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„Das Auto wird bald Luxus werden“

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Ein zuletzt sehr heiß in der Community diskutiertes Thema war, welchen Weg man als Kfzler einschlagen sollte. Ausbildung, Techniker, Meister oder doch Abi und Studium. Was ratet ihr jungen Menschen, die sich vorstellen können, in der Branche durchzustarten?

Marco ten Hagen: Es kommt immer darauf an, was man erreichen möchte. Viele wissen nach der Schule ja gar nicht, was sie in Zukunft machen wollen. Wer sich beispielsweise selbständig machen möchte, könnte sich mit dem Meister befassen. Generell ist der Service-Techniker nach der Ausbildung in meinen Augen eine gute Sache. Den kann man schnell schaffen. Wichtig ist es, sich früh dazu entschließen, was man machen will. Je früher man das weiß, desto besser.

Christian Cloppenburg: Verschiedene Wege können zum Ziel führen. Ich für meinen Teil mache Dinge gerne einfach, anstatt lange darüber nachzudenken. Für mich war der Weg über Abitur und Studium nie eine Option, da in einer digitalen Welt Wissen überall vorhanden ist. Man kann sich viele Skills selbst aneignen. Der Schlüssel ist in meinen Augen immer die Kommunikation. Unsere Community stellt uns oft die Frage, was sie machen können und wie sie sich weiterbilden sollen. Ich versuche immer zu motivieren, da der Weg in der KFZ-Branche oft nicht leicht ist und vielen auch das Selbstvertrauen fehlt.

Aktuell in der Coronazeit können wir alle feststellen, wie Homeoffice und Co. den Verkehr reduzieren. Darüber hinaus sehen auch immer mehr junge Erwachsene das Auto eher als Last denn als eine Form freier Mobilität.

Christian Cloppenburg

Könnt ihr kurz skizzieren, wie euer Werdegang bisher verlaufen ist?

Christian Cloppenburg: Ich habe mit 15 meinen Hauptschulabschluss gemacht. Direkt danach habe ich eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker begonnen und diese mit 19 erfolgreich abgeschlossen. Bis ich 24 Jahre alt war, habe ich dann als Geselle im Pannendienst gearbeitet. Mit 25 habe ich den Service-Techniker und den Meister draufgesetzt. Danach habe ich zwei Jahre als Werkstatt- und Serviceleiter in einem Autohaus gearbeitet. Im vergangenen Jahr habe ich es dann gewagt, mich komplett neu zu orientieren. Jetzt arbeite ich als Produktmanager bei einem Hersteller von Hochvoltstecksystemen für Elektrofahrzeuge.

Marco ten Hagen: Nach meinem Fachabitur habe ich mit 20 meine Lehre bei einem Oldtimer-Betrieb begonnen. 2016 habe ich den Servicetechniker und dann den Meister absolviert. Danach war ich für zweieinhalb Jahre Werkstattleiter in einem Reifenfachbetrieb. Und jetzt bin ich wieder in Oldtimerwerkstatt und arbeite hauptsächlich an alten 911ern.

„Ich denke, dass das Auto bald Luxus werden wird“

Große Diskussionen gibt es auch um die Zukunft der Mobilität generell. Beispielsweise werden Elektroautos aktuell stark gefördert. Setzen sie sich mehr und mehr durch, dürfte das das Werkstattgeschäft unter Druck bringen. Macht ihr euch Sorgen um eure Branche?

Christian Cloppenburg: Ja, zumindest wird das Geschäft anders. Das hat aber weniger mit der E-Mobilität zu tun, sondern eher mit der generellen Einstellung zum Auto. Carsharing und Auto-Abos werden immer beliebter. Deshalb hoffe ich, dass unsere Werkstätten und unsere Industrie diesen Zug der Digitalisierung nicht verpasst. Vor allem sollten „Schrauber“ sich weiterbilden.

Marco ten Hagen: Der Druck steigt. Vieles ist politisch motiviert. Für die Zukunft glaube ich, dass Hybride die sinnvollste Alternative sein werden. Ich finde aber auch, man sollte seine alten Autos in Schuss halten. Denn die tragen zumindest keinen neuen CO2-Rucksack aus der Produktion mehr mit sich herum.

Wie seht ihr persönlich die Zukunft der Mobilität? Werden Auto, Motorrad und Co. mehr und mehr an den Rand gedrängt?

Christian Cloppenburg: So schwer mir es fällt, das zu sagen, aber über kurz oder lang wird es wohl so kommen. Aktuell in der Coronazeit können wir alle feststellen, wie Homeoffice und Co. den Verkehr reduzieren. Darüber hinaus sehen auch immer mehr junge Erwachsene das Auto eher als Last denn als eine Form freier Mobilität. Ich denke, dass das Auto bald Luxus werden wird.

Marco ten Hagen: Neuwagen werden immer teurer. Die Qualität steigt dabei aber nicht unbedingt. Ich glaube nicht, dass man ein neues Auto noch 20 oder 30 Jahre fahren wird. Man least kurz und gibt es dann wieder zurück. Und was damit passiert, interessiert niemanden mehr. Meiner Meinung nach ist das kein schöner Trend.

Warum kann es sich für junge Menschen trotzdem lohnen, Kfzler zu werden?

Marco ten Hagen: Der Kfz-Mechatroniker ist der Allrounder unter den Handwerkern. Man bildet sich nicht nur im beruflichen Umfeld, sondern man kann vieles auch für sein privates Leben gebrauchen. Und es stehen einem viele Wege offen. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn man sein eigenes Auto nicht reparieren kann.

Christian Cloppenburg: Man lernt in der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker sehr viele Dinge über Elektronik, Pneumatik, Hydraulik und Co. Wenn man sich dann noch weiterbildet, wird man zur eierlegenden Wollmilchsau. Und das suchen alle Firmen. Ich bin jetzt mit nicht einmal 30 Jahren Produktmanager in der Industrie. Das hätte ich auch nicht gedacht, als ich mit 15 meine Lehre begonnen habe. Und ich kann bei jedem Thema mitreden, weil ich von allem schon mal etwas gehört habe.

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