Bundesverkehrsminister Wissing zu Elektromobilität: Deutsche sollen „das Zweifeln aufgeben“

Bundesverkehrsminister Volker Wissing will den Umstieg von Autos mit Verbrennungsmotor hin zu E-Fahrzeugen beschleunigen. Dabei sieht er sowohl die Politik, als auch die Industrie in der Pflicht – ein wenig aber auch die Bürger.

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Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) setzt auf Elektromobilität.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) setzt auf Elektromobilität.
(Bild: a. o. Bundesparteitag 2021 / Freie Demokraten / CC BY-ND 2.0)

Wofür steht der neue Verkehrsminister Volker Wissing? Erste Interviews des FDP-Politikers nach den abgeschlossenen Verhandlungen der Ampel-Koalition hatten für Wirbel gesorgt. Beispielsweise hatte Wissing der „Bild“ gesagt: „Die FDP wird dafür Sorge tragen, dass höhere Energiesteuern auf Dieselkraftstoffe durch geringere Kfz-Steuern ausgeglichen werden.“ Vor allem bei den Grünen kam das nicht gut an.

Im Gespräch mit dem „ARD Morgenmagazin“ machte der Verkehrsminister nun deutlich, dass er mit seiner Politik kein Festhalten an Autos mit fossilen Verbrennungsmotoren anstrebe. „Wir können keine Parallelstrategie fahren“, erklärte Wissing. Stattdessen brauche es ein klares industriepolitisches Signal. „Die Diskussionen, welcher Antrieb der richtige für die Zukunft ist, führen zu keiner Lösung, wenn sie in einer Dauerschleife hängen“, mahnte der Verkehrsminister. Auf europäischer Ebene sei die Entscheidung gefallen, aus dem Geschäft mit fossilen Verbrennern aus- und in die E-Mobilität einzusteigen. Jetzt gehe es darum, dies umzusetzen und schnell zu handeln.

Sein Ziel sei es, den Umstieg auf die Elektromobilität so schnell wie möglich zu schaffen, so Wissing. „Ich kann alle Bürgerinnen und Bürger nur dazu einladen, das Zweifeln aufzugeben und diesen Weg gemeinsam zu gehen. Wir brauchen Klimaschutz, das sind unsere natürlichen Lebensgrundlagen.“

„Elektromobilität mit zu hohen Strompreisen – das passt nicht zusammen“

Klar sei dabei: „Mobilität muss für jede und jeden bezahlbar und verfügbar sein.“ Um das sicherzustellen, sprach sich Wissing dafür aus, die EEG-Umlage abzuschaffen, damit Strom nicht unbezahlbar werde. „Denn Elektromobilität mit zu hohen Strompreisen – das passt nicht zusammen“, sagte der 51-Jährige. Der Umstieg auf ein E-Auto sei dennoch schon jetzt der bessere Weg.

Der Frage, wie die Regierung dafür sorgen wolle, dass auch genügend grüner Strom für Elektroautos zur Verfügung stehe, wich Wissing allerdings aus. Klar ist für ihn allerdings: Die Ladeinfrastruktur muss zügig ausgebaut werden. „Das Laden muss einfach sein, es muss überall verfügbar sein. Und deshalb brauchen wir eine Ladeinfrastruktur, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird. Das ist das Wichtigste und daran arbeiten wir.“

Bisher gebe es etwa 7.500 Schnellladepunkte und 43.000 AC-Ladepunkte in Deutschland. „Das reicht noch nicht. Wir müssen richtig Gas geben“, so Wissing. Die neue Bundesregierung wolle nun eine Strategie aufsetzen, die den vereinbarten Zielen im Koalitionsvertrag gerecht werde. 15 Millionen E-Autos und eine Million öffentliche Lademöglichkeiten bis 2030 hat sich die Ampel vorgenommen. „Wir müssen kräftig ausbauen. Das muss schneller gehen“, sagte der Bundesverkehrsminister.

„Jeder ist in der Verantwortung“

Auch die Industrie sieht Wissing dabei aber in der Pflicht. Man müsse gemeinsam die Attraktivität der Elektromobilität erhöhen. Das sei auch für den Klimaschutz notwendig. „Der Heimatmarkt muss dabei Vorreitermarkt sein“, forderte der FDP-Politiker. „Wir müssen das gemeinsam hinbekommen. Jeder ist in der Verantwortung.“

Um den Zustand der Ladeinfrastruktur in Deutschland war zuletzt viel diskutiert worden. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) forderte etwa kürzlich, dass es wöchentlich etwa 2.000 neue Ladesäulen hierzulande brauche, statt wie aktuell nur rund 200. Doch es gibt auch andere Stimmen. So mahnte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft etwa vor Kurzem (BDEW): „Wie viele öffentliche Ladepunkte wir im Jahr 2030 tatsächlich brauchen, kann heute kaum verlässlich beziffert werden.“

BDEW-Geschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte, man solle die Infrastrukturziele deshalb besser dynamisch fassen. „Es bringt schließlich nichts, Deutschland mit einer Million öffentlicher Ladepunkte zuzupflastern, wenn die Menschen ohnehin meist in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz laden möchten. Und genau dieser Trend ist absehbar“, sagte sie. Hinzu komme, dass die heute schon vorhandene öffentliche Ladeinfrastruktur derzeit noch nicht einmal voll ausgelastet sei.

Volker Wissing betonte im Gespräch mit dem ARD Morgenmagazin noch, dass er seine Verkehrspolitik nicht allein am Auto ausrichten wolle. „Wir werden auch kräftig Radwege, Schienenwege und ÖPNV ausbauen. Überall dort, wo man ein ÖPNV-Angebot hat, ist es komfortabel, klimafreundlich und sinnvoll. Da müssen wir auch mehr tun“, so der 51-Jährige. Dennoch bleibe das Auto wichtig. „Wir werden es auch in Zukunft brauchen. Individuelle Mobilität ist vor allen in ländlichen Räumen unverzichtbar“, erklärte Wissing.

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