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Magnetschwebebahn In 7 Sekunden von 0 auf 650 km/h

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

Magnetschwebebahnen kennen keine Reibung, sondern lediglich den Luftwiderstand. Daher erreichen diese schneller und einfacher sehr hohe Geschwindigkeiten. In China wurde nun ein neuer Rekord aufgestellt.

Eine chinesische Magnetschwebebahn erreichte 650 km/h in nur 7 Sekunden.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Eine chinesische Magnetschwebebahn erreichte 650 km/h in nur 7 Sekunden.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Wie der staatliche chinesische Fernsehsender CGTN berichtete, erreichte eine Magnetschwebebahn die Marke von 650 km/h. Das ist schon eine beeindruckende Geschwindigkeit. Noch beeindruckender ist die Tatsache, dass diese nach gerade einmal 7 Sekunden erreicht wurde. Der Rekordversuch fand auf einem speziell errichteten Testgleis im Donghu-Labor der Provinz Hubei statt. Dort beschleunigte ein etwa 1,1 Tonnen schweres Fahrzeug auf einer Strecke von nur einem Kilometer auf diese Spitzengeschwindigkeit. Die Teststrecke selbst ist bislang einzigartig, da sie so kurz ist und trotzdem solche extremen Beschleunigungswerte ermöglicht. Nach Angaben der Entwickler wurde der Weltrekord auf einer Strecke von rund 600 Metern erreicht, danach folgte der Bremsvorgang, der ebenfalls nur wenige hundert Meter in Anspruch nahm.

Möglich wird dieses Beschleunigungswunder durch eine Kombination aus hochentwickelter Magnetschwebetechnik und einem Linearmotor, der das Fahrzeug nahezu reibungslos antreibt. Der Zug schwebt berührungslos über dem Gleis, gehalten und stabilisiert durch elektromagnetische Abstoßungskräfte. So entfallen mechanische Reibungsverluste, die bei herkömmlichen Schienenfahrzeugen auftreten würden. Die Position des Fahrzeugs muss dabei mit extremer Präzision erfasst werden. Laut den Ingenieuren wird die Abweichung auf nur wenige Millimeter genau kontrolliert, um eine gleichmäßige Beschleunigung und eine sichere Bremsung zu gewährleisten.

Im Vergleich zu bestehenden Magnetschwebebahnen markiert dieser Testlauf einen deutlichen Technologiesprung. Der bisherige Rekordhalter aus Japan, der L0-Maglev, erreichte bereits vor Jahren über 600 km/h, benötigte dafür aber eine wesentlich längere Teststrecke von über 40 Kilometern. Der neue Ansatz zeigt, dass sich solche extremen Geschwindigkeiten auch auf sehr kurzen Abschnitten sicher erreichen und wieder abbremsen lassen. Das ist vor allem für die Entwicklung künftiger Hochgeschwindigkeitsstrecken von Bedeutung.

System Geschwindigkeit Strecke Jahr
CGTN‑Test 650 km/h in 7 s 600 m Kurzspur 2025
Japan L0‑Maglev 603 km/h ca. 40 km Teststrecke 2015
Shanghai Transrapid 431 km/h kommerziell, 30 km bis 2021

Neue Rekorde könnten bald folgen

Langfristig wird die Technologie nicht bei 650 km/h stehenbleiben. Schon jetzt planen die Ingenieure eine Ausweitung auf 800 km/h. Dafür sollen sowohl Antrieb als auch Regeltechnik weiter optimiert werden. Ziel ist es, Magnetschwebebahnen nicht nur für kurze innerstädtische Strecken oder Flughafentransfers zu nutzen, sondern auch für schnelle Verbindungen zwischen Großstädten über mittlere Distanzen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Wo Flugzeuge aufgrund von Sicherheitsprotokollen und Start- und Landezeiten Zeit verlieren, könnte eine Magnetschwebebahn mit dieser Beschleunigung und Geschwindigkeit große Strecken in kürzester Zeit überwinden und dabei deutlich energieeffizienter arbeiten, sofern der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt.

Neben den technischen Herausforderungen steht die Frage nach den Kosten und der Wirtschaftlichkeit im Raum. Der Bau einer solchen Infrastruktur ist aufwendig und teuer. Gleise müssen hochpräzise verlegt werden, und die Antriebstechnik erfordert Wartung auf höchstem Niveau. Doch China zeigt mit diesem Rekordversuch, dass man gewillt ist, in genau diese Zukunft zu investieren, um sich im weltweiten Wettbewerb der Hochgeschwindigkeitsverbindungen weiter an die Spitze zu setzen.

Die Testläufe sind ein weiteres Signal dafür, wie weit die Technologie in China wirklich ist. Viele sprechen davon, dass China bald den Rest der Welt überholt. Aber vielleicht ist es schon längst passiert. Mit einer Beschleunigung auf 650 km/h in nur sieben Sekunden zeigt das Land eindrucksvoll, welches Potenzial in der Magnetschwebetechnik steckt. Noch ist offen, wann und wo die ersten regulären Strecken mit solchen extremen Fahrprofilen in Betrieb gehen werden. Doch die Weichen für eine neue Ära des Schienenverkehrs sind gestellt.

Auch Japan treibt die Magnetschwebebahn konsequent voran: Die geplante Maglev-Strecke wird den Fernverkehr dort revolutionieren. Ab 2027 soll die erste Phase der Chuo Shinkansen die Verbindung zwischen Tokyo und Nagoya auf nur 40 Minuten verkürzen – bisher dauert die Fahrt rund anderthalb Stunden. Bis 2045 wird die Strecke bis Osaka verlängert, sodass die gesamte Verbindung Tokyo–Osaka in nur 67 Minuten machbar sein soll. Im Vergleich zu den derzeitigen zweieinhalb Stunden mit dem schnellsten Nozomi-Zug. Möglich wird das durch eine Betriebsgeschwindigkeit von 505 km/h, fast doppelt so schnell wie die konventionellen Shinkansen. Für Geschäftsreisende und Pendler entsteht damit eine völlig neue Mobilitätsdimension. Die eingesparte Reisezeit könnte die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Metropolregionen noch weiter beflügeln. Japan zeigt damit einmal mehr, wie Hochgeschwindigkeitstechnologie die Art des Reisens verändert.

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Es ist durchaus bedauerlich, dass diese Technologie in Deutschland nicht konsequent weiterentwickelt wurde, obwohl gerade hier mit dem Transrapid einmal eine Pionierleistung im Bereich der Magnetschwebetechnik entstanden ist.  (mr)

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