China Market Insider Peking testet erste Robotaxis ohne Fahrer

Von Henrik Bork

Die US-amerikanische Konkurrenz macht es schon vor: Fahrten von Robotaxis ohne menschlichen Aufpasser. Peking zieht nun als erste chinesische Stadt nach. Die 14 Test-Taxis ohne Sicherheitsfahrer kommen von Baidu und Pony.ai.

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In Peking fahren nun unter anderem 4 Robotaxis von Pony.ai ohne Sicherheitsfahrer. Nur auf dem Beifahrersitz ist noch ein Mitarbeiter postiert.
In Peking fahren nun unter anderem 4 Robotaxis von Pony.ai ohne Sicherheitsfahrer. Nur auf dem Beifahrersitz ist noch ein Mitarbeiter postiert.
(Bild: Pony.ai)

Peking erlaubt als erste Stadt in China das fahrerlose Fahren. Baidu und Pony.ai haben eine Lizenz erhalten, die ihre Robotaxis erstmals zu Fahrten ohne menschlichen Aufpasser auf dem Fahrersitz berechtigen. Der Schritt gilt in der Autobranche in der Volksrepublik als wichtiger Meilenstein für das autonome Fahren und die Kommerzialisierung von fahrerlosen Taxis.

Die landesweit ersten Lizenzen für Taxi-Testfahrten „ohne Sicherheitsfahrer auf dem Fahrersitz” sind am 28. April von den zuständigen Behörden ausgestellt worden und gelten zunächst für eine überschaubare Flotte von 14 Robotaxis - zehn von „Baidu Luobo Kuaipao“, dem Robotaxi-Arm des Suchmaschinen-Konzerns Baidu und vier von Pony.ai, dem unter anderem von Toyota finanzierten Startup. Beide wollen diese Flotte recht bald erweitern.

Damit werden zum ersten Mal fahrerlose Fahrzeuge im normalen Straßenverkehr in China unterwegs sein - ähnlich wie bislang nur in Kalifornien. Peking ist mit diesem Schritt Shenzhen zuvorgekommen, denn die Verantwortlichen der südchinesische Stadt hatte zuvor behauptet, dort würden schon bald die ersten unbemannten Fahrzeuge Chinas fahren. Entsprechende Presseberichte erweisen sich nun als voreilig.

Sicherheitspersonal auf dem Beifahrersitz

Allerdings bleiben auch die Genehmigungsbehörden in Peking noch recht vorsichtig, berichtet das chinesische Industrie-Portal Weike Wang. So müsse weiterhin ein Aufpasser im Wagen mitfahren, wenn auch nicht mehr auf dem Fahrersitz. Das Testgelände ist zudem auf einen relativ kleinen Radius im Pekinger Vorort Yizhuang mit 300.000 Einwohnern beschränkt.

Außerdem fahren die fahrerlosen Taxis bis auf Weiteres nur auf festgelegten Routen, damit ähnlich wie ein Minibus von einer Haltestelle zur nächsten. Taxikunden müssen zu einer der designierten Haltestellen gehen, können sich dann von einer App auf ihrem Handy ein Robotaxi rufen, das fahrerlos anrollt. Es hält dann wieder am gewünschten Endpunkt, der ebenfalls auf der App auszuwählen ist.

Die Lizenzen erlauben den beiden Technologie-Unternehmen dennoch, wertvolle Testkilometer im echten Straßenverkehr zu sammeln - eine Neuigkeit in China. In den vergangenen sechs Monaten waren bei allen Robotaxi-Tests in der chinesischen Hauptstadt bereits 80.000 Testkilometer zusammengekommen, ohne dass es zu einem einzigen Unfall gekommen war. Allerdings hatte bislang immer Sicherheitspersonal auf dem Fahrersitz gesessen, das bei Problemen das Lenkrad hätte übernehmen können. Das entfällt nun erstmals.

Wettlauf mit der US-Konkurrenz

Peking folgt mit diesem Schritt der Stadt Sunnyvale in Kalifornien, die Baidu ebenfalls schon eine Lizenz für Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer ausgestellt hat. Eine ähnliche Erlaubnis für Pony.ai in drei kalifornischen Gemeinden ist zur Zeit wieder suspendiert, nachdem eines seiner fahrerlosen Taxis dort eine Leitplanke in der Fahrbahnmitte gerammt hatte.

Die US-amerikanischen Konkurrenten Waymo (gefördert von Google) und Cruise (eine GM-Tochter) operieren bereits völlig autonome Robotaxis in mehreren Städten.

In China nimmt das Thema Robotaxis weiter Fahrt auf: 27 Provinzen haben Bestimmungen für autonome Fahrzeuge erlassen.
In China nimmt das Thema Robotaxis weiter Fahrt auf: 27 Provinzen haben Bestimmungen für autonome Fahrzeuge erlassen.
(Bild: Asia Waypoint für Next Mobility)

Mit der ersten fahrerlosen Lizenz in Peking holt China nun in diesem Wettrennen mit den USA wieder einen Schritt weit auf. Analysten in der Volksrepublik denken, dass innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahr mit der Serienproduktion von fahrerlosen Fahrzeugen begonnen wird und dann auch größere Robotaxi-Flotten auf Chinas Straßen zu sehen sein werden.

In der südchinesischen Metropole Guangzhou hat Pony.ai kürzlich schon die erste wirklich kommerzielle Taxi-Lizenz für seine fahrerlose Flotte erhalten. Die dort im Stadtbezirk Nansha fahrenden 100 Robotaxis dürfen nun Gebühren kassieren und sind damit erstmals in China normalen Taxis gleichgestellt. Dort sind sie allerdings noch mit einem Aufpasser auf dem Fahrersitz unterwegs.

Ausbreitung der Robotaxis wird politisch beschleunigt

Insgesamt drückt China bei der Förderung des autonomen Fahrens aufs Tempo: 27 Provinzen und Städte in China haben bereits Regeln dafür veröffentlicht (siehe Infografik).

Eine ganze Reihe von Startups konkurrieren auch wegen dieses günstigen politischen Umfeldes in mehreren chinesischen Städten um diesen jungen Markt, der künftig eine Menge von Taxifahrern ihren Job kosten dürfte. Momenta und der Autohersteller SAIC haben die Erlaubnis für Robotaxi-Tests im Stadtteil Jiading in Shanghai erhalten. AutoX, hinter dem der Online-Riese Alibaba steckt, hat kürzlich mit Robotaxi-Tests in Shenzhen begonnen.

Eine Fahrt in so einem fahrerlosen Taxi, mit oder ohne Sicherheitspersonal, fühle sich „immer noch merkwürdig an“, sagte der 31-jährige Zhao Deng, Angestellter eines Internet-Unternehmens in Peking, gegenüber dem Auto-Portal Shentu Car. „Du sitzt auf dem Rücksitz und siehst, wie sich vorne das Lenkrad von selbst bewegt,“ sagte Zhao. „Beim Abbiegen an einer Kreuzung dreht es sich schneller.”

Er habe dennoch das Gefühl gewonnen, dass „diese Technologie-Konzerne diese Sache ganz langsam aus dem Versuchslabor in das reale Leben holen,“ sagte der Chinese nach seiner Probefahrt. Ein anderer Fahrgast urteilte, die autonomen Taxis fuhren noch nicht ganz so gut wie ein erfahrener Taxifahrer, aber immerhin schon besser als ein Anfänger - von denen gibt es auf Chinas Straßen bekanntlich eine ganze Menge gibt.

Über den Autor

Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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