Testphase beginnt VW macht den nächsten Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren

Autor: Christoph Seyerlein

Gemeinsam mit Argo AI schickt Volkswagen bald eine Roboauto-Testflotte in München auf die Straßen. Auch für den Serieneinsatz haben die Wolfsburger bereits ein fixes Datum im Blick.

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VW will bald autonome Testfahrzeuge in München starten lassen.
VW will bald autonome Testfahrzeuge in München starten lassen.
(Bild: Seyerlein/VCG)

Volkswagen will beim autonomen Fahren keine halben Sachen machen. „Wir sind das Unternehmen, das Mobilität neu definiert“, erklärte Konzernchef Herbert Diess am Sonntag im Vorfeld der IAA Mobility in München selbstbewusst. Gemeinsam mit Entwicklungspartner Argo AI will der Autobauer nun die Testphase für vollautonome Shuttles in und um München einläuten.

Dazu zeigte Volkswagen am Sonntag auch erstmals entsprechende Testfahrzeuge. Dabei handelt es sich um Prototypen des künftigen Elektro-Bullis VW ID Buzz. Ausgestattet sind sie 14 Kameras, 11 Radar- sowie 6 Lidar-Sensoren. Ein von Argo patentierter Geiger-Modus soll es ermöglichen, selbst kleinste Partikel zu erkennen.

Volkswagen geht gezielt in Stadtgebiete

Ganz gezielt wähle man den Einsatz in Großstädten und damit in der komplexesten Umgebung überhaupt. Denn dort sei die Nachfrage am größten. Und wenn man es dort hinbekomme, schaffe man es überall, erklärten Diess und Argo-AI-CEO Bryan Salesky vor Journalisten.

Argo testet seine Technik schon einige Zeit in US-Städten wie Miami. Den Schritt nach München bezeichnete Salesky als „Meilenstein“ in der Zusammenarbeit mit Volkswagen. Überhaupt sei die Partnerschaft einzigartig, da kein Konkurrent derartige Skalierungs-Möglichkeiten habe. Beiden Unternehmen gehe es nicht darum, dass größte Daten-Set der Welt zu schaffen, sondern das kompletteste, so Salesky.

Volkswagen will autonomes Fahren erstmals kommerziell im Jahr 2025 anbieten. Dann sollen Teile der Flotte des Ridepooling-Dienstes Moia in Hamburg als Robotaxis unterwegs sein. Der Rechtsrahmen in Deutschland gebe das bereits her. Es brauche aber eine gesamteuropäische Lösung und auch eine für den amerikanischen Raum, sagte Christian Senger, der bei VW Nutzfahrzeuge die Entwicklung für autonomes Fahren leitet.

Rein auf Moia werden sich die Wolfsburger beim autonomen Fahren aber nicht beschränken. Auch in der Individualmobilität soll die Technologie perspektivisch eine Rolle spielen. VW-Markenchef erklärte beispielsweise, dass ein autonomes Fahrzeug Kunden gerade auf Langstrecken Möglichkeiten biete, die Zeit besser zu nutzen.

Brandstätter: Diese Vorteile haben autonome Fahrzeuge gegenüber Zügen

Anderen Verkehrsmitteln wie etwa Zügen seien die Fahrzeuge durch ihre Optionen zur Individualisierung und ihre Flexibilität überlegen. „Bei einem Zug ist man an die Abfahrtszeit gebunden, bei einem autonomen Fahrzeug nicht. Und man kann in einem solchen Auto beispielsweise auch vertrauliche Gespräche führen“, so Brandstätter.

Gemeinsam mit Argo AI peilt Volkswagen langfristig an, Autofahren sicherer, günstiger und umweltschonender zu gestalten. „Autonome Fahrzeuge haben Computer, die nie müde werden, sich nie ablenken lassen und niemals betrunken sind. Über Menschen kann man das nicht sagen“, sagte Salesky. Diess ergänzte, dass eine bessere Nutzung der Fahrzeuge, sei es über Ridepooling, Carsharing, Vermietung oder andere Einsatzmöglichkeiten, Chancen eröffne, einen Verkehrskollaps zu verhindern.

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Fachredakteur Next Mobility