Mobile Ladelösungen statt flächendeckender Infrastruktur?

| Autor / Redakteur: Mario Hommen / Benjamin Kirchbeck

Der Aufbau einer großzügigen Ladeinfrastruktur würde viel Zeit und Geld beanspruchen. Und wohl nicht überall wäre es lohnenswert, Ladesäulen dauerhaft bereitzustellen. Smarte Alternativen sind also gefragt.

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Der autonome Roboter verfügt über Kameras, Laserscanner und Ultraschallsensoren.
Der autonome Roboter verfügt über Kameras, Laserscanner und Ultraschallsensoren.
(Bild: VW)

Ein Ideal der E-Mobilität wäre eine Technik, die eine Ladeinfrastruktur verzichtbar macht. Zumindest im kleinen Umfang kann das bei E-Mobilen mit integrierten Solarzellen funktionieren. Davon befinden sich allerdings noch keine in Serienproduktion. Aspiranten sind Sono Motors mit dem kompakten Van Sion, Lightyear mit der windschlüpfigen Limousine One sowie Fisker mit dem E-SUV Ocean. Allen drei gemein sind in die Außenhaut integrierte Photovoltaik-Module, die in allen Fällen für einige Fahrkilometer pro Tag Strom generieren. Im Fall des Ocean und des Sion würde der Solarstrom reichen, um einmal die Woche mit zum Einkaufen zu fahren. Im Fall des LightyearOne könnte die Solaraußenhaut an einem deutschen Standort Strom für über 1.000 Kilometer pro Monat bereitstellen. Alle drei Newcomer haben angekündigt, ihre Fahrzeuge ab 2021 anbieten zu wollen.

Bereits Realität sind die Megapacks von Tesla. Diese gehen auf den Bau des derzeit größten Akkus der Welt zurück - dem Hornsdale Power Reserve, einem vom Tesla-Gründer Elon Musk in Südaustralien installierter XXL-Stromspeicher. Dort werden Lithium-Ionen-Batterien zu einem riesigen Puffer gebündelt. Die bereits gigantische Speicherkapazität von derzeit rund 130 MWh soll weiter ausgebaut werden. Die Batteriestation dient als Puffer für regenerativ erzeugten Strom und als Garant für ein stabileres Stromnetz in der Region. Die Anlage bündelt Einheiten im Container-Format, sogenannte Megapacks, die Tesla mittlerweile auch als mobile Supercharger einsetzt. So wurden einige dieser Ladecontainer im Herbst 2019 in den USA um Thanksgiving herum an Tesla-Schnellladestationen abgestellt, um so auf den kurzzeitig erhöhten Bedarf der Feiertagsreisenden zu reagieren. Während die fest installierten Super Charger 150 kW Ladestrom bereitstellen können, sollen es bei den mobilen Megapacks 125 kW pro Auto sein.

Auch in Deutschland wurde bereits ein ähnlicher Schnelllader auf mehrere Achsen gestellt. Gebaut hat den StoraXe genannten Trailer die in Nürtingen bei Stuttgart ansässige Firma Ads-Tec. Der für den 40-Tonnen-Fahrbetrieb ausgelegte Anhänger wurde mit Batterien mit rund zwei Megawattstunden Speicherkapazität ausgestattet. Bis zu zehn E-Autos sollen sich an diesem mit bis zu 320 Kilowatt Strom füttern lassen. Gedacht ist die Technik, um Ladesäulen für den Bedarfsfall, etwa bei Großevents, zur Verfügung zu stellen. So kam der mobile Schnelllader erstmals Ende 2019 an einer Rennstrecke bei Barcelona zum Einsatz. Sollte der Stromvorrat aufgebraucht sein, kann der Trailer an einem Stromnetz angeschlossen und weiterhin als Schnelllader genutzt werden.

Das norddeutsche Unternehmen Hyb Energy hat ein Konzept netzunabhängiger und relativ leicht aufstellbarer Schnellladetanktestellen entwickelt. Angedacht sind hybridisch betriebene Module mit großen Batteriespeichern sowie Gas- oder Dieselmotoren zur Stromerzeugung. Zusätzlich ließe sich auch Strom mit Solarpanels und Windkraftanlagen erzeugen. Dank ihres hohen Gewichts könnten die Module zugleich als Fundament für vertikale Windkraftanlagen dienen. Ein Betrieb der Generatoren mit klimaneutralen E-Fuels wäre außerdem denkbar. Darüber hinaus können die Schnelllade-Tankstellen per 16- oder 32-Ampere-Leitung Strom aus dem Netz beziehen. Die Batterie eines Moduls mit drei Ladeanschlüssen soll bis zu 500 Kilowattstunden speichern können. Pro Ladepunkt lässt sich ein Fahrzeug mit einer Ladeleistung von bis zu 80 kW betanken. Ein E-Auto könnte also innerhalb einer Viertelstunde Strom für einige hundert Kilometer nachtanken. Laut Hersteller soll ein Modul bei einem täglichen Betrieb von 16 Stunden pro Monat gut 6.700 Fahrzeuge betanken können.

Die im Herbst 2019 neugegründete Firma Nexus-e GmbH, eine Tochter von Proton Power Systems, will in wenigen Jahren brennstoffzellenbasierte Schnellladestationen vermarkten. Diese sollen mit oder ohne Netzanschluss CO2-neutral arbeiten können. Nach Ansicht von Nexus-e könnte der in einigen Jahren stark steigende Bedarf nach Strom die Netze überlasten. Die Brennstoffzellenlader würden dann für Entlastung sorgen.

VW setzt bereits mobile Schnellladestationen speziell in Wolfsburg ein, die zu einer Stadt der E-Mobilität werden soll. Die mobilen Stationen lassen sich nicht nur flexibel aufstellen, sondern ebenfalls als netzentkoppelte Puffer nutzen. In diesen werden übrigens Batterien ausgemusteter E-Fahrzeuge eingesetzt, die damit vor dem Recycling noch für längere Zeit nutzbar bleiben. Die mobilen Speicher stammen von der VW-Abteilung Components, die derzeit außerdem an mobilen Laderobotern arbeitet, die autonom Stromspeicher mit 50 kW Ladeleistung und einer Speicherkapazität von 25 kWh zu E-Autos in Parkhäusern und Tiefgaragen bringen sollen. Statt also Parkplätze mit Ladesäulen zu versehen und diese dann für E-Fahrzeuge zu reservieren, wären künftig alle Stellplätze in einem Parkhaus auch als Ladepunkt nutzbar.

Eine in gewisser Weise ähnliche Idee verfolgt das 2018 in Berlin gegründete Start-up Chargery, das per Fahrrad den in Akkus gespeicherten Ladestrom zu Autos bringt. In Berlin wird dieser Service mit Fahrzeugen von Carsharing-Anbietern bereits praktiziert. In Zukunft will das junge Unternehmen mit Autoherstellern kooperieren, die etwa in ihren Apps die Option einer mobilen „Chargery-Ladung“ integrieren. Dann könnten E-Auto-Nutzer einfach per Fingerzeig diesen Service buchen, sollte gerade keine freie Ladesäule in Fahrzeugnähe verfügbar sein.

Der in Düsseldorf ansässige Energiekonzern Uniper hat angekündigt, bis Ende 2024 über 1.300 mobile Schnellladesäulen für B2B-Kunden in Berlin, München und dem Ruhrgebiet zur Miete anzubieten. Diese sollen mit 150 kW Ladeleistung aus einem mit Ökostrom gefüllten Batteriespeicher bereitstellen. Kunden sollen diese Säulen für voraussichtlich um 50 Euro pro Tag mieten können. Ist eine Säule leer, wird sie abgeholt und in einem Hub wieder aufgeladen. –spx

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