Hommage an die 30er 12.000 km im Jahr – ohne zu tanken

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

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Es klingt wie Science-Fiction: ein Auto, das sich selbst mit Energie versorgt. Kein Tankstopp, keine Ladesäule, kein Kabel. Einfach fahren – und die Sonne erledigt den Rest. Doch Mercedes-Benz will genau dieses Szenario greifbar machen. Mit dem Vision Iconic präsentiert die Marke ein Konzeptfahrzeug, das die Grenzen zwischen Luxus, Design und nachhaltiger Energiegewinnung neu definiert.

Mercedes-Benz Vision Iconic: Ein Meisterwerk für eine neue ikonische Ära.(Bild:  Mercedes-Benz AG)
Mercedes-Benz Vision Iconic: Ein Meisterwerk für eine neue ikonische Ära.
(Bild: Mercedes-Benz AG)

Das Showcar ist mehr als ein Blick in die Zukunft – es ist ein Statement. Eine Vision davon, wie sich klassische Formensprache, modernste Technik und eine fast poetische Idee von Unabhängigkeit verbinden lassen.

Ein Rückblick nach vorn

Beim ersten Anblick wirkt der Vision Iconic wie ein Zeitreisender. Die geschwungene Silhouette erinnert an die großen Mercedes-Tourenwagen der 1930er Jahre, die langen Motorhauben an die Nachkriegsära, und doch ist alles anders: die Linien klarer, die Flächen glatter, die Übergänge fließend wie bei einer Skulptur. Chefdesigner Gorden Wagener nennt das Konzept „eine Hommage an unsere Geschichte – und ein Aufbruch in eine neue, ikonische Ära.“ Chrom und Messing treffen auf Photovoltaik und KI. Was früher glänzte, leuchtet heute intelligent.

Energie aus der Sonne – der PV-Lack

Der Clou des Vision Iconic ist sein PV-Lack. Auf einer Fläche von rund elf Quadratmetern ist die Karosserie mit einer hauchdünnen Photovoltaikschicht überzogen. Die Zellen sind in den Lack integriert und gewinnen Sonnenenergie. Ganz ohne sichtbare Module. Unter idealen Bedingungen, so Mercedes, liefert diese Oberfläche genügend Strom für bis zu 12.000 Kilometer pro Jahr. Damit würde ein Durchschnittsfahrer komplett ohne externe Energiequelle auskommen. Der PV-Lack arbeitet ohne Silizium oder Seltene Erden. Sein Wirkungsgrad liegt bei rund 20 Prozent. Die Beschichtung ist recycelbar und folgt einem Kreislaufgedanken, der in der Automobilbranche Seltenheitswert hat.

Natürlich bleibt es ein theoretischer Idealwert. Also abhängig von Sonnenstunden, Standort und Witterung. Doch schon die Vorstellung, dass ein Fahrzeug aus dem Sonnenlicht seine Reichweite verlängert, verändert das Verhältnis von Bewegung und Energie grundlegend.

Eine Lounge statt eines Cockpits

Wer einsteigt, merkt sofort: Dieses Auto will kein Fortbewegungsmittel sein. Es will Raum sein. Der Innenraum wirkt wie ein Salon aus einer anderen Zeit. Samt in tiefem Blau, Messingakzente, Strohintarsien im Boden. Materialien, die an Haute Couture erinnern, nicht an Automobilbau.

Das Lenkrad verschwindet im Ruhemodus. Dank Steer-by-Wire ist keine mechanische Verbindung mehr nötig. Wenn das Auto im Level-4-Autonomiebetrieb fährt, verwandelt sich der Innenraum in eine Lounge. Fahrer und Passagiere können lesen, arbeiten oder einfach die Fahrt genießen, während das Fahrzeug denkt.

Neuromorphes Computing

Die Intelligenz des Vision Iconic steckt in einer neuen Art von Rechnerarchitektur: neuromorphes Computing.

Diese Technologie imitiert die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Statt Millionen Rechenoperationen pro Sekunde nutzt sie synapsenähnliche Strukturen, die Informationen verknüpfen. Der Vorteil: Bis zu 90 Prozent weniger Energieverbrauch bei höherer Lernfähigkeit. Für ein autonomes Fahrzeug, das permanent Umgebung, Daten und Verkehrssituationen analysieren muss, ist das entscheidend. Effizienz wird hier nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Denken neu definiert.

Luxus trifft Nachhaltigkeit

Während viele Autohersteller Nachhaltigkeit als technisches Ziel betrachten, begreift Mercedes sie als Teil des Luxusbegriffs. Recycelbare Stoffe, lokale Materialien, intelligente Energiegewinnung. Parallel zum Fahrzeug entstand sogar eine Capsule Collection aus sechs Outfits, die die Farbwelt und Atmosphäre des Vision Iconic aufgreifen. Damit verschmilzt Automobilkunst mit Mode, Architektur und Lifestyle zu einem Gesamtkonzept.

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Die Vision hinter der Vision

Natürlich bleibt der Vision Iconic ein Konzept. Ein Zukunftsbild, kein Serienfahrzeug. Aber sein Ansatz stellt Fragen, die weit über Design hinausgehen. Wenn ein Auto seinen Strom selbst erzeugen kann, brauchen wir dann überhaupt noch Tankstellen? Wie verändert sich Mobilität, wenn Energiegewinnung Teil des Designs wird? Und: Wie weit sind wir wirklich von einer emissionsfreien, autarken Fortbewegung entfernt?

Mercedes liefert keine endgültigen Antworten. Aber das Unternehmen zeigt, dass Luxus und Effizienz, Nostalgie und Fortschritt, Ästhetik und Technik keine Gegensätze mehr sind.

Fazit: Der Traum vom Fahren ohne Stecker

Der Vision Iconic ist kein Auto für die Straße. Er ist ein Gedankenexperiment in Chrom und Licht. Er verkörpert die Idee, dass Mobilität nicht nur sauberer, sondern intelligenter werden kann. Ein Fahrzeug, das nicht nur fährt, sondern mitdenkt und mitarbeitet. Die 12.000 Kilometer im Jahr „gratis ohne zu tanken“ sind vielleicht noch Zukunftsmusik. Aber sie klingen schon erstaunlich real. (mr)

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