Artemis So kommt Audi mit seinem „Raketen“-Projekt voran

Autor Christoph Seyerlein

Seit knapp einem Jahr ist Markus Duesmann Audi-Chef. Sein wichtigstes Projekt heißt Artemis. In einem Interview gaben Duesmann und Projektleiter Alexander Hitzinger nun Einblicke, wie es damit läuft.

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Audi will wieder mehr für „Vorsprung durch Technik“ stehen.
Audi will wieder mehr für „Vorsprung durch Technik“ stehen.
(Bild: Audi)

Mit dem Projekt Artemis will Audi die eigene Transformation beschleunigen. Für 2024 ist das erste Artemis-Modell angekündigt. In einem Interview mit „Business Insider“ haben Audi-Chef Markus Duesmann und Artemis-Leiter Alexander Hitzinger über die Fortschritte berichtet.

Wir bauen eine Rakete, die erst mal unabhängig agieren kann, sehr schnell ist und sehr weit kommt. Einen großen Tanker, den kannst du einfach nicht so schnell von links nach rechts drehen. Aus dem Grund erst mal eine Rakete.

Alexander Hitzinger

Den Namen Artemis habe man ganz gezielt gewählt. So gebe es ein Projekt bei der NASA, das ebenfalls so heißt, erklärte Hitzinger. 2024 soll es in einer Mondlandung münden. Da Audis Zeitplan mit dem eigenen Projekt ähnlich ist und man die eigene Mission im Workshop als Rakete dargestellt habe, sei man zu dem Schluss gekommen, dass Artemis auch für Audi passe, so Hitzinger. „Wir bauen eine Rakete, die erst mal unabhängig agieren kann, sehr schnell ist und sehr weit kommt. Einen großen Tanker, den kannst du einfach nicht so schnell von links nach rechts drehen. Aus dem Grund erst mal eine Rakete“, sagte er.

Abläufe wie in der Tech-Industrie

Vor allem soll jene Metapher für das Tempo stehen, mit dem Audi vorankommen will. „Schnellboot ist vielleicht eine andere Bezeichnung dafür“, ergänzte Duesmann. Agilität soll auch die Besetzung des Artemis-Teams garantieren. Aktuell arbeiten dort laut Hitzinger gerade einmal zwölf Leute.

Man wolle dort mit der Kultur und den Prozessen aus der Tech-Industrie weiterkommen, so der Artemis-Chef. Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege sind hier die Zauberwörter. „Man hat eine Idee, man konstruiert diese Idee und man testet sie, idealerweise in der virtuellen Welt, eventuell durch einfache Prototypen. So erhält man ein Resultat und vergleicht es dann mit der Idee. Das ist ein Zyklus“, beschreibt Hitzinger den Workflow.

Besonders hohen Stellenewert hat für Audi in der Entwicklung das autonome Fahren. „Wir haben das Konzept so abgeändert, dass wir beim hochautomatisierten Fahren weit springen werden“, erklärt Hitzinger. Eines Tages werde man auf der Autobahn Level 4 autonom fahren können. Der eigentliche Fahrer kann seine Zeit dann für andere Dinge als das Steuern des Fahrzeugs nutzen. „Das gibt unserer Gesellschaft viel Zeit zurück. Plötzlich ist das Auto ein Lebensraum und nicht mehr in erster Linie ein Fortbewegungsmittel“, sagt der Artemis-Chef.

Im Kampf um die besten Talente, die für die Transformation gebraucht werden, sehen sich die Ingolstädter gut aufgestellt. Schon jetzt habe man „Weltklasseleute“ aus dem Motorsport oder von Apple für sich gewinnen können, so Hitzinger.

Wenn junge Talente etwas Großes bewegen wollen, dann sollten sie zu uns kommen, denn bei uns können sie zehn Millionen Autos im Jahr damit weiterbringen. Oder hundert Millionen in zehn Jahren. Das schaffen Sie nirgendwo anders.

Alexander Hitzinger

„Wir können selbst A-Player aus dem Silicon Valley anziehen“

„Wenn junge Talente etwas Großes bewegen wollen, dann sollten sie zu uns kommen, denn bei uns können sie zehn Millionen Autos im Jahr damit weiterbringen. Oder hundert Millionen in zehn Jahren. Das schaffen Sie nirgendwo anders.“ In Ingolstadt habe man extra einen eigenen Campus geschaffen, zudem gibt es Standorte in Berlin und München.

Alexander Hitzinger sagte dazu: „München ist in meinen Augen einer der attraktivsten Standorte in ganz Europa, unser Silicon Valley.“ Die bayerische Landeshauptstadt punkte mit gefragten Universitäten und Unternehmen sowie einer hohen Lebensqualität. „Der Standort ist für Artemis nicht das Problem, Leute anzuziehen. Wir können selbst A-Player aus dem Silicon Valley anziehen“, schließt Hitzinger daraus.

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