E-Scooter Warum Voi Nutzer für Monats-Pässe sperrt

Autor: Christoph Seyerlein

Mit Tages- und Monatspässen wollte Voi als erster E-Scooter-Verleiher Nutzern Alternativen zum klassischen Pay-as-you-go-Bezahlmodell liefern. Warum das zu Problemen geführt hat und wie die Schweden ihr Pass-Angebot nun verändern.

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Voi geht gegen manche seiner Kunden vor.
Voi geht gegen manche seiner Kunden vor.
(Bild: Voi)

Nach dem ersten Hype müssen E-Scooter zunehmend um gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen. In Köln wurde jüngst wegen zunehmender Unfälle und hunderten Rollern im Rhein gar über ein Verbot diskutiert. Davon wäre auch Voi betroffen. Doch auch andernorts hat der schwedische Anbieter mit Problemen zu kämpfen.

In Hamburg haben sich zuletzt bei der Verbraucherzentrale die Beschwerden über Voi gehäuft. Dabei geht es nicht um die Roller an sich, sondern das Pass-Angebot, dass die Schweden Nutzern seit einiger Zeit machen. Statt wie gewohnt 99 Cent Freischaltgebühr und dann 19 Cent pro Minute für eine Rollerfahrt zu bezahlen, bietet Voi Interessenten Alternativen: Für monatlich 39 Euro sollte man die E-Scooter so viel nutzen können, wie man will. Auch auf täglicher Basis war das bis jetzt möglich, jene Option kostete 6,99 Euro.

Heißt: Wer Vois Roller am Tag länger als 32 Minuten nutzt, fährt mit dem Tagespass günstiger. Mit dem Monatspass war man dementsprechend am preiswertesten unterwegs, wenn man die Roller mindestens an sechs Tagen derart intensiv nutzte.

Was nutzerfreundlich klingt, hat in der Praxis zu manchem Missbrauch der Idee geführt. Konkret hat Voi zwei Problemgruppen identifiziert: Kommerzielle Nutzer wie Lieferdienste und Privatkunden, die „unverantwortliches Verhalten“ an den Tag legen. Zu letzteren zählen die Schweden solche, die die E-Scooter beispielsweise eher als Spielzeug denn als Transportmittel betrachten.

Beide Gruppen sorgen dafür, dass „normale“ Kunden teilweise schwieriger einen freien Roller finden können. In Hamburg ist das nun wie erwähnt in Frust umgeschlagen. Schließlich ist die Nachfrage groß. Nach eigenen Angaben zählt Voi in den Sommermonaten in der Hansestadt bis zu 15.000 Nutzer pro Tag.

So wird das Pass-Modell verändert

Nun folgt eine Reaktion des Anbieters auf das missbräuchliche Verhalten mancher. Künftig können Monats-Pass-Nutzer mit Voi-Scootern maximal vier Stunden am Tag unterwegs sein und dürfen höchstens zehn Fahrten täglich beginnen, die länger als zwei Minuten dauern. Auch in seiner Kommunikation zu den eigenen Nutzungsbedingungen will das Unternehmen nach eigenen Angaben deutlicher werden als bislang.

Doch damit nicht genug: Kunden, die Voi als unverantwortlich identifiziert hat, sperren die Schweden für den Monats-Pass. Bevor das geschieht, werden sie über die App und per Mail davor gewarnt. Wer von Voi noch während eines laufenden Nutzungszeitraums eine Kündigung erhält, bekommt das Geld für die nicht genutzten Tage erstattet.

Ganz außen vor sind gekündigte Nutzer bei Voi aber nicht: Einzelfahrten können sie weiterhin buchen, wie der Scooter-Verleiher mitteilte. Wer das Gefühl hat, zu unrecht vom Monats-Pass ausgesperrt worden zu sein, kann sich zudem an das Support-Team der Schweden wenden.

Voi selbst wertet die negativen Erfahrungen mit seinem Bezahlmodell als „Stolperstein“, ab dem man intensiv arbeiten müsse. Gleiches gelte beispielsweise auch für Probleme mit falsch abgestellten Rollern und bei der Verkehrssicherheit.

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 Christoph Seyerlein

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Fachredakteur Next Mobility