Umfrage zum Umweltbonus Jeder zweite Autokäufer entscheidet sich wegen unsicherer Förderung gegen ein E-Auto

Von Doris Pfaff

Gut 50 Prozent der eigentlich kaufwilligen Kunden entschieden sich im Januar gegen die Anschaffung eines E-Autos. Ihnen fehlt schlicht Planungssicherheit. Jetzt könnte auch noch eine weitere Auflage verschärft werden.

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Noch ist unklar, wie es mit dem Umweltbonus nach 2022 weitergeht.
Noch ist unklar, wie es mit dem Umweltbonus nach 2022 weitergeht.
(Bild: KIT)

E-Auto-Interessenten sind wegen der unklaren Zukunft des staatlichen Umweltbonus über das Jahr 2022 hinaus verunsichert. Das zeigt eine Blitzumfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) vom 7. bis zum 11. Februar unter Autohändlern. Das „politische Wirrwarr“ bezüglich des Umweltbonus wirke sich deutlich auf das Kaufverhalten der Kunden, sagt ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn und fordert deshalb Anpassungen bei den Bestimmungen.

Die bisherige E-Prämie in Höhe von bis zu 9.000 Euro pro Fahrzeug läuft noch bis Ende des Jahres, dann müssen Kunden mit Änderungen rechnen. Weil aber die Lieferengpässe anhalten und Neufahrzeuge Bestellzeiten von mindestens einem halben bis zu einem Jahr haben, fürchten Kunden, nicht von der Förderung profitieren zu können. Denn ausschlaggebend für den Erhalt der E-Prämie ist das Zulassungsdatum und nicht der Zeitpunkt der Fahrzeugbestellung. Käufer, die in diesem Jahr ihr E-Auto bestellen, werden es wohl eher 2023 erhalten.

Die aktuelle Regelung schrecke vom Kauf eines E-Autos ab. So zumindest die Aussagen von 521 Autohäusern, die an der Blitzumfrage teilgenommen haben. Die gaben an, dass im Januar 29 Prozent der Interessenten, die einen Neuwagen kaufen wollten, sich zunächst für ein rein elektrisches Autos interessiert haben.

Nachdem die Kunden jedoch über Lieferzeiten und die ungewisse Ausgestaltung des Umweltbonus informiert wurden, habe sich ein Drittel der Kaufinteressenten (33 %) dann gegen einen Autokauf entschieden und ein Viertel (23 %) schließlich für eine andere Antriebsart.

Ähnlich zeigte sich laut Umfrage das Kundeninteresse zu den Plug-in-Hybriden. 25 Prozent der Kunden, die einen Neuwagen anschaffen wollten, hatten zunächst die Absicht, einen Plug-in-Hybrid zu kaufen. Ein Drittel entschied sich wegen der Unsicherheiten um die Prämie dagegen, auch wegen des möglichen Wegfalls des Dienstwagenbesteuerungsprivilegs. Ein Fünftel (21 %) wählte schließlich eine andere Antriebsart.

„Fahrzeugkauf wird zum Lotteriespiel“

Demnach hätten sich im Januar letztendlich 50 Prozent der Kunden um- und gegen ein E-Auto entschieden, so Peckruhn. Er sieht seitens der Politik deshalb dringenden Handlungsbedarf und fordert erneut eine Anpassung bei den Förderbestimmungen. Das Bestelldatum müsse für die Förderung maßgeblich sein, nicht das der Auslieferung, damit würden lange Bestellzeiten Kunden nicht mehr vom Kauf abschrecken.

Das treffe besonders auf Käufer von Hybrid-Fahrzeugen zu. Die Politik hatte hierzu schon angekündigt, die Förderung zukünftig von der Nutzung und Reichweite des elektrischen Fahranteils abhängig zu machen. Die Kunden wüssten bei den aktuellen Modalitäten und der ungewissen Lieferzeiten jedoch nicht, woran sie seien. „So wird der Fahrzeugkauf ein Stück weit zum Lotteriespiel“, so Peckruhn. Das sei jedoch kontraproduktiv zum Plan, mehr Kunden für Elektromobilität zu gewinnen.

Der Lösungsvorschlag wäre aus Verbandssicht auch leicht umsetzbar: Der Antrag könnte im zweistufigen Verfahren erfolgen, ähnlich wie bei der Förderung zur Einrichtung einer Wallbox. Im ersten Schritt werde bei der BAFA der Kaufvertrag hochgeladen und die Prämie beantragt. Sobald der Wagen zugelassen wurde, dann die Anmeldebescheinigung. Aus Sicht des Kfz-Gewerbes wäre das die einfachste Lösung und könnte den Kunden die aktuellen Unsicherheiten nehmen.

Mindesthaltedauer könnte verdoppelt werden

Die Unsicherheiten der Kunden dürften nun aber durch den neuen Vorstoß befeuert werden. Inzwischen mehrfach kritisiert worden war die Praxis einiger Händler, zuvor geförderte E-Fahrzeuge nach Ablauf der sechsmonatigen Haltefrist vor allem in die nördlichen Nachbarländer zu verkaufen. Laut Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) sollen allein in den ersten neun Monaten von 2021 30.000 junge E-Autos ins Ausland verkauft worden seien. Er schätzte das so bis zu 240 Millionen Euro staatliche Fördergelder missbraucht wurden.

Durch die Förderung könnten die E-Auto-Käufer noch Gewinne einstreichen bzw. ihre Fahrzeuge nach sechs Monaten ohne Wertverlust wieder ihrem Händler verkaufen,der sie so günstig exportieren kann. Der Deal, quasi ein halbes Jahr lang kostenlos einen Neuwagen zu fahren, wird laut Medienberichten von einigen Händlern gar beworben. Durch eine geplante Verdopplung der Mindesthaltedauer auf zwölf Monate sollen laut einem Sprecher des Ministeriums diese Praktiken gestoppt werden. Dies soll aber mit den ohnehin geplanten Änderungen erst ab 2023 greifen.

Kritik an Exporten

Der ZDK unterstützt diese Pläne, wie ZDK-Präsident Jürgen Karpinski betonte: „Es ist nicht in Ordnung, wenn Leute mit Steuergeldern Geschäfte machen.“ Der Missbrauch sei eine Folge der einseitigen Förderung der Elektromobilität durch die Politik. ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn sieht ebenfalls die Politik in der Verantwortung: „Wenn hier Missbrauch betrieben wird, dann muss die Politik die Förderrichtlinie entsprechend anpassen.“ Durch eine Klausel, dass mit der Prämie geförderte Fahrzeuge nicht in einer bestimmten Frist ins Ausland verkauft werden dürften, sei das Problem gelöst.

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