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Wie das E-Auto zum vollwertig nutzbaren Fahrzeug reift

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Auf der Tagung "Hybrid- & Elektrofahrzeuge" diskutieren Experten aus der Wissenschaft und Industrie den aktuellen Stand der Elektromobilität und wie die Zukunft der Stromer aussehen könnte.

„Batterien werden immer energiereicher und bieten in den kommenden Jahren Reichweiten an, die das E-Auto zum vollwertig nutzbaren Fahrzeug heranreifen lassen“, stellt Professor Markus Henke vom Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) in Aussicht.
„Batterien werden immer energiereicher und bieten in den kommenden Jahren Reichweiten an, die das E-Auto zum vollwertig nutzbaren Fahrzeug heranreifen lassen“, stellt Professor Markus Henke vom Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) in Aussicht.
(Bild: Hersteller)

Die Elektromobilität erlebt nach wie vor nur langsam einen Aufschwung. Im Herbst 2017 verfügten erstmals über zwei Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge über einen Elektroantrieb. Was zu tun ist, um dem E-Fahrzeug zum wirklichen Durchbruch zu verhelfen, betrachtet die Tagung „Hybrid- & Elektrofahrzeuge“. Unter den Referenten sind Experten aus Wissenschaft und Industrie, die die Zukunft der Elektromobilität aus verschiedensten Perspektiven analysieren – nicht nur technische, sondern auch organisatorische und finanzielle Aspekte. Mit dabei sind Vertreter von Automobilherstellern wie Volkswagen, Audi, BMW und Daimler, von Zuliefererunternehmen, und von Universitäten aus ganz Deutschland.

Zum Einstieg in das Symposium haben die 180 Teilnehmer bereits einen Blick auf die Fahrzeugbatterie der nächsten Generation geworfen. „Batterien werden immer energiereicher und bieten in den kommenden Jahren Reichweiten an, die das Elektroauto zum vollwertig nutzbaren Fahrzeug heranreifen lassen“, stellt Professor Dr. Markus Henke vom Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) der TU Braunschweig in Aussicht. Das NFF unterstützt das Mobilitätsnetzwerk ITS mobility bei der Organisation der Tagung.

Reichweiten bleiben aber grundsätzlich ein eigenes Thema der E-Mobilität. Professor Dr. Burghard Voß von der IAV GmbH gibt zu bedenken, dass die Batterie auch durch hohe Produktionskosten und die häufig kritisierte Umweltbilanz „ein begrenzender Faktor des E-Fahrzeuges“ ist. Noch, denn zumindest hinsichtlich der Produktionskosten habe sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan.

Die passende Antwort auf begrenzte Reichweiten liegt auf der Hand: Im privaten und öffentlichen Raum müssen ausreichend Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge geschaffen werden. Prof. Voß rät, auch bei der Frage der Ladekonzepte die Perspektive des Anwenders einzunehmen: Für Fahrer werde ein E-Fahrzeug in dem Moment attraktiv, in dem es zu günstigen Preisen verfügbar und im Alltag problemlos zu handhaben ist. Nicht nur Steckersysteme und Spannungslagen der Ladestationen müssen einheitlich ausfallen, sondern auch die Bezahlung des Stroms. „Ich sehe hier insbesondere die Kommunen in der Pflicht, da sie in den großen Städten vor der Herausforderung stehen, Lösungen für die Immissionsproblematik zu finden“, so Prof. Voß.

Auch der Faktor Zeit spielt für den Nutzer eine entscheidende Rolle. Denn ist erst einmal eine freie Ladesäule gefunden, so wird das Aufladen des Fahrzeuges immer länger dauern, als das Tanken von Flüssigkraftstoff. „Es ist wichtig, dass möglichst viele Nutzer mit 'zuhause' geladenem Fahrzeug unterwegs und nur echte Langstreckenfahrer an Schnelladestationen aktiv sind“, erklärt Prof. Henke. Möglichkeiten, Strom zu tanken, braucht es dementsprechend überall dort, wo Fahrzeuge für eine längere Zeit abgestellt werden. In Großstädten, in denen kein eigener Parkplatz vorhanden ist, muss über Ladepools oder Parkhausladen nachgedacht werden.

Noch ist also einiges zu tun, um das E-Auto zu einem vollwertig nutzbaren Fahrzeug zu machen. Prof. Henke erläutert, warum gerade Nutzfahrzeugflotten „erste echte Durchbrüche der Elektromobilität“ herbeiführen können: „Nutzfahrzeuge besitzen oft vorhersagbare Fahrprofile, z. B. beliefern kleine Nutzfahrzeuge jeden Tag Innenstädte auf sehr ähnlichen Routen mit begrenzt großen Fahrtlängen“ – optimale Bedingungen für die E-Mobilität, insbesondere, da die Fahrzeuge regelmäßig geladen werden können. Im Fernlastverkehr hingegen sieht Prof. Voß auf absehbare Zeit kein Einsatzgebiet für elektrifizierte Nutzfahrzeuge. Die Batterieleistungen reichen nicht aus und die Kosten für Spediteure fallen zu hoch aus. „Showcases einiger Automobilproduzenten sollten von daher eher als Visionen verstanden werden, als dass dahinter reale Umsetzungen geplant wären“, so Prof. Voß.

Technisch so das der allgemeine Grundtenor ist das E-Fahrzeug auf einem guten Weg, zum Verbrenner in Konkurrenz zu treten. Die Tagung „Hybrid- & Elektrofahrzeuge“ wird bereits zum 15. Mal von ITS mobility, dem Netzwerk für intelligente Mobilität in Norddeutschland, organisiert. Dem in Braunschweig ansässigen Cluster gehören mehr als 200 Mitgliedern an, darunter große Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen, KMUs, Verbände und Experten. „Unser Ziel ist es, die großen Mobilitätsthemen mit Experten aus Wissenschaft und Industrie zu diskutieren. Nur so ist eine ganzheitliche Betrachtung und Bewertung der aktuellen Trends möglich“, erklärt Florian Rehr, Geschäftsführer von ITS mobility.

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