Nachhaltigkeit Wie Audi seine Werke bis 2025 CO2-neutral bekommen will

Autor: Christoph Seyerlein

Noch deutlich bevor Audi zur reinen Elektro-Marke werden will, sollen die eigenen Produktionswerke bilanziell CO2-neutral sein. Am Beispiel Neckarsulm zeigt der Hersteller, wie das bis 2025 gelingen soll.

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In Neckarsulm setzt Audi auf dem Weg zur bilanziellen CO2-Neutralität auf vier Handelungsfelder: Dekarbonisierung, Wassernutzung, Ressourceneffizienz und Biodiversität.
In Neckarsulm setzt Audi auf dem Weg zur bilanziellen CO2-Neutralität auf vier Handelungsfelder: Dekarbonisierung, Wassernutzung, Ressourceneffizienz und Biodiversität.
(Bild: Audi)

Vor Kurzem hat Audi angekündigt, ab 2033 nur noch Elektroautos produzieren zu wollen, mit Ausnahme von China. Schon deutlich früher will der Ingolstädter Hersteller seine Produktionsstätten auf Nachhaltigkeit trimmen. Bis 2025 sollen die Werke bilanziell CO2-neutral sein.

Bereits gelungen ist das dem Automobilhersteller in Brüssel: Dort produziert Audi seit 2018 laut Zertifikat CO2-neutral. Im belgischen Werk setzen die Ingolstädter beispielsweise zu 100 Prozent auf Grünstrom, haben eine 107.000 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage installiert und nutzen Biogas für die Wärmeversorgung.

Vier Handlungsfelder im Fokus

Doch wie sieht es in den größeren Werken des Konzerns aus? Den Weg dorthin skizziert Audi nun am Beispiel seines Standorts Neckarsulm. Dort stehen vier Handlungsfelder auf dem Weg zur CO2-Neutralität im Fokus: Dekarbonisierung, Wassernutzung, Ressourceneffizienz und Biodiversität.

  • Dekarbonisierung: In den Böllinger Höfen am Standort Neckarsulm stellt Audi den elektrischen E-Tron GT bereits CO2-neutral her. Das dortige Blockheizkraftwerk bezieht Biogas. Der gesamte Standort wird bereits vollständig mit Grünstrom versorgt. Darüber hinaus setzt das Werk Neckarsulm auf eine Wiederverwendung von Aluminiumblech-Verschnitten. Dabei gehen die Teile an Lieferanten zurück, die diese dann für weitere Audi-Produkte wiederverwenden. Auch in Ingolstadt und Györ hat der Hersteller dieses System bereits etabliert und nach eigenen Angaben seit 2017 damit rund 525.000 Tonnen CO2 eingespart.
    ​In der Logistik setzt Audi in Neckarsulm wo möglich auf klimaneutralen Zugverkehr. Eingesetzte Lkw fahren mit CNG oder elektrisch. Dennoch reicht das nicht, um Emissionen komplett vermeiden zu können. Um das auszugleichen, erwirbt der Hersteller Carbon Credits aus zertifizierten Klimaschutzprojekten.
  • Wassernutzung: Auch hier will Audi ein Kreislaufsystem anwenden – und zwar zwischen dem Werk und der benachbarten Kläranlage. Aktuell wird erprobt, ob es möglich ist, das Wasser aus der Kläranlage mit Filteranlagen und Membranen aufzubereiten. Im Anschluss fließt das Wasser aus dem Betrieb wieder in die Anlage zurück. 2025 hofft Audi, dass der Kreislauf funktioniert. Dann könnte der Hersteller auf eine Wasserentnahme aus dem Neckar verzichten und den seinen Frischwasserbedarf vor Ort um 70 Prozent reduzieren.
  • Ressourceneffizienz: Audi setzt darauf, unnötige Kunststoffabfälle zu vermeiden. Beispielsweise lässt der Hersteller diese zu Granulat und anschließend zu Abfallsäcken verarbeiten. Bis zu 15 Tonnen Abfall soll das pro Jahr einsparen. Auch bei den Bauteilverpackungen will der Autobauer stärker auf Nachhaltigkeit achten. Einige Plastikabfälle bereitet Audi per 3D-Druck beispielsweise zu Schutzkappen auf.
    ​Um Material zu sparen, will der Hersteller künftig auch weniger Auto-Prototypen bauen. Stattdessen setzt Audi stärker auf Virtual Reality-Anwendungen. Beim E-Tron GT hat die VW-Tochter erstmals komplett auf physische Prototypen in der Planung verzichtet. Stattdessen wurden die Montageabläufe mittels Gebäudescans und Co. virtuell getestet und letztlich auch angewendet. Ein weiterer Vorteil dieses Vorgehens: Da standortübergreifend darauf zugegriffen werden kann, spart die Methodik manche Dienstreise.
  • Biodiversität: Fassadenbegrünungen, Feuchtbiotope und andere Projekte sollen helfen, am Standort Neckarsulm die Artenvielfalt zu erhalten und stärken. Seit 2014 haben beispielsweise mehrere Bienenvölker dort ihr Zuhause. Vor Ort gibt es neben Blumenwiesen auch Insektenhotels oder einen Schwalbenturm und Nistplätze für Mauersegler und Falken.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility