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Vereinbarung zwischen Autoindustrie, Politik und Deutscher Umwelthilfe

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Das Urteil zu den Diesel-Fahrverboten kam mitten während des Internationalen Motorenkongresses in Baden-Baden. Mit Spannung erwartete die Verbrennungsmotoren-Community Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Doch statt zur Konfrontation kommt es zu einer Übereinkunft.

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Der CDU-Verkehrsexperte Carsten Müller und Vertreter aus Wissenschaft sowie Automobilindustrie einigten sich mit DUH-Boss Jürgen Resch (links, live zugeschaltet) auf dem Motorenkongress in Baden-Baden.
Der CDU-Verkehrsexperte Carsten Müller und Vertreter aus Wissenschaft sowie Automobilindustrie einigten sich mit DUH-Boss Jürgen Resch (links, live zugeschaltet) auf dem Motorenkongress in Baden-Baden.
(Bild: Uli Regenscheit)

„Wir müssen eine bislang völlig entkoppelt stattfindende, ideologisch geprägte Diskussion versachlichen. Gesellschaft, Politik und Fachleute sprechen oft auf ganz verschiedenen Ebenen, aber nicht miteinander“, konstatiert Prof. Dr. Christian Beidl von der TU Darmstadt. Insbesondere Wissenschaftler, Entwickler und Ingenieure bemängeln bei der bislang geführten Diskussion ungehört und mitunter sogar ausgeschlossen worden zu sein. „Ein Gerichtssaal ist der falsche Ort, eine Diskussion zu führen. Juristen sollten nicht darüber entscheiden, wie die Zukunft aussieht, sondern Wissenschaftler“, sagt Wolfgang Maus von WM Engineering & Consulting. Die Forscher und Entwickler haben nämlich eine Lösung: synthetische Kraftstoffe.

Die Experten auf dem Podium waren überzeugt, dass Verbrennungsmotoren mit synthetischen Kraftstoffen CO₂-neutral betrieben werden können. Diese wie z.B. PtL-Kraftstoffe (Power to Liquid), besitzen eine hohe Energiedichte, sind emissionsfrei und können wesentlich dazu beitragen, die heute gewohnte Langstrecken- und Leistungstauglichkeit von Fahrzeugen sicherzustellen. Darüber hinaus sei diese Lösung ökonomisch sinnvoll, denn sie gewährleiste Mobilität zu weitaus geringeren Gesamtkosten als beispielsweise die E-Mobilität, wie auf dem Kongress von Ingenieuren und Ökonomen berichtet wurde. Augenfälliger wird es, wenn scheinbare CO2-Vorteile der E-Mobilität aufgedeckt werden: denn das Batterie-Fahrzeug wird von der Steckdose bis zum Rad bewertet, der Verbrennungsmotor von der Ölquelle bist zum Rad. Anders gesagt, die CO2-Emissionen der Stromerzeugung werden unterschlagen.

DUH-Boss Resch: Synthetische Kraftstoffe eine Alternative

In synthetischen Kraftstoffen sieht auch Resch eine wichtige Alternative. Er gab jedoch zu bedenken, dass diese nach wie vor in der Entwicklung seien und damit zum heutigen Zeitpunkt noch keine Lösung. Dennoch müsse man hierfür den Blick schärfen. Genau das haben sich die Ingenieure und Entwickler auf die Fahnen geschrieben. Sie wollen künftig in die Diskussion mit Ihrem Expertenwissen einbezogen werden, denn hierin sehen sie einfach zu hebendes Problemlösungspotenzial. Es mache weder technisch noch ökonomisch Sinn, den Verbrennungsmotor vorschnell abzuschaffen. Das Potenzial sei bei weitem noch nicht ausgereizt.

„Politik und Gesellschaft neigen dazu Entweder-oder-Entscheidungen zu fällen; in diesem Fall entweder Verbrenner oder Elektromotor. Und das ist gerade hier nicht besonders sinnvoll“, räumt Resch ein. Zugleich bat der zustimmende Bundestagsabgeordnete Carsten Müller (CDU) die anwesenden Industrievertreter darum, der Politik verständlichere Informationen zur Verfügung zu stellen. Er versprach, dass die zukünftige Bundesregierung sich des Themas annehmen werde.

„Wir setzen uns an einen Tisch“

Deutlich formuliert es das von Beidl vorgetragene Positionspapier führender Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem Statement: „Eine technologieoffene Weiterentwicklung von Antriebssystemen ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Klimapolitik in einer prosperierenden Gesellschaft. Verbote bewirken das Gegenteil!“. Dr. Wolfgang Demmelbauer-Ebner von Volkswagen wie auch Rudolf Ellensohn von Liebherr Machines Bulle und Dr. Otmar Scharrer von MAHLE International schließen sich dem an und begrüßen die Offerten seitens Verbraucherschutz und der Politik.

Wolfgang Maus bringt es abschließend auf den Punkt: „Wir nehmen nun Jürgen Resch beim Wort und setzen uns an einen Tisch. Wir haben überzeugende physikalisch-technische Lösungen. Diese sollen gehört werden und müssen allen Menschen bekannt gemacht werden. Nur so kann die bislang vollkommen unsachliche und ideologisierte Diskussion in Politik und Gesellschaft beendet werden. Wir starten heute eine neue Diskussion, eine echte, sachlich fundierte – Verbote sind dann nämlich überflüssig“.

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