Fahrerassistenzsysteme

Automobil-Netzwerk-Architekturen der nächsten Generation

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Wo sonst innerhalb eines Autos kann 1000BASE-T1 eingesetzt werden?

Ein weiteres Einsatzgebiet ist ganz klar der Infotainment-Bereich. Hier dominierte bisher MOST (Media Oriented Systems Transport) als dedizierte High-Speed-Multimedia-Netzwerktechnologie. Der MOST-Bus, der auf einer Ringtopologie basiert, nutzt eine synchrone Datenkommunikation, um Audio-, Video- und Sprachsignale zu transportieren. Mit Gigabit Ethernet können wir jetzt noch mehr Streams unterstützen - mit einer höheren Datenrate und einer höheren Auflösung.

Gigabit Ethernet ermöglicht Automobilarchitekten außerdem eine höhere Flexibilität in Bezug auf das Design. IP-basierte Videos können überall im Netzwerk verbreitet werden und die Videoauflösung ist von der Transportschicht unabhängig. Außerdem können geschaltete Architekturen mehrere Konfigurationen unterstützen. Plattformen lassen sich aus verschiedenen Modulkombinationen realisieren und auch die Software-Flash-Zeit lässt sich aufgrund der höheren Bandbreite reduzieren.

Nur ein Beispiel: Während in Autos in Nordamerika vor allem die Front-Displays mit Informationsmaterial bespielt werden, bevorzugen Kunden in China Displays auf dem Rücksitz. Mit der neuen Lösungen können Entwickler die Informationen zu einem beliebigen hochauflösenden Display dirigieren, egal wo es verbaut ist.

Kurz gesagt: Ethernet vereinfacht die Architektur und erlaubt den Entwicklern den Einsatz von nur noch einem einzigen Ethernet-Connectivity-Switch. Dadurch werden die derzeit noch in jedem Videogerät benötigten proprietären SoCs überflüssig.

Wann werden die Gigabit Ethernet Chips verfügbar sein?

Marvell liefert bereits seit Oktober 2015 Muster von Gigabit Ethernet Chips, die auf dem Entwurf der IEEE 1000BASE-T1 Spezifikation basieren, an Automobil-OEMs und Tier-1-Hersteller aus. Wir wollen Architekten die Möglichkeit geben, die Leistung von Gigabit Ethernet evaluieren zu können und sie so ernsthaft zum Nachdenken bringen, wo und wie sie diese Lösung einsetzen. Da der Standard aber noch nicht fertiggestellt ist, kann die Serienfertigung noch nicht beginnen. Gibt es dann einen einheitlichen Standard, wird es noch 12 bis 15 Monate dauern, bis Halbleiter aus der Serienfertigung zur Verfügung stehen.

Die Automobilindustrie hat erst begonnen, sich mit dem Automotive Ethernet Standard zu befassen. Welche Trends sehen Sie in der Zukunft?

Die Zukunft wird noch viele neue Anwendungen für uns bereithalten. Nehmen Sie das Beispiel autonomer Fahrzeuge. Jeder spricht derzeit darüber, aber in der Realität sind selbstfahrende Autos in der Herstellung noch zu teuer. Grund dafür ist unter anderem, dass jedes Sensor-Subsystem - wie Laser, Lidar, Ultraschall und Vision - ein eigenes Computersystem für die Analyse der Daten hat. Angemessene Kosten durch die Entwicklung eines zentralisierten autonomen Systems zu erreichen, ist momentan so etwas wie der heilige Gral in der Automobilindustrie. Gigabit Ethernet wird eine kritische Rolle für die Aggregation der Body-Elektronik bei ADAS und autonomen Autos der nächsten Generation spielen.

Strategisch betrachtet ist Marvell derzeit in einer guten Position, um diese Trends und Technologien aktiv voranzutreiben. Ist dies auch auf das kürzlich eröffnete neue Technologie-Entwicklungszentrum in Ettlingen zurückzuführen?

Definitiv. Durch die bedeutenden technologischen Fortschritte in den letzten Jahren wollten wir sicherstellen, dass unseren Kunden die neuesten Automobiltechnologien zur Verfügung stehen. Deutschland ist ein wichtiges Epizentrum für die Weiterentwicklung von Automobilelektronik. Mit Sitz in Ettlingen ist das Marvell Automotive Center of Excellence (ACE) zentral und in der Nähe der großen OEMs und Tier-1-Kunden gelegen - in einigen Fällen sind sie sogar nur eine Stunde Fahrzeit entfernt.

Es ist unser erstes derartiges Entwicklungszentrum für Automotive-Netzwerktechnologie. Und es bietet uns die Chance, sehr eng mit unseren Kunden und Partnern bei der Weiterentwicklung der Automobiltechnologie zusammenzuarbeiten – sowohl lokal als auch international. Ein Design-Team von ungefähr 50 Ingenieuren konzentriert sich dort voll und ganz auf die Entwicklung von (Gigabit) Ethernet Switches, Endknoten SoCs (eSoCs), Gateways und der dazugehörigen Software. So haben unsere Kunden einen direkten Zugang zu unseren Teams, können an Kundenschulungen teilnehmen und unsere umfassende Unterstützung für neue Technologien in Anspruch nehmen. Damit sind wir – und unsere Kunden – bestens für kommende Herausforderungen gerüstet.

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