Entwicklungsplan Verband fordert: Bund soll Carsharing stärker fördern als Privatautos

Autor Christoph Seyerlein

Mit einem Entwicklungsplan will der Bundesverband Carsharing (BCS) die Politik zu mehr Subventionen für das Autoteilen bewegen. Welche sechs Forderungen der BCS aufstellt.

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Aktuell gibt es in 855 Orten in Deutschland-Carsharing-Angebote.
Aktuell gibt es in 855 Orten in Deutschland-Carsharing-Angebote.
(Bild: Seyerlein)

Der Bundesverband Carsharing (BCS) hat seinen Nationalen Entwicklungsplan Carsharing vorgelegt. Dieser strotzt nur so vor Forderungen an die Politik. Ein zentraler Punkt: Die Carsharing-Lobby will vom Bund stärker gefördert werden als das bei Privatautos der Fall ist. BCS-Geschäftsführer Gunnar Nehrke erklärte: „Wir wünschen uns, dass die neue Bundesregierung das Potenzial, das im Carsharing steckt, endlich hebt.“

Private Pkw bezeichnete der Verband als „eines der größten Sorgenkinder“, wenn es darum gehe, die Emissionen im Verkehrssektor zu senken. In der Elektromobilität sieht der BCS dafür kein Allheilmittel. Mit dieser könne man nur etwa die Hälfte der heutigen Treibhausgas-Emissionen einsparen. Deshalb sei gleichzeitig eine Mobilitätswende nötig.

Bereits heute nutzen mehrere Millionen Haushalte in Deutschland ihren privaten Pkw so selten, dass Carsharing für sie günstiger ist, als ein neues Auto anzuschaffen.

Gunnar Nehrke

Nehrke sagte: „Um den Verkehr in Deutschland klimaneutral zu gestalten, muss heutiger Pkw-Verkehr in erheblichem Umfang auf Fahrrad, Bus und Bahn verlagert werden.“ Pkw-Mobilität müsse dagegen bei vielen den Status der regelmäßigen Gewohnheit zugunsten weniger umweltschädlicher Transportmittel verlieren. Sie sollte nurmehr eine gezielt eingesetzte Option im Mobilitätsmix sein. „Carsharing schafft dafür das geeignete und unverzichtbare Angebot“, ist Nehrke überzeugt. Schon heute nutzten mehrere Millionen Haushalte in Deutschland ihr Privatauto so selten, dass Angebote zum Teilen für sie günstiger sein könnten.

Sechs konkrete Handlungsfelder

Konkret hat der BCS sechs Handlungsfelder identifiziert, die die kommende Bundesregierung bis 2025 aus Sicht des Verbands stärker angehen sollte:

  • den flächendeckenden Ausbau der Carsharing-Infrastruktur
  • die Abschaffung regulativer Hindernisse für Carsharing-Förderung
  • bessere Rahmenbedingungen für E-Carsharing
  • Carsharing, ÖPNV und andere Sharing-Angebote digital vernetzen
  • Vorrang für Sharing beim autonomen Fahren
  • Sharing als Leitbild für den motorisierten Individualverkehr

In den Augen von Gunnar Nehrke verzichte der Bund durch Fehlanreize auf Einnahmen in Milliardenhöhe. Wenn die Politik nur einen Bruchteil der Subventionen für den Pkw-Verkehr in Carsharing stecken würde, könne man die Mobilität auf einen klimafreundlichen Entwicklungspfad bringen, meint er. Carsharing sei gar ein „Schnäppchen der Verkehrswende“, so der Lobbyist.

Aktuell gibt es in Deutschland etwa 26.000 Carsharing-Fahrzeuge. In 855 Orten sind laut BCS Anbieter mit insgesamt 6.200 Stationen vertreten. Viele Angebote konzentrieren sich dabei auf Stadtzentren und zentrumsnahe Lagen. Investitionen in Randlagen oder ländliche Gebiete bezeichnete der BCS selbst als „risikoreich“ und forderte auch dafür mehr Unterstützung.

Im vergangenen Jahr war hierzulande die Zahl der Carsharing-Nutzer um rund ein Viertel auf 2.874.000 gestiegen. Zurückzuführen war das unter anderem darauf, dass viele Verbraucher nach Ausbruch der Corona-Pandemie öffentliche Verkehrsmittel mieden. Profitiert hatten davon aber fast ausschließlich nicht-stationsgebundene Angebote (Free-floating). Bei stationsbasierten Anbietern waren dagegen die Umsätze während der Lockdown-Phasen teilweise eingebrochen.

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