Mobilität Wie Stadtwerke von der Verkehrswende profitieren wollen

Autor: Christoph Seyerlein

Von vielen kaum beobachtet mischen Stadtwerke bei einer Verkehrswende oft stark mit. Gerade das Geschäft mit Ladeinfrastruktur für Elektroautos ist für die Unternehmen interessant. Wie gut das bereits funktioniert und was sich mancher Versorger für die Zukunft vorstellen kann.

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In Städten werden Ladesäulen oft von den örtlichen Stadtwerken betrieben.
In Städten werden Ladesäulen oft von den örtlichen Stadtwerken betrieben.
(Bild: SWM/Steffen Leiprecht)

Im Schatten von Automobilkonzernen, Start-ups und Co. spielen Stadtwerke bei der Verkehrswende eine bedeutende Rolle. Beispiel Ladeinfrastruktur für Elektroautos: In großen Städten haben die örtlichen Energieanbieter dabei teils eine Monopolstellung. In Hannover etwa gehören 96 Prozent aller öffentlichen Punkte der städtischen Enercity AG, in München haben die örtlichen Stadtwerke einen Marktanteil von 88 Prozent, die öffentlichen Versorger in Kiel kommen auf 84 Prozent. Ähnlich sehen die Zahlen auch in anderen Großstädten aus. In Hamburg liegt der Anteil des Marktführers bei 87 Prozent, in Köln bei 71 Prozent und in Berlin bei 65 Prozent.

Mit Blick auf mögliche Preisdiktate ist das manchen ein Dorn in Auge. Für die Stadtwerke selbst dürfte das Geschäftsfeld mit dem weiteren Ausbau der Elektromobilität allerdings immer wichtiger werden. Noch hat das Thema für die meisten laut der „Stadtwerkestudie 2021“ noch keine besonders hohe Priorität. Für die Auswertung haben das Beratungsunternehmen EY und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) 100 Stadtwerke deutschlandweit befragt.

In den Prioritätenlisten dürfte die Elektromobilität bei vielen aber schnell nach oben klettern. Denn danach befragt, welche Geschäftsfelder mit Kommunen am meisten Potenzial mitbringen, nannten drei Viertel (75 %) die E-Mobilität. Getoppt wurde das nur noch von Geschäften mit Straßenbeleuchtung (77 %). Dabei denken viele Stadtwerke allerdings an smarte Leuchten, die beispielsweise auch als Ladesäulen für E-Autos dienen könnten. Die Themenkomplexe überschneiden sich also teilweise.

Entscheidender Treiber ist aus Sicht der Stadtwerke dabei der politische Druck. Manches Unternehmen will aber nicht nur reagieren, sondern geht bereits in die Offensive. Beispielsweise betreibt NEW in Mönchengladbach bereits ein eigenes Sharing-Modell. Geld verdient der Anbieter damit noch nicht. Vorstand Frank Kindervatter betont aber: „Wir wollen nicht nur Ladeinfrastruktur anbieten, sondern mehr E-Mobility-Lösungen drum herum wie eine smarte Sharing-Plattform.“

Geschäft mit Ladesäulen entwickelt sich

Gesondert betrachtet, ist das Geschäft mit Ladesäulen aber bereits deutlich weiter fortgeschritten als andere Versuche. Kindervatter sagt: „Da können wir uns kaum vor Nachfrage retten.“ 40 Prozent aller Säulen seien nahezu profitabel. „So ein interessantes Geschäft nicht zu besetzen wäre ein großer Fehler. Schließlich sind das die Umsätze, die heute noch die Mineralölkonzerne machen“, wird Kindervatter in der Studie zitiert.

Ähnlich wie in anderen Branchen, zeichnet sich auch bei den Stadtwerken ein Trend hin zu Kooperationen ab. So sagt etwa Christian Arnold vom Oldenburger Versorger EWE: „Die Welt, in der ein Versorger 100 Prozent einer Infrastruktur besitzt, ist vorbei.“ Stattdessen entstünden heterogene Ökosysteme. „Im Endeffekt geht es bei der Verkehrswende um einen Wettkampf, neue große Industrie-konglomerate aufzubauen, und das kann keiner allein, das geht nur in Netzwerken“, so Arnold.

Ein eigenes Ladenetz ist dabei für EWE nur ein Zwischenschritt. Über die Säulen will das Unternehmen Zugang zu Daten erlangen, die völlig neue Geschäfte und Partnerschaften ermöglichen. Als aktuelles Beispiel nennt er 1.000 neue Ladestationen auf den Parkplätzen einer globalen Imbisskette, mit der die Stadtwerke auf Datenebene kooperiert.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility / Entwicklungsredakteur