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Wie die Bordnetzentwicklung dank Software effizienter wird

| Autor / Redakteur: Robert Plöckl * / Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Die manuelle Bordnetzentwicklung ist aufwendig und fehlerträchtig. Mit einer geeigneten Software lässt sie sich jedoch teilautomatisieren. So können sowohl Effizienz als auch Qualität gesteigert werden.

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Der ASAP Wire Architect: er ermöglicht Transfer von Daten und Kommunikation zwischen einzelnen Entwicklungstools.
Der ASAP Wire Architect: er ermöglicht Transfer von Daten und Kommunikation zwischen einzelnen Entwicklungstools.
(Bild: ASAP)

Die ASAP Gruppe, Entwicklungspartner der Automobilindustrie, hat eine Software entwickelt, welche die Bordnetzentwicklung zu großen Teilen automatisiert: der ASAP Wire Architect (AWA) ermöglicht den Transfer von Daten und die Kommunikation zwischen einzelnen Entwicklungstools wie EB-Cable, LDorado, CATIA, E³.cable oder Siemens NX. Die Fehlerquote, die sich durch die manuelle Übertragung der Daten ergibt, reduziert sich durch die Software erheblich, da AWA den Im- und Export von Daten sowie den Abgleich von Konstruktionszeichnungen und damit verbundene Änderungen in den Programmen automatisiert. Datensätze für Bordnetze können somit schneller und effizienter erstellt werden und sind zudem besser abgesichert.

Ein komplexes Bordnetz: Die Entwicklung lässt sich mit Softwareunterstützung deutlich beschleunigen.
Ein komplexes Bordnetz: Die Entwicklung lässt sich mit Softwareunterstützung deutlich beschleunigen.
(Bild: ASAP)

Eine Vielzahl an Varianten, neuen Funktionen und Technologien haben in den letzten zehn Jahren dazu geführt, dass bei einem Mittelklassewagen die durchschnittliche Anzahl von beispielsweise Steuergeräten um etwa 170%, Steckgehäusen um rund 90% oder Kontakten um circa 110% gestiegen ist. Über eine Million Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich so bei einem Neufahrzeug. Diese kontinuierlich steigende Variantenvielfalt trifft in der Bordnetzentwicklung auf die sogenannte manuelle Konstruktion: Elektrologik, 3D-Verlegung, die Zusammenführung zur 2D-Zeichnung sowie alle Änderungen in den jeweils zuständigen Programmen werden Stand heute manuell in Excel-Tabellen verwaltet. Um die Fehleranfälligkeit der manuellen Konstruktion zu umgehen und den Entwicklungsprozess effizienter zu gestalten hat ASAP die Software AWA entwickelt – sie sorgt für eine Teilautomatisierung der Bordnetzentwicklung.

Automatisierter Daten-Import und -Export sowie bidirektionale Kommunikation

In der Entwicklung eines neuen Bordnetzes ist AWA ab dem ersten Tag einsetzbar. Die Software macht die bisher übliche manuelle Verwaltung aller Daten in Excel-Tabellen überflüssig: AWA steht in Kommunikation mit den eingesetzten Entwicklungstools und automatisiert den Im- und Export aller Daten, den Vergleich von 2D-Zeichnungen sowie die anschließende Anpassung der Daten in allen Tools. Dank einer direkten Schnittstelle zu CATIA ist zudem die Arbeit mit den Daten in Echtzeit möglich. „Da keine Daten mehr händisch übertragen werden müssen, wird die Fehleranfälligkeit in der Bordnetz-Konstruktion stark reduziert“, erläutert , Robert Plöckl,Projektmanager Bordnetzentwicklung bei ASAP. „Dadurch geht mit dem Einsatz von AWA auch eine Steigerung der Datenqualität einher. Gleichzeitig haben wir durch die Teilautomatisierung die Bordnetzentwicklung erheblich beschleunigt.“

Betrachtet man beispielsweise die Zusammenführung von Elektrologik und 3D-Verlegung zur 2D-Zeichnung, so ergibt sich durch AWA eine enorme Zeitersparnis: statt zwei Wochen benötigen ASAP-Experten hierfür dank der Software lediglich zwei Tage. Deutlich wird die Zeitersparnis auch etwa beim Anlegen eines Steckers in der 3D-Verlegung: AWA legt automatisiert 100 neue Stecker innerhalb von 60 Sekunden an – bei der manuellen Konstruktion müsste eine Person für diese Aufgabe rund 17 Stunden Zeit aufwenden. Ist eine Person bei der manuellen Konstruktion regulär zwei Wochen mit dem Datenabgleich zwischen Elektrologik und 3D-Verlegung für einen kundenspezifischen Kabelbaum beschäftigt, stellt AWA Unterschiede innerhalb von Sekunden fest und importiert Änderungen direkt. Zusätzlich zur Zeitersparnis weist Plöckl auf einen weiteren Vorteil der Software hin: „AWA ist nicht an das in der Bordnetzentwicklung übliche V-Modell des Entwicklungsprozesses gebunden – stattdessen ist eine bidirektionale Kommunikation mit einzelnen Programmen jederzeit möglich“, erläutert Robert Plöckl. „Dadurch ändert die Software Daten zielgenau – und muss für eine Anpassung nicht zunächst alle Entwicklungstools in vorgegebener Reihenfolge durchlaufen.“

Herausforderung Autonomes Fahren: Software liefert konsistente Daten und ist individuell erweiterbar

Die Herausforderungen in der Bordnetzentwicklung steigen nicht nur durch die Vielzahl von Varianten und neuer Funktionen – mit dem Megatrend Autonomes Fahren ist eine weitere Komplexitätssteigerung absehbar: alle sicherheitsrelevanten Funktionen müssen in autonomen Fahrzeugen redundant abgesichert werden. Hinzu kommt, dass bei autonomen Fahrzeugen die Konsistenz der Daten ab Entwicklungsbeginn sichergestellt sein muss – eine Voraussetzung zur Erfüllung der Richtlinie ISO 26262. AWA ist darauf jedoch vorbereitet – die Software ist jederzeit um beliebige Module erweiterbar: ein Modul sorgt etwa für das automatisierte Einspielen von Daten über die Applikation PartExplorer direkt in CATIA und liefert damit die benötigten konsistenten Daten. ASAP stellt unter anderem ein weiteres Modul zur Robustheitsprüfung der Elektrologik zur Verfügung und arbeitet derzeit an einer Erweiterung von AWA durch automatisiertes Routing. „Durch die verschiedenen Module können wir AWA nicht nur individuell auf Kundenbedürfnisse zuschneiden, sondern sind auch hervorragend für künftige Herausforderungen in der Bordnetzentwicklung aufgestellt“, so Plöckl abschließend.

* Robert Plöckl ist Projektmanager Bordnetzentwicklung bei ASAP.

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Link: Zu ASAP

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