Forschungsprojekt Urbanfilter holen Mikroplastik von der Straße

Autor / Redakteur: sp-x / Tanja Schmitt

Allein durch Autoreifen gelangen jedes Jahr in Deutschland zehntausende Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Einen Teil wollen Forschungspartner künftig mit Kanalisationsfilter auffangen. In diesem Jahr soll es bereits losgehen.

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An Abrieb-Hotspots wie Kreuzungen könnten die Urbanfilter zum Einsatz kommen und von Autoreifen erzeugte Mikroplastikpartikel auffangen, bevor sie in den Wasserkreislauf gelangen.
An Abrieb-Hotspots wie Kreuzungen könnten die Urbanfilter zum Einsatz kommen und von Autoreifen erzeugte Mikroplastikpartikel auffangen, bevor sie in den Wasserkreislauf gelangen.
(Bild: Audi)

Bei der Frage nach Umweltschäden durch Autoverkehr wurde dem Mikroplastik in der Vergangenheit eher wenig Bedeutung beigemessen. Laut einer im Frühjahr von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) veröffentlichten Studie gelangen allerdings allein in Deutschland pro Jahr 60.000 bis 70.000 Tonnen Reifenabrieb in den Boden sowie 8.700 bis 20.000 Tonnen in Oberflächengewässer. Damit gilt Reifenabrieb als eine der größten Mikroplastikquellen überhaupt.

An einer zumindest partiellen Lösung des Problems arbeiten mittlerweile die Audi Stiftung für Umwelt zusammen mit der TU Berlin und weiteren Partnern in dem Projekt Urbanfilter. Mit speziellen Kanalisationsfiltern, so die Idee, ließe sich zumindest ein Teil der umweltschädlichen Reifenabriebpartikel abfangen.

Regenwasser wird gefiltert

Die Grundidee ist simpel: Sedimentfilter für Straßenabläufe sollen Schmutzpartikel möglichst nahe am Entstehungsort auffangen, damit diese gar nicht erst über Regenwasser in die Kanalisation gelangen. Die Filtertechnik selbst ist jedoch komplexer und zudem modular aufgebaut, um so auf unterschiedliche Straßensituationen und Schmutzbelastungen reagieren zu können.

Insgesamt werden für die Urbanfilter neun verschiedene und frei kombinierbare Module entwickelt, damit sich die Filter besser an den Bedarf anpassen lassen.
Insgesamt werden für die Urbanfilter neun verschiedene und frei kombinierbare Module entwickelt, damit sich die Filter besser an den Bedarf anpassen lassen.
(Bild: Audi)

An einer Ampelkreuzung entstehen deutlich mehr Schadstoffe als auf gerader Strecke, was nach passgenauen Filterlösungen verlangt. Insgesamt soll es deshalb neun frei kombinierbare Module geben, die dann einen aus jeweils drei Modulen bestehenden Filter ergeben. Laut Daniel Venghaus, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft an der TU Berlin, dient die Modularität dazu, „je nach Einsatzort das beste Ergebnis zu erzielen.“

Urbanfilter: Modularer Aufbau

Erstes Filterelement könnte eine spezielle Ablaufrinne in der Straße sein. Im Gullischacht wird als zweites Element zum Beispiel ein Laubkorb installiert, der grobe Partikel auffängt. Dahinter folgt als dritte Stufe eine Feinfiltration. Dafür könnten sich Magnete eignen, die feine Partikel zurückhalten, ohne dabei zu verstopfen. Dennoch verlangen die Urbanfilter in einem künftigen praktischen Einsatz nach regelmäßiger Wartung und Leerung. Dafür entwickeln die Mitarbeiter der TU Berlin zugleich entsprechend intelligente Wartungskonzepte.

Gestartet ist das auf dreieinhalb Jahre angesetzte Forschungsprojekt im September 2020. Noch in diesem Jahr wollen die Wissenschaftler erste Filter im praktischen Einsatz testen. Ob und wann eine solche Filtertechnik großflächig in Städten zum Einsatz kommt, ist allerdings noch ungewiss.

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