Nächste Übernahme Tier kauft Ford Spin ab und wird zum größten Mikromobilitäts-Anbieter der Welt

2018 hatte Ford den E-Scooter-Verleiher Spin für 100 Millionen Dollar übernommen. Jetzt trennt sich der Autobauer wieder von dem Unternehmen. Neuer Eigentümer wird Tier Mobility. Die Berliner setzen damit ihren immer spektakuläreren Expansionskurs fort.

Anbieter zum Thema

Tier wird durch die Übernahme von Spin künftig auch in den USA und Kanada aktiv sein.
Tier wird durch die Übernahme von Spin künftig auch in den USA und Kanada aktiv sein.
(Bild: Tier Mobility)

Tier Mobility bleibt im Übernahme-Modus. Nach Nextbike und Wind Mobility verleiben sich die Berliner nun Fords E-Scooter-Tochter Spin ein – der dritte Kauf in nur sechs Monaten. Der Deal verschafft Tier zudem einen Marktzugang in den USA und Kanada und macht das Unternehmen nach eigenen Angaben zum größten multimodalen Mikromobilitäts-Anbieter der Welt. Künftig sind die Berliner an mehr als 520 Standorten in 21 Ländern aktiv.

Spin bietet seine E-Scooter derzeit in 106 Städten zum Verleih an. Die Flotte der Ford-Tochter umfasst rund 50.000 E-Tretroller. Tiers Fuhrpark aus Scootern, E-Bikes und Elektro-Mopeds wächst damit auf etwa 300.000 Fahrzeuge an. Die übernommenen Roller will Tier nun nach und nach mit Wechselakkus ausstatten, um das Geschäft nachhaltiger zu gestalten. Spin soll zumindest in Nordamerika als eigenständige Marke bestehen bleiben. In Großbritannien wird das Geschäft dagegen vollständig unter Tiers Flagge fortgeführt.

Spin war zuletzt spürbar geschrumpft

Die Ford-Tochter hatte sich erst kürzlich aus Deutschland und Portugal zurückgezogen und sein Angebot in Großbritannien, Kanada und den USA verknappt. Hintergrund war, dass Spin gerade in Europa keine Chance mehr darauf sah, profitabel arbeiten zu können. In Deutschland, wo Spin in insgesamt 16 Städten aktiv war, machte CEO Ben Bear die fehlende Regulierung dafür verantwortlich. Rund jeden vierten der etwa 700 Spin-Mitarbeiter kostete der Schritt den Job.

Zur Übernahme durch Tier sagte Bear: „Beide Unternehmen setzen auf einen partnerschaftlichen Ansatz, arbeiten eher mit Mitarbeitenden als mit Auftragnehmern und tragen dazu bei, dass die Menschen auf das Auto verzichten, indem sie nachhaltige und sichere Mikromobilitätsdienste anbieten.“ Er ist sich sicher: „Gemeinsam werden wir die erste Wahl von Städten und Fahrern weltweit sein.“

Tier-Chef Lawrence Leuschner kommentierte: „Wir sind jetzt der weltweit führende Akteur im Bereich der Mikromobilität und verfügen über die Größe und den Umfang, die erforderlich sind, um einen positiven Wandel in der städtischen Mobilität voranzutreiben. So können wir noch mehr Menschen dazu bringen, ihr Auto stehen zu lassen, um auf umweltfreundlichere Fahrzeuge umzusteigen.“ Leuschner zeigte sich überzeugt, dass der von Spin eingeschlagene Weg, nur noch in regulierten Märkten als Anbieter agieren zu wollen, der richtige sei. Der Trend werde weltweit dorthin gehen, dass Städte nur noch wenigen Partnern Lizenzen für Mikromobilitäts-Sharing erteilen werden, erwartet er.

Zu den finanziellen Details äußerten sich beide Seiten nicht. Tier soll aber sämtliche Anteile an Spin erworben haben. Den US-amerikanischen E-Scooter-Verleiher gibt es seit 2017. Ein Jahr später hatte Ford das Unternehmen für 100 Millionen Dollar übernommen.

Tier wurde 2018 in Berlin gegründet. Seitdem hat Tier mehr als 660 Millionen Dollar eingesammelt. Die Firmenbewertung liegt bei rund zwei Milliarden Dollar.

(ID:48059664)