Studie Wie viele Passagiere Flugtaxis pro Tag brauchen, um relevant zu werden

Autor Christoph Seyerlein

Werden Flugtaxis wirklich das nächste große Ding? Eine Studie der Unternehmensberatung Porsche Consulting bescheinigt der Branche zumindest das Potenzial, zu einer „lukrativen Nische“ zu werden. Was das in Zahlen bedeutet.

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In wenigen Jahren werden die ersten kommerziellen Flugtaxi-Dienste erwartet.
In wenigen Jahren werden die ersten kommerziellen Flugtaxi-Dienste erwartet.
(Bild: Italdesign)

In wenigen Jahren sollen Flugtaxis so richtig durchstarten. Firmen wie Volocopter oder Lilium arbeiten fieberhaft daran. Bei Investoren kommt das an. Zuletzt ist immer mehr Geld in den Bereich geflossen, Schätzungen zufolge sind es inzwischen um die 5,5 Milliarden Dollar. Die größte Summe hat bislang Joby mit schätzungsweise 1,6 Milliarden Dollar eingesammelt. Lilium liegt mit gut 1,2 Milliarden Dollar auf Platz zwei, Volocopter mit 335 Millionen Dollar hinter Archer (1,1 Milliarden) auf Rang vier.

Die Hoffnungen der Firmen und ihrer Geldgeber scheinen nicht unberechtigt: Die Unternehmensberatung Porsche Consulting rechnet damit, dass etwa 2025 die ersten kommerziellen Flugtaxi-Dienste an den Start gehen können.

In einer entsprechenden Studie bescheinigen die Autoren vertikalen Fluggeräten „durchaus das Potenzial, sich in den kommenden 15 Jahren zu einem attraktiven Fortbewegungsmittel zu entwickeln“. Der Flugtaxi-Markt werde bis 2035 wohl rund 32 Milliarden Dollar schwer sein. Allerdings gebe es auf dem Weg dorthin auch noch erhebliche Risiken.

Da wären beispielsweise die Investitionen, die Unternehmen aufbringen müssen, um in jenem Umfeld mitspielen zu können. Damit sich der Markt überhaupt wie prognostiziert entwickeln kann, müssen die interessierten Firmen nach Annahme der Porsche Consulting im Vorfeld mindestens 20 Milliarden Dollar in die Hand nehmen. Alleine fünf bis zehn Milliarden davon fließen in die Entwicklung. Studienautor Gregor Grandl kommentiert: „Damit Lufttaxis für alle Realität werden, braucht es allerdings mutige Pioniere mit Verantwortungsbewusstsein, langem Atem und tiefen Taschen.“ Das hat nicht jeder: Mit Uber ist beispielsweise ein bekannter Name unlängst aus dem Geschäft ausgestiegen.

2035 bräuchte es eine halbe Million Passagiere – am Tag

Die Investitionen scheinen vor allem deshalb gewagt, da aus heutiger Sicht noch unklar ist, ob in den kommenden Jahren die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen und eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Um relevant zu werden, müssten laut den Studienautoren im Jahr 2035 mindestens eine halbe Million Passagiere pro Tag ein Flugtaxi nutzen.

Dafür bräuchte es wiederum zwischen 1.000 und 2.500 Start- und Landeplätzen in bis zu 60 Städten. Bereits fest geplant ist der Einsatz von Lufttaxis bislang in sechs Städten (Dallas, Dubai, Guangzhou, Los Angeles, Melbourne und Singapur). Zu den potenziellen deutschen Märkten zählt Porsche Consulting Berlin, Frankfurt, Hamburg und München.

Eine weitere Hürde auf dem Weg dorthin stellt allerdings die gesellschaftliche Akzeptanz dar. In Umfragen in der jüngeren Vergangenheit, beispielsweise vom Verband Unbemannte Luftfahrt, erklärte rund jeder vierte Deutsche seine Bereitschaft, in ein Flugtaxi zu steigen. Kein schlechter Wert, doch zeigt er eben auch eine noch große Skepsis in der Bevölkerung.

Bei Porsche Consulting ist man sich sicher, dass Lufttaxis dann eine Chance haben, wenn sie bequem, sicher, zuverlässig sowie preislich attraktiv sind. Mit preislich attraktiv meinen die Autoren, dass ein Flug in etwa so teuer wie eine vergleichbare Taxifahrt werden müsse. „Das Bedürfnis nach Mobilität ist so alt wie der Traum vom Fliegen. Lufttaxis werden nur Erfolg haben, wenn sie alle diese Kriterien erfüllen und in das bestehende Verkehrsnetz eingebunden sind“, sagt Federico Magno, Geschäftsführer des Bereichs Mobility bei der Unternehmensberatung.

Die Mobilität der Zukunft braucht weitere Ideen und Konzepte.

Federico Magno, Porsche Consulting

Insgesamt erwarten die Studienautoren, dass sich vertikale Mobilität zu einer „lukrativen Nische“ entwickeln kann. Den ganz großen Boom erwartet die Porsche Consulting in absehbarer Zeit aber nicht. Den Anteil von Flugtaxis am globalen Mobilitätsmarkt im Jahr 2035 schätzt die Unternehmensberatung auf 0,3 Prozent. Daraus schließen die Autoren: Die aktuellen und künftigen Verkehrsprobleme werden auch Lufttaxis kaum lösen. Oder wie es Federico Magno formuliert: „Die Mobilität der Zukunft braucht weitere Ideen und Konzepte.“

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