Simulator als fachübergreifendes Entwicklungstool

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Testkandidaten: Rückspiegel, Kofferräume, Assistenzsysteme

Porsche setzt den virtuellen Fahrerplatz für neue Fahrzeugkonzepte wie den vollelektrischen Mission E ebenso ein wie für die Weiterentwicklung aller bestehenden Baureihen. Unter anderem geht es dabei um die beiden Schwerpunkte Ergonomie und Mensch-Maschine-Interaktion (HMI). Bei der Ergonomie stehen beispielsweise Sichtuntersuchungen etwa von Rückspiegeln, Form und Lage der Fahrzeugscheiben sowie Kamerasystemen auf der Agenda. Dazu gehören aber auch die Überprüfungen von aktiven Sicherheitsfunktionen und von Fahrzeugkonzepten, zum Beispiel Kofferraumvarianten.

Im HMI-Bereich geht es beispielsweise um das Testen von Fahrerassistenzsystemen und um die Gestaltung von Informationsübermittlungen – mit dem Ziel, die entsprechenden Komponenten so anzuordnen, dass der Fahrer Informationen schnell aufnehmen und entsprechend zügig reagieren kann. Um reale Fahrzeugkomponenten als Teil der Simulation verwenden zu können ist es nötig, Steuergeräte – etwa ein Kombiinstrument oder Taster – über CAN-Bus anzusteuern und die Funktion durch Restbussimulation zu gewährleisten.

Ein elementarer Bestandteil des Simulators ist das Erfassen und Speichern der relevanten Daten einer virtuellen Fahrt. Dabei geht es nicht nur um das Verhalten des simulierten Fahrzeugs allein, sondern auch um die physiologischen Daten des Fahrers in Bezug auf seine Umgebung. Dadurch können Einflüsse und Wechselwirkungen, beispielsweise durch die Position der simulierten Fahrzeuge in der Nähe und Fahrerreaktionen wie Augenposition oder Kopfdrehwinkel, untersucht und bewertet werden.

Simulator bewährt sich als fachübergreifendes Entwicklungstool

Die Testergebnisse aus dem Simulator ermöglichen, im Fahrzeugentwicklungsprozess sehr früh Aussagen über die Funktion und Wirkung des Fahrzeugs und darin implementierter Komponenten zu treffen. Insbesondere Systeme, bei denen der Mensch mit dem Fahrzeug interagiert, sind für die Analyse in dieser Simulationsumgebung prädestiniert. Darüber hinaus nutzt Porsche den virtuellen Fahrerplatz auch als Plattform, auf der die Ingenieure der verschiedenen Disziplinen fachbereichsübergreifend Themen testen, diskutieren und präsentieren sowie über diese entsprechend entscheiden können.

Die Vorteile zahlen sich unmittelbar im Entwicklungsprozess aus: Die Ergebnisse, die im virtuellen Fahrerplatz ermittelt werden, tragen dazu bei, durch vorgelagerte virtuelle Entwicklungszyklen die Qualität der später hergestellten Prototypenfahrzeuge zu steigern und frühzeitig Entscheidungen mit hoher Tragweite zu ermöglichen. Somit führt der virtuelle Fahrerplatz insgesamt zu einer Verkürzung der Entwicklungszeit und zum effektiveren Einsatz der realen Erprobungskomponenten.

* Text erstmalig erschienen im Porsche Engineering Magazin

(ID:45095367)