob der Länderbund zur Erreichung seiner CO2-Klimaziele ein konkretes Jahr für Verbrennerverbote anstreben soll.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
USA und China ohne konkreten Zeitplan
Auch außerhalb Europas finden sich etliche Länder, die bereits Verbrennerverbote planen. Dazu gehört der Subkontinent Indien, wo ab 2030 nur noch Neuwagen mit Elektroantrieb zugelassen werden sollen. Israel hat für das gleiche Jahr einen Import- und Neuzulassungsstopp für Verbrenner-Pkw angekündigt. Taiwan, Singapur, Kanada, Ägypten und Sri Lanka planen den Ausstieg für 2040, während Costa Rica sich 2050 zum Ziel gesetzt hat. Ebenfalls ab 2050 sollen in Japan nur noch Autos in den Verkauf kommen, die über mindestens einen Elektromotor verfügen.
Die wichtigsten Weltmärkte, USA und China, haben analog zur EU noch keine Jahreszahlen für Verbrennerverbote genannt. Lediglich in einigen wenigen Städten oder Regionen sind erste Vorstöße zu vermelden. In China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, hat bisher allein die Modellregion Hainan ein alle Fahrzeuggattungen betreffendes Verbrennerverbot für 2030 ausgelobt. China selbst will sich hingegen nicht auf ein konkretes Jahr für die Einführung festgelegen. Ende September hat die KP-Führung des Landes verkündet, für China bis 2060 Klimaneutralität zu erreichen. Im Verkehrssektor muss deshalb zwangsweise der E-Mobilität zugunsten konventionell angetriebener Fahrzeuge eine gewichtige Rolle zukommen.
In den USA, die ebenfalls mit einem Ausstiegsdatum fremdeln, macht wiederum Kalifornien den Anfang. So stellen die Städte Los Angeles und Seattle Verbrennerverbote für 2030 in Aussicht. Der Bundesstaat selbst will fünf Jahre später nachziehen. Die Chancen, dass dieses Vorhaben nicht gleich wieder gekippt wird, liegen dieses Mal deutlich höher als noch Anfang der 1990er-Jahre. –spx–