Mikromobilität Moped-Sharing-Markt wächst rasant – und Deutschland ist vorne mit dabei

Autor Christoph Seyerlein

Anbieter, Städte, Fahrzeuge – davon gibt es auf dem Moped-Sharing-Markt immer mehr zu sehen. Ein absoluter Boom-Markt: Deutschland. Hierzulande ist das Angebot binnen eines Jahres um 86 Prozent gewachsen. Warum die Marktteilnehmer trotzdem auf noch mehr Wettbewerb hoffen.

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97 Prozent aller Sharing-Mopeds auf dem Markt sind elektrisch.
97 Prozent aller Sharing-Mopeds auf dem Markt sind elektrisch.
(Bild: Tier)

Mikromobilität breitet sich immer weiter aus. Darauf deutet auch der Global Moped Sharing Report 2021 von Invers hin. Demzufolge ist allein die Anzahl der Nutzer von Sharing-Mopeds im laufenden Jahr im Vergleich zu 2020 bereits um rund ein Drittel auf 12 Millionen weltweit gewachsen.

Noch schneller entwickelt sich allerdings die Anzahl der Städte, in denen es entsprechende Angebote gibt. Inzwischen gibt es dem Report zufolge 175 Städte weltweit, in denen Kunden entsprechende Möglichkeiten nutzen können – 53 (oder 43 %) mehr als noch 2020. Auch die Zahl der Länder ist um fünf auf 27 angestiegen.

In den Wettbewerb steigen zudem immer mehr Anbieter ein. Inzwischen gibt es der Invers-Analyse zufolge 87 am Markt (11 mehr als noch 2020). Studien-Co-Autor Alexander Gmelin erklärt: „Sowohl die Studienteilnehmer als auch unsere Kunden berichten, dass sich das Investitionsklima in jüngster Zeit verbessert hat.“ Von Corona-Restriktionen scheint die Branche kaum noch betroffen zu sein.

Eine Angst vor zu großer Konkurrenz scheint es bis dato nicht zu geben. „In Städten gibt es längst noch nicht genügend Shared-Mobility-Anbieter“, sagte beispielsweise Raymon Pouwels, Co-Gründer und CEO von Go Sharing, am Dienstagabend im Rahmen der Vorstellung des Reports. „Nur wenn die Angebote immer sichtbarer werden, denken Menschen darüber nach, vielleicht auch einmal ihr Auto stehen zu lassen.“ Trotz zunehmender Diskussionen um fehlende Regulierung beispielsweise für E-Scooter in deutschen Städten, stimmte ihm Sebastian Schlebusch von Dott zu. „Ein möglichst dichtes Angebot in Städten ist der Schlüssel zum Erfolg“, meinte er.

Spanien ganz vorne, Deutschland auf dem Treppchen

Im internationalen Wettbewerber zählt Deutschland zu den wichtigsten Märkten für Moped-Sharing. Rund 13.000 solcher Fahrzeuge würden hierzulande aktuell zum Teilen angeboten – satte 86 Prozent mehr als noch 2020. Für das schnelle Wachstum hierzulande hatten unter anderem die Anbieter Go Sharing, Felyx und Check mit ihrer Expansion nach Deutschland gesorgt. Lediglich in Spanien (20.000) und Taiwan (18.000) gibt es in absoluten Zahlen derzeit mehr Sharing-Mopeds. Allerdings kommen die Niederlande als deutlich kleineres Land mit 12.000 Mopeds fast auf ein ähnliches Angebot wie Deutschland.

Laut Invers arbeiten inzwischen immer mehr Anbieter daran, ihr Angebot zu diversifizieren und so ihr Geschäftsmodell zu erweitern. Beispielsweise liegen Langzeitmieten und Abo-Modelle zunehmend im Trend. Auch Kooperationen mit Lieferdiensten nehmen zu, um die Auslastung der eigenen Flotten sicherzustellen. In der Zusammenarbeit mit Städten rücken Mobility-as-a-Service-Angebote zunehmend in den Fokus. Hier könnten in nächster Zeit Ökosysteme entstehen, die verschiedene Verkehrsanbieter zusammenbringen.

Die Antriebsfrage hat sich im Moped-Sharing unterdessen erledigt. Dem Report zufolge sind inzwischen 97 Prozent aller derart genutzten Zweiräder reinelektrisch unterwegs (2020: 77 %). Nun befassen sich Hersteller, Anbieter und weitere Marktteilnehmer zunehmend mit der dafür nötigen Infrastruktur. Stärker ausbreiten könnten sich dabei Ladenetzwerke und Möglichkeiten zum Batterietausch.

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