Fahrbericht Piaggio One Active: Das kann der italo-chinesische E-Roller

Quelle: sp-x

Ein echter Italiener, auch wenn er in China produziert wird. Der One Active von Piaggio zeigt sich im Test als ein überzeugendes Elektro-Einstiegsmodell. Die für diese Art Antrieb typischen Schwächen gelten aber auch für ihn.

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Mit dem One Active bietet Piaggio einen technologisch anmutenden Kompaktroller.
Mit dem One Active bietet Piaggio einen technologisch anmutenden Kompaktroller.
(Bild: RKM)

Der italienische Konzern Piaggio ist bislang der einzige große Zweiradhersteller, der sich dem Thema Elektromobilität im 125er-Bereich widmet: Nach der eleganten Vespa Elettrica 70 bringen die Italiener mit dem One Active einen technologisch anmutenden Kompaktroller, der mit 3.290 Euro auch preislich attraktiv ist.

Möglich macht das die Produktion in China unter Verwendung zugekaufter Bauteile, was nicht unbedingt von Nachteil sein muss – wie ein genauer Blick auf die tadellose Verarbeitung zeigt. Dazu bietet der Neuling hübsch anzusehende Schmankerln wie die geschwungene Alu-Zweiarmschwinge oder die gezogenen Einarmschwinge vorn, wie man sie von den Vespa-Modellen kennt.

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Display mit lichtsensitiver Beleuchtung

Abgesehen von der netten Aufmachung fallen sofort die kompakten Abmaße des E-Rollers ins Auge, was nichts daran ändert, dass selbst Menschen über 1,80 Meter ein gar nicht mal so unbequemes Plätzchen auf der fast waagrechten Sitzbank vorfinden – mit ausreichend Ablagefläche auf dem flachen Trittbrett. Beifahrer werden indes auf längere Mitfahrten gerne verzichten.

Beim Blick nach vorn prangt ein 5,5-Zoll-großes LCD-Farbcockpit in der Front, das dank lichtsensitiver Beleuchtung perfekt ablesbar ist. Übersichtlich lassen sich alle wichtigen Fahrinformationen ablesen: Im zentralen Bereich die Geschwindigkeit, dazu der Energieverbrauch und die -rückgewinnung, der Batterie-Ladezustand sowie die verbleibende Reichweite in Kilometer. Eine Taste an der linken Griffarmatur oder direkt am Display gibt weitere Anzeigen preis, wie den aktuellen oder durchschnittlichen Energieverbrauch, die Fahrzeit, die Gesamt- und Tageskilometer.

Bis zu 57 km/h schnell

Im unteren Bereich lässt sich der über eine Taste an der rechten Griffarmatur gewählte Fahrmodus ablesen: Der Piaggio bietet Eco und Sport sowie einen Rückwärtsgang, der angesichts der unkomplizierten Handhabung selbst für zarte Damenhände nicht notwendig wäre. Zum Losfahren entriegelt ein Druck auf den Funkschlüssel einen Drehknauf, der den Roller scharf stellt und das Sitzbankfach bedient. Das Steuergerät hat das hohe Drehmoment des E-Motors gut im Griff, Los- und Langsamfahren ist ohne nerviges Ruckeln möglich.

Im leistungsstärksten Modus gefahren, setzt sich der von einem in die hintere Radnabe integrierten zwei-kW-Motor angetriebene One Active namensgerecht spritzig in Bewegung. Bis etwa 50 km/h legt er gut an Tempo zu, darüber erlahmt sein Elan zusehends. Selbst bei idealen Bedingungen sind nicht mehr als echte 57 km/h drin, während das Instrument 63 km/h verkündet. Das reicht für die Stadt, über Land fühlt man sich damit aber nicht wohl.

Im Sport-Modus bis zu 39 Kilometer Reichweite

Die gute Integration und das sehr niedrige Gewicht führen dazu, dass sich der Neuling mühelos beherrschen lässt. Auf wendigen Zehnzollrädern zirkelt er spielerisch um jedes Hindernis herum, das Wenden gelingt fast auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel. Aber er kommt einem auch ein wenig hibbelig vor. Nichtsdestotrotz fällt der Fahrkomfort auf dem Kompaktroller manierlich aus, nur allzu viel Wind- und Wetterschutz hat die schmale Front nicht zu bieten – die unteren Extremitäten ragen seitlich heraus und sind Wind wie Regen ausgeliefert.

Bleibt der fahrspaßorientierte Sport-Modus eingelegt, signalisiert das Farb-Display bei normaler Fahrweise nach 39 Kilometern einen leer gesaugten Akku. Die Möglichkeit, beim Bremsen Energie zurückzugewinnen, wirkt sich nur unwesentlich auf die erzielbaren Reichweiten aus. Gleichwohl stoppt der leichte E-Scooter auch ohne ABS verlässlich und effektiv.

Vollladung dauert etwa vier Stunden

Nach Öffnen der Sitzbank über den Drehschalter im Bug lässt sich die mit 15,2 Kilo nicht gerade leichte Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 2,3 kWh herausnehmen. Mittels des externen Ladegeräts dauert es bis zur Vollladung rund vier Stunden. Praktischerweise ist das Powerpack unter der Sitzbank so angeordnet, dass im Staufach noch Platz für einen Jethelm bleibt.

Die einfache Bedienung, kompakten Dimensionen und jederzeit beherrschbare Leistungsentfaltung sind neben der hohen Verarbeitungsqualität und den hochwertigen Komponenten das große Plus des Piaggio. Der attraktive Preis ist ein Sahnehäubchen obendrauf.

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