Mobilitätsmesse Proteste gegen IAA, Schmier-Attacke auf Haus von VW-Chef: Explosive Stimmung in München

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Die Proteste gegen die IAA Mobility in München spitzen sich zu. Am Freitag setzte die Polizei mancherorts Schlagstöcke und Pfefferspray an. Ins Visier von Auto-Gegnern geriet auch das Privathaus von Volkswagen-Chef Herbert Diess.

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Schon vor Beginn der IAA hatte beispielsweise Greenpeace am Rande einer VW-Veranstaltung – friedlich – gegen den Autokonzern protestiert.
Schon vor Beginn der IAA hatte beispielsweise Greenpeace am Rande einer VW-Veranstaltung – friedlich – gegen den Autokonzern protestiert.
(Bild: Seyerlein/VCG)

Bei Protesten gegen die Automesse IAA Mobility in München ist es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Die Beamten setzten am Freitagvormittag Schlagstöcke und Pfefferspray gegen Demonstranten ein. Einem Polizeisprecher zufolge sollen IAA-Gegner versucht haben, eine Polizeiabsperrung an der Theresienwiese zu durchbrechen.

Auf der Fläche, auf der normalerweise das Oktoberfest stattfindet, befindet sich ein Camp der IAA-Kritiker. Von dort waren am Freitagvormittag Hunderte Aktivisten und andere Demonstranten aufgebrochen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot am Ort, die Zahl der Beamten überstieg Beobachtern zufolge die der Demonstranten deutlich. Wie der erste kehrte auch ein zweiter Demonstrationszug, der vom Klimacamp aus aufbrechen wollte, zunächst dorthin zurück. Kurz vor Mittag verließ dann aufs Neue ein Demonstrationszug die Theresienwiese.

Zudem blockierte eine Gruppe von Klimaaktivisten kurzzeitig die für die Messe eingerichtete Sonderspur Blue-Lane auf der Autobahn A94, die an der Messe vorbeiführt. Parallel dazu demonstrierte Aktivisten auf dem Münchner Königsplatz, einem der IAA-Ausstellungsorte außerhalb des Messegeländes.

Aktivisten hatten bereits am Dienstag an mehreren Autobahnen im Raum München Banner angebracht und sich an einigen Brücken abgeseilt. Die Fernstraßen mussten deswegen vorübergehend gesperrt werden.

Diess erstattet Strafanzeige

Auch abseits des Messe-Umfelds kam es zu Zwischenfällen. Beispielsweise ist das private Haus von VW-Konzernchef Herbert Diess in München Ziel einer Farbattacke geworden. An dem Gebäude seien Schmierereien aufgetaucht, sagte ein Sprecher des Unternehmens in Wolfsburg. Man verurteile die Tat, die wohl in der Nacht von Donnerstag auf Freitag begangen worden sei und deren Urheber man noch nicht kenne. Zuvor hatte das Wirtschaftsportal „Business Insider“ über den Fall berichtet. „Diess enteignen“ habe demnach etwa auf der Tür gestanden. Außerdem sei ein Zettel mit Anschuldigungen gegen einen „Vertreter des deutschen Autokapitals“ angeklebt worden. Der Manager habe Strafanzeige erstattet.

Volkswagen hatte angesichts mehrerer Protestaktionen gegen den Konzern in den vergangenen Wochen erklärt, man sei offen für Kritik und Diskussionen über den richtigen Weg zu mehr Klima- und Ressourcenschutz sowie über die Sicherung der Arbeitnehmerrechte in den weltweiten Lieferketten. Beschädigungen und Gewalt dürften jedoch keine Mittel des Streits sein. Von der Münchner Polizei gab es zunächst keine Angaben zu den Umständen des Vorfalls an Diess' Haus.

Weitere Blockaden und Störaktionen bei der IAA sind angekündigt. Ein Polizeisprecher sagte, dass man gegen Straftaten konsequent vorgehen werde. Polizeiabsperrungen hätten nicht bloß „Empfehlungscharakter“. Klimaaktivisten kritisierten dagegen das Vorgehen der Polizei und sprachen von „massiver Gewalt“ seitens der Polizei, von der man sich aber „nicht einschüchtern“ lassen wolle. Ob bei den Zusammenstößen jemand verletzt wurde, war zunächst offen, weder Polizei noch das Bündnis „Sand im Getriebe“ konnten dazu Angaben machen.

Proteste erreichen politische Ebene

Auch auf politischer Ebene ist die Debatte über die Proteste angekommen: Die Grünen im Landtag begleiteten die Proteste als „parlamentarische Beobachter“. Die Abgeordnete Claudia Köhler, kritisierte das Vorgehen der Polizei auf der Theresienwiese als „unangebracht“. Dagegen hatte CSU-Generalsekretär Markus Blume bereits am Mittwoch getwittert: „Brückenkletterer bleiben bis Messeende eingesperrt! So läuft's in Bayern!“

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