Elektromobilität Münchner Ladesäulen-Start-up Qwello sammelt 50 Millionen Euro ein

Autor Christoph Seyerlein

Qwello will für E-Auto-Fahrer das öffentliche Laden in Städten angenehmer gestalten. Dabei helfen soll nun eine 50-Millionen-Euro-Geldspritze eines US-Unternehmens. Wie die Pläne des Münchner Start-ups um Gründer Henrik Thiele aussehen.

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Ladesäulen von Qwello gibt es bislang in München und Hamburg.
Ladesäulen von Qwello gibt es bislang in München und Hamburg.
(Bild: Qwello)

Integriertes Kabel, eine App, die auch anzeigt, wenn vermeintlich freie Ladesäulen zugeparkt sind, transparente Preise – Qwello will E-Autofahrern das Laden erleichtern. Jetzt erhält das Start-up für sein Vorhaben eine Geldspritze. Das US-Private-Equity-Unternehmen Tiger Infrastructure Partners investiert 50 Millionen Euro in die Münchner Firma.

Emil W. Henry Jr., CEO des Geldgebers, erklärte, dass Europa einen gewaltigen Zuwachs bei der Elektromobilität erfahre, vor allem durch staatliche Subventionen und ein steigendes Angebot an Fahrzeugen. „Die Ladeinfrastruktur hält mit der signifikanten Nachfrage aber nicht Schritt“, so Henry. Qwello traue man zu, dieses Problem mit seinem „überlegenen Produkt, einem einzigartigen Geschäftsmodell und einer differenzierten Markt-Strategie“ anzupacken.

Gründer mit bekannter Vita

Qwello-Gründer Henrik Thiele sagte: „Wir haben nach einem Geldgeber gesucht, der unsere Vision teilt, das Lade-Erlebnis in öffentlichen, urbanen Räumen zu vereinfachen.“ Thiele war in der Vergangenheit unter anderem Topmanager bei Knorr-Bremse. Sein Vater, Heinz Hermann Thiele, war bis zu seinem Tod im Februar 2021 Knorr-Hauptaktionär und zweitgrößter Einzelaktionär der Lufthansa.

Erste AC-Ladepunkte des 2017 gegründeten Start-ups Qwello sind in München an der Adalbertstraße und der Barer Straße sowie in Hamburg am Lehmweg verfügbar. Weitere Städte sollen bald folgen. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen beispielsweise eine Expansion nach Frankfurt angekündigt. Aber auch außerhalb Europas will Qwello aktiv werden.

Dabei setzt das Start-up auf Kooperationen mit Kommunen. Die Münchner werben damit, sowohl die Hardware und Software bereitzustellen, ihre Säulen selbst in Betrieb zu nehmen und auch zu warten.

Kunden wiederum verspricht Qwello eine gute User Experience. Jede Ladesäule des Unternehmens verfügt sowohl über ein integriertes, sieben Meter langes 11-kW-Kabel mit Typ-2-Stecker als auch eine Typ-2-Buchse, falls der Nutzer sein eigenes Kabel verwenden möchte. Kunden laden an den Qwello-Punkten zu 100 Prozent Grünstrom. Dafür verlangen die Münchner 26 Cent pro kWh und eine Infrastrukturgebühr von 2 Cent pro Minute. Nach 21 Uhr wird letztere bei maximal 3,60 Euro gedeckelt, damit Kunden ihr Auto nicht nachts umparken müssen. Bezahlen können Nutzer über die Qwello-App oder mit Ladekarten, Kreditkarten, Apple- oder Google-Pay. Das entsprechende Medium muss lediglich vor den integrierten Kartenleser gehalten werden.

Die Qwello-App kann Kunden zudem darüber informieren, welche Säulen gerade frei sind. Das Start-up verspricht, dass die eigenen Stationen erkennen, wenn sie zugeparkt sind. Über die App lassen sich auch Ladepunkte für 15 Minuten reservieren. Die nächste verfügbare Säule lässt sich beispielsweise per Sprachassistent finden. Zudem informiert die App in Echtzeit über den Ladestand.

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