Neue Angebote So will der ÖPNV in Berlin und Brandenburg Fahrgäste (zurück)gewinnen

Autor: Christoph Seyerlein

Der öffentliche Nahverkehr hat in der Corona-Pandemie viele Kunden verloren – beispielsweise Pendler ans Homeoffice. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg testet nun, wie er seine verkrusteten Tarifstrukturen aufbrechen kann, um für jene Zielgruppe wieder attraktiver zu werden.

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Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg einen Rückgang von rund einem Drittel bei den Fahrgastzahlen hinnehmen müssen.
Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg einen Rückgang von rund einem Drittel bei den Fahrgastzahlen hinnehmen müssen.
(Bild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben)

Corona hat dem ohnehin chronisch schwächelnden öffentlichen Personennahverkehr einen weiteren Schlag versetzt. Das belegte zuletzt eine weitere repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Demzufolge hat die Pandemie dazu geführt, das knapp ein Drittel der erwachsenen Deutschen seltener oder gar nicht mehr mit Bus und Bahn fährt.

Auch Berlin und Brandenburg bilden dabei keine Ausnahme: Der dortige Verkehrsverbund VBB verzeichnete nach eigenen Angaben 2020 und im ersten Halbjahr 2021 einen Rückgang von fast einem Drittel (32 %) bei den Fahrgastzahlen. Die Einnahmen sind um ein Fünftel (20 %) eingebrochen.

Nun will der VBB gegensteuern. Am Montag (20. September) teilte der Verbund mit, ab dem 1. Januar 2022 zwei flexible Tarifangebote in Berlin und Frankfurt an der Oder testen zu wollen. Diese richten sich insbesondere an Pendler, die nun häufiger im Homeoffice arbeiten und den ÖPNV deshalb nicht mehr regelmäßig für die Fahrt zur Arbeit nutzen.

Diese zwei Modelle will der VBB im neuen Jahr testen:

  • In Frankfurt an der Oder soll es ein flexibles Abo-Angebot für das Stadtgebiet geben. Wer einen monatlichen Grundbeitrag von 4,90 Euro bezahlt, bekommt die Möglichkeit, Einzel- und 24-Stunden-Fahrkarten 25 Prozent günstiger kaufen zu können.
  • In Berlin wird dagegen ein „VBB-Flexticket“ erprobt. Für 44 Euro können Interessenten ein 8er-Paket für jeweils 24 Stunden erwerben. Ein Tag kostet so also 5,50 Euro. Die acht Tage können Kunden innerhalb eines Monats abrufen.

Tests sind auf zwei Jahre ausgelegt

Mithilfe der Pilotprojekte will der VBB herausfinden, welches Angebot sich besser eignet, um die aktuell voll auf regelmäßige Fahrten ausgelegten Tarife perspektivisch zu ergänzen. Zunächst will der Verbund beide Optionen zwei Jahre lang testen. Sie sollen in der Zeit regelmäßig evaluiert werden.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) begrüßten die Entscheidung in einer ersten Reaktion. Vertriebs- und Marketingleiterin Christine Wolburg erklärte: „Wir freuen uns sehr. Das ist ein positives Signal, um vor allem Berufstätige, die im Homeoffice arbeiten, als Stammkunden für Bus und Bahn zu gewinnen bzw. zu halten.“ Aktuell liege die Nachfrage gemessen an den Zeiten vor Corona bei rund 80 Prozent. „Diese Zahl wollen wir weiter kontinuierlich steigern“, so Wolburg. „Dafür sind passgenaue Angebote ein wichtiger Baustein.“

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 Christoph Seyerlein

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Fachredakteur Next Mobility