Mobilitätskonzepte Wasserbusse: Touristenattraktion oder Teil der Verkehrswende?

Autor: Svenja Gelowicz

Städte wie Düsseldorf oder Köln prüfen den Einsatz von Wasserbussen für den Nahverkehr. In anderen Ländern sind sie längst Teil des Angebots. Verkehrsplaner sehen großes Potenzial in dem Mobilitätskonzept. Worauf es dabei ankommt.

Wasserbus in Rotterdam. Sind solche Fahrzeuge auch ein Instrument für die Verkehrswende in manchen Städten hierzulande?
Wasserbus in Rotterdam. Sind solche Fahrzeuge auch ein Instrument für die Verkehrswende in manchen Städten hierzulande?
(Bild: Splashtours)

In Hamburg gehört die Fahrt mit der Fähre für viele zum täglichen Arbeitsweg. Mit der Linie 62 pendeln Beschäftigte beispielsweise vom Stadtteil Finkenwerder auf die andere Elbseite. Seit einiger Zeit können Hamburger sogar mit dem sogenannten „Hafencity Riverbus“, einem Schwimmbus, elbaufwärts durchs Wasser pflügen. Das Amphibienfahrzeug, das eindrucksvoll über eine Rampe ins Gewässer rauscht, um seine Fahrt als Schwimmbus fortzusetzen, begeistert in der Hansestadt vor allem Touristen.

Wasserbusse: Gutachten bescheinigt großes Potenzial

Doch Wasserbusse können mehr sein als nur eine Attraktion. Die Städte Düsseldorf und Köln beispielsweise haben Machbarkeitsstudien beauftragt. Aktuell untersuchen vier Planungsbüros die Möglichkeiten für ein Wasserbussystem auf dem Rhein – zwischen Köln, Leverkusen und Wesseling. Erste Ergebnisse bescheinigen der Mobilitätsform, häufig eine gute Alternative zum ÖPNV und auch gegenüber dem Pkw-Verkehr darzustellen. Zum Wasserbus-Kernnetz zählen die Planer das Rheinufer entlang der Kölner Innenstadt sowie der Stadtteile Riehl, Niehl, Mühlheim, Deutz, Porz sowie Leverkusen-Wiesdorf.

Irene Pohl vom Beratungsunternehmen Rebel begleitet die Analyse. „Erfolgreiche Beispiele für Wasserbusse lassen sich überall auf der Welt finden“, sagt die Expertin. „Interessant für Deutschland sind sicherlich die Wasserbus-Systeme in Rotterdam und Antwerpen sowie in London und Brisbane. Denn dort werden die Flüsse nicht als trennendes Element für städtische Mobilität wahrgenommen, sondern als Chance die Städte attraktiver zu machen durch eine Ergänzung des landseitigen Angebots.“

Antriebsfrage: Elektroschiffe sind günstiger im Betrieb

In ihrem Zwischenbericht, den die Verkehrsplaner Ende April vorstellten, heißt es, dass die Wasserbusse mindestens 30 Stundenkilometer schnell sein müssen, um eine attraktive Alternative zum vorhandenen Verkehrsangebot zu sein. Außerdem brauchen sie Platz für um die 100 Personen. Diese Kriterien erfüllten zumeist Katamarane.

Umweltfreundlich soll's natürlich auch sein: Neben rein batterieelektrischen Antrieben ziehen die Planer auch Hybride in Erwägung. Wasserstoff und Solar hingegen fallen raus – die Technik ist noch nicht reif genug. „Die Fließgeschwindigkeit des Flusses spielt insofern eine Rolle, dass nicht jedes gewünschte Antriebssystem eine hohe Geschwindigkeit bei einer Bergfahrt, also gegen den Strom, leisten kann“, sagt Pohl. Das kegelt den Solarantrieb zumindest für den Rhein aus dem Rennen. Wasserstoff sei hingegen eine interessante Option in der Zukunft.

Die Antriebsform spielt neben bereits vorhandener Infrastruktur und dem Schiffstyp auch eine Rolle, wenn es um Kosten geht. Vollelektrische Schiffe sind in der Anschaffung deutlich teurer als Diesel-betriebene – dafür lassen sie sich günstiger betreiben, erklärt Irene Pohl.

Wasserbusse mit Mikromobilität oder Sharing-Angeboten verknüpfen

Irgendwo müssen die Passagiere natürlich auch aufs Schiff kommen. Pohl zufolge können die Planer Haltestellen in vorhandene Anleger integrieren oder gänzlich neue Anleger schaffen. Freilich sollte dieser Zugang barrierefrei sein. „Um einen Wasserbus sinnvoll in das bestehende ÖPNV-Angebot zu integrieren, gilt es vor allem, die Platzierung der Haltestellen und die Linientaktung auf die bestehenden Angebote abzustimmen“, so Pohl.

An solche Einstiegspunkte sollten auch Angebote für Mikromobilität oder Sharing-Fahrzeuge vorhanden sein. Eine Möglichkeit wäre, an manchen Wasserbus-Haltestellen auch eine Art Mobilitätshub anzugliedern oder sogar ein Park+Ride-System anzuschließen.

Schiff-begeisterte Kölnerinnen und Kölner müssen sich nun noch etwas gedulden. Im September soll die Machbarkeitsstudie abgeschlossen sein – und dann liegt die Entscheidung für das Verkehrskonzept bei der Politik. Künftig könnte der Rhein also nicht nur von Ausflugsdampfern bevölkert sein, die Touristen Panoramafahrten anbieten.

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 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin im Ressort Management