Klimaschutz Seeschifffahrt will bis 2050 klimaneutral sein

Autor / Redakteur: dpa / Lena Sattler

Ursprünglich wollte die Branche ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 halbieren: Jetzt plant die Weltschifffahrtsorganisation IMO, dieses Ziel zu übertreffen. Druck kommt unter anderem von der EU.

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Die Schifffahrt, die weltweit um die 90 Prozent aller Waren transportiert, ist für mehr als zwei Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich.
Die Schifffahrt, die weltweit um die 90 Prozent aller Waren transportiert, ist für mehr als zwei Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich.
(Bild: gemeinfrei/Pixabay)

Die internationale Seeschifffahrt will ihre Klimaziele deutlich verschärfen. Statt den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bis 2050 zu halbieren, wie bisher von der Weltschifffahrtsorganisation IMO angepeilt, strebt die Branche nun an, bis dahin netto gar kein zusätzliches CO2 mehr in die Atmosphäre zu lassen.

„Klimaschutz erlaubt keinen Aufschub mehr“

„Unsere Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann. Einen entsprechenden Vorschlag habe der Weltreederverband ICS bei der IMO in London, einer Organisation der UN, auf Initiative der deutschen Reeder eingereicht.

„Klimaschutz erlaubt keinen Aufschub mehr, das belegt auch der jüngste Bericht des internationalen Klimarates IPCC“, sagte Hartmann. „Wir hoffen, alle Teilnehmer der maritimen Transportkette, aber insbesondere auch die Staaten werden uns bei dieser großen Aufgabe umfassend unterstützen.“

Suche nach klimafreundlichen Treibstoffen

Der Reederverband verspricht sich von seinem Vorstoß ein Signal an Energieversorger, Schiffbauer und Motorenhersteller, mehr in „grüne“ Antriebstechnologien und Treibstoffe zu investieren.

Optimierungen beim Bau und dem Betrieb von Schiffen reichten nicht aus. Vielmehr sei bei Entwicklung und Verfügbarkeit eine „Revolution bei den Treibstoffen“ nötig. „Grundsätzlich gilt: Nicht der Motor ist das Problem, sondern der Brennstoff“, betonte VDR-Präsident Hartmann.

Problem: Alternativen noch nicht marktreif

Das Problem: Containerschiffe können anders als Autos lange Strecken nicht mit Batteriekraft bewältigen. Zwar wird in den maritimen Branchen über ein großes Spektrum an alternativen Antriebskonzepten und Treibstoffen diskutiert.

Neben Wasserstoff und Ammoniak stehen unter anderem sogenannte „E-Fuels“ im Blickfeld – beispielsweise Methanol, dessen Verbrennung zwar CO2 freisetzt, bei dessen Herstellung zuvor aber massenhaft CO2 gebunden wird, so dass ein neutraler Kreislauf entsteht.

Allen Alternativen ist aber gemein: Noch nichts ist marktreif und in großem Stil für den breiten Praxiseinsatz verfügbar. Daher kann ein Reeder, der ein Schiff bestellt, derzeit nur zwischen einem Dieselantrieb oder dem ebenfalls fossilen Flüssiggas (LNG) wählen.

Druck auch von der EU

Die Schifffahrt, die weltweit um die 90 Prozent aller Waren transportiert, ist nach IMO-Angaben für mehr als zwei Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Die Branche ist auch deswegen unter Druck, weil die EU die Zielmarken für die Verringerung von Treibhausgasemissionen verschärfen will.

Dem Kommissionspaket „Fit for 55“ zufolge sollen diese gegenüber 1990 bis 2030 um mindestens 55 Prozent sinken. Bis 2050 sollen in der Union netto gar keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausgestoßen werden.

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