Ladeinfrastruktur Problemfeld deutsches E-Auto-Ladenetz

Autor / Redakteur: dpa / Nick Luhmann

Von wegen „schnell und günstig, flächendeckend, bequem und transparent“ – nach wie vor gibt es hierzulande zu wenig Schnellladestationen. Und noch immer drohen sich viele Verbraucher in einem undurchschaubaren Tarif-Dschungel zu verirren.

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Schnellladeoptionen werden auch mittelfristig nicht wie Pilze aus dem Boden sprießen.
Schnellladeoptionen werden auch mittelfristig nicht wie Pilze aus dem Boden sprießen.
(Bild: Audi)

„Wir müssen es hinbekommen, dass die Preise so wie bei der Zapfsäule auch für jeden transparent wahrnehmbar sind, über die Anbieter hinweg, um klarzumachen: Laden ist immer und überall möglich“ – das sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer der DPA am Sonntag.

Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, auch dank höherer staatlicher Zuschüsse. Der Boom ist politisch gewollt – und notwendig, damit Klimaziele im Verkehr eingehalten werden können. Weil erwartet wird, dass künftig vor allem zu Hause geladen werden wird, wird auch der Einbau privater Ladestationen gefördert.

Das öffentlich zugängliche Ladenetz wächst zwar ebenfalls – derzeit gibt es nach Angaben der Bundesnetzagentur insgesamt rund 45.000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland. Allerdings sind darunter lediglich rund 6.500 Schnellladepunkte. Über Ausschreibungen, die bald starten sollen, sollen bis zum Jahr 2023 mit staatlicher Förderung Ladesäulen mit einer Leistung von über 150 Kilowatt an 1.000 zusätzlichen Standorten entstehen, etwa an Fernstraßen. Aber reicht das?

„Laden muss so einfach werden wie Tanken“

Vor allem mit Blick auf Reichweite und Alltagstauglichkeit gebe es auf der Verbraucherseite weiterhin Vorbehalte gegenüber E-Fahrzeugen, sagte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. Deshalb seien Fortschritte bei der Ladeinfrastruktur so wichtig. „Laden muss so einfach werden wie Tanken. Aktuell ist das Laden häufig noch ein komplexer Vorgang – vor allem mit Blick auf die Bezahlmöglichkeit und die zahlreichen verschiedenen Tarife.“

Aus Verbrauchersicht wäre es wichtig, einheitliche Standards und bei den Preisen mehr Transparenz zu schaffen. Markus Emmert, Vorstand des Bundesverbandes E-Mobilität, sagte, der Kunde müsse im Voraus wissen, was sein Ladevorgang koste.

Bei den Preisen sei mehr Vergleichbarkeit nötig, die durch derzeit sehr unterschiedliche Preisgestaltung stark eingeschränkt sei, sagte der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU). Es solle daher eine Markttransparenzstelle für Ladetarife geben – dafür hatte sich auf Initiative von Baden-Württemberg sowie Berlin die Verbraucherschutzministerkonferenz im Mai eingesetzt.

Meldepflicht für Preismodelle

Ladesäulenbetreiber sollten verpflichtet werden, Preise, Preiskomponenten, Belegungsstatus und Bezahlmöglichkeiten an diese Stelle zu melden und laufend zu aktualisieren. Diese Daten könnten dann über die Apps der Fahrerinnen und Fahrer für Transparenz sorgen.

Bisher herrsche noch ein Tarifdschungel, sagte Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox. „Es gibt unzählige Kombinationen von Preisen pro Kilowattstunde, pro Ladevorgang, pro Minute, Grundgebühren, Roaming-Gebühren und Extra-Gebühren für schnelles Aufladen.“ Hinzu komme eine Vielzahl von Ladekarten und Apps, die nur an bestimmten Ladesäulen funktionierten. Dies führe zu großen Preisunterschieden.

Für die Kunden wäre es am einfachsten, wenn sie sich für einen Tarif entscheiden könnten, der dann an jeder Ladesäule gelte. „Dazu wäre ein verpflichtendes Durchleitungsmodell notwendig, das es beispielsweise jetzt schon für das Stromnetz gibt.“

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