Elektroautobauer Nio „Wir wollen eine User-Enterprise werden“

Autor: Andreas Wehner

Das chinesische Start-up Nio will das zementierte Hersteller-Kunde-Verhältnis aufweichen, das in der Autoindustrie dominiert. Die Kunden heißen „User“ und sind automatisch Mitglied einer Community, die bei der Entwicklung der Marke mitreden kann. Dabei ist das Auto nicht das einzige Produkt, wie Nio-Europachef Hui Zhang im Gespräch erläutert.

Firmen zum Thema

Hui Zhang ist für das europäische Geschäft bei Nio verantwortlich.
Hui Zhang ist für das europäische Geschäft bei Nio verantwortlich.
(Bild: Nio)

2022 sollen die ersten Fahrzeuge des chinesischen Elektroauto-Start-ups Nio auf den deutschen Straßen rollen. Schon diesen Herbst geht das Unternehmen in Norwegen an den Markt. Beim Vertrieb setzt das Unternehmen nicht auf klassische Autohäuser. Stattdessen sollen die Käufer die Fahrzeuge neben einigen wenigen Standorten vor allem online über eine App bestellen.

Doch die App soll nicht einfach nur ein Vertriebsinstrument sein. Stattdessen will Nio das klassische Hersteller-Kunde-Verhältnis aufbrechen. „Wir wollen eine User-Enterprise werden“, sagt Hui Zhang, Vice President Nio Europe. Mit der Nio-App als Herzstück einer Community will das Unternehmen Menschen ansprechen, die sich einbringen wollen.

Und in China funktioniert das offenbar gut. Dort sind die Modelle des Autobauers bereits seit 2018 erhältlich. Die App hat dort 200.000 aktive User. „Das sind doppelt so viele, wie wir Autos abgesetzt haben“, erläutert Zhang. Dabei vernetzt sich die Community nicht nur digital. So findet einmal im Jahr findet der „Nio-Day“ statt, wo sich die User treffen. In einer Abstimmung entscheiden sie, wo der Nio-Day stattfindet und organisieren ihn auch. Bei Nio-Day 2020, der in der südwestchinesischen 15-Millionen-Metropole Chengdu stattfand, beteiligten sich laut Nio 260 User an der Planung und Organisation der Veranstaltung, während andere in Chengdu freiwillig User und Gäste aus dem ganzen Land am Flughafen und den Bahnhöfen abholten. Sogar eine von Usern gebildete Nio-Band spielte.

User arbeiten in Showrooms und auf Messen

Daneben gibt es den „Nio-Summer“. Mit Unterstützung von Nio veranstalten die User Events. „Das kann ein Open-Air-Kino sein, gemeinsame Ausflüge, ein Barbecue und andere ähnliche Aktivitäten“, erzählt Zhang. „Zudem haben wir besonders begeisterte User, die am Wochenende freiwillig in unseren Showrooms oder auf Automessen als Berater arbeiten.“

Ob die Begeisterung für die Marke in Europa auch so weit geht, muss sich zeigen. Für Norwegen hat Nio allerdings bereits ein sogenanntes „User Advisory Board“ angekündigt. Es soll einem bestimmten Kreis von Nutzern die Möglichkeit bieten, zur künftigen Entwicklung der Marke in Europa beizutragen und aktiv Ideen zu neuen Angeboten oder zu neuen Services beizusteuern. „Wir wollen die Mitglieder aus der ganzen Gesellschaft rekrutieren – unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialer Schicht“, sagt Zhang.

Es gibt auch Nio-Kaffee

Zudem setzt Nio neben den Fahrzeuge stark auf Merchandising. Daher hat das Unternehmen mit „Nio-Life“ eine eigene Lifestyle-Marke etabliert, die verschiedene Produkte anbietet „Das geht vom klassischen Auto-Merchandise, wie es andere Hersteller auch anbieten, bis hin zu beispielsweise Kaffeebohnen“, erklärt Zhang. Mehr als drei Millionen Artikel hat Nio nach eigenen Angaben bereits verkauft. Damit ist Nio-Life nicht nur ein wesentlicher Teil des Geschäfts, sondern trägt vor allem zur Markenbindung bei.

(ID:47502862)

Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur Newsdesk Automotive