Testvergleich OEM-Ladetarife: Bei manchen wird Laden zum finanziellen Glücksspiel

Dass Laden an öffentlichen Säulen häufig intransparent ist, ist bekannt. Helfen sollen dabei beispielsweise Tarife. Auch viele Automobilhersteller bieten solche an. Einige hat die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ jetzt unter die Lupe genommen. Die Testergebnisse fallen teils wenig schmeichelhaft aus.

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Viele Autohersteller bieten eigene Ladetarife an. Längst nicht alle glänzen dabei mit Transparenz.
Viele Autohersteller bieten eigene Ladetarife an. Längst nicht alle glänzen dabei mit Transparenz.
(Bild: Seyerlein/VCG)

Verbraucherschützer bemängeln immer wieder die fehlende Preistransparenz an Ladesäulen für Elektroautos. Die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe, die am 13. Januar erscheint, nun die Tarifangebote verschiedener Autohersteller unter die Lupe genommen. Fazit: Auch dort geht es teilweise kompliziert, unflexibel und intransparent zu. Besonders bemängelt die Zeitschrift, dass viele OEMs im Gegensatz zu freien Anbietern wie Plugsurfing oder EnBW keine Fixpreise garantieren.

Konkret haben die Autoren die Ladekarten von Audi, BMW/Mini, Hyundai, Mercedes, Nissan, Polestar, Porsche, Renault, Stellantis und VW unter die Lupe genommen. Um verschiedene Nutzerprofile abzubilden, simulierten die Tester einmal Wenigfahrer, die vor allem zuhause laden und unterwegs Strom für 2.000 Kilometer zukaufen und Vielfahrer. Letztere laden an öffentlichen Stellen Energie für 5.000 Kilometer nach, darunter Strom für 3.000 Kilometer an Schnellladesäulen von Ionity und Energie für je 1.000 Kilometer an 22-kW-AC- und 50-kW-DC-Ladern. Der Stromverbrauch pro Auto betrug bei dem fiktiven Test 20 kWh pro 100 Kilometer.

In der Kategorie Vielfahrer schnitt Polestar am besten ab. Strom für 5.000 Kilometer Reichweite gab es mit dem entsprechenden Tarif für 434 Euro. Hyundai (552 Euro), BMW/Mini (570 Euro), Audi (577 Euro) und Nissan (684 Euro) konnten da nicht mithalten. Bei Mercedes, Porsche, Renault, Stellantis und VW ließ sich eine Endsumme aufgrund fehlender Preisgarantien gar nicht erst ermitteln. Kommentar der Autoren: „Da gleicht Laden einem finanziellen Glücksspiel.“

Wer sich vorher nicht genauer über die einzelnen Tarifstufen informiert, läuft bei manchem Hersteller zudem Gefahr, gehörig draufzuzahlen. Bei Audi können durch eine solche Unachtsamkeit beispielsweise auf 577 schnell 709 Euro werden, bei BMW aus 570 Euro 678 und bei Hyundai aus 552 Euro 696.

Bei Wenigfahrern kann die Grundgebühr schwer ins Gewicht fallen

Auch bei der Wenigfahrer-Simulation stellten die Tester teils erhebliche Preisunterschiede fest. Dort fallen vor allem Grundgebühren stärker ins Gewicht. Als besten Tarif für 2.000 Kilometer kürte Auto Motor und Sport Hyundais Angebot. Dort gibt es keine Grundgebühr, letztlich kamen die Autoren auf einen Preis von 188 Euro. BMW/Mini-Nutzer kommen bei einer Grundgebühr von 5 Euro monatlich auf 204 Euro. Etwas teurer ist Nissan mit 210 Euro, deutlich mehr verlangen Polestar (224 Euro) und Audi (235 Euro). Doch es geht noch deutlich happiger: Porsche ruft allein eine Grundgebühr von 179 Euro im Jahr auf. Hinzu kommen dann noch die Preise an der Ladesäule selbst.

Zugute hält die Zeitschrift den Herstellern, dass sie Kunden, die auch ein Elektroauto der jeweiligen Marke fahren, häufig die Lade-Grundgebühren in den ersten Jahren schenken. Allerdings warnen die Tester bei manchen Anbietern vor verstecken Nebenkosten. Beispielsweise stellen Audi, BMW, Hyundai, Mercedes, Polestar, Renault und Stellantis Kunden Blockiergebühren in Rechnung, wenn sie eine Säule nach dem Ladevorgang nicht schnell genug räumen.

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