Mobilitätswende Grünen-Chef Habeck will „den Stau nicht einfach elektrisch machen“

Autor Christoph Seyerlein

Zum Wahlprogramm der Grünen zählt unter anderem das Thema Mobilitätswende. Wie diese in den Vorstellungen der Partei aussehen soll, erläuterte nun Co-Chef Robert Habeck in einem ausführlichen Interview.

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„Dass wir in zehn Jahren Staus und Blechlawinen wie im Moment haben, würde ich sehr stark bezweifeln“, sagt Grünen-Chef Robert Habeck.
„Dass wir in zehn Jahren Staus und Blechlawinen wie im Moment haben, würde ich sehr stark bezweifeln“, sagt Grünen-Chef Robert Habeck.
(Bild: Urban ZIntel)

Die Grünen werden bei der Regierungsbildung nach der kommenden Bundestagswahl im September aller Voraussicht nach ein gewichtiges Wort mitreden. In den jüngsten Umfragen bewegen sie sich zwischen 17 und 20 Prozent. Co-Chef Robert Habeck erklärte nun in einem Interview mit „adac.de“, wie die Partei eine Mobilitätswende vorantreiben will.

Dabei setzen die Grünen in der Antriebsfrage klar auf Elektromobilität. „Für die normalen Distanzen des Alltags setzen wir auf die Elektromobilität und wollen dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen – eben die erwähnte Ladeinfrastruktur, aber auch mehr Standardisierung. Doch am Ende kann jeder selbst entscheiden, was er fährt, solange die Fahrzeuge emissionsarm oder emissionsfrei sind“, sagte Habeck.

In Deutschland sollten bereits ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden. Deutschland muss als Industrienation etwas schneller vorangehen.

Robert Habeck

Mit dem klassischen Verbrennungsmotor dürfte das nicht zu machen sein. Der Politiker plädiert sogar für ein noch früheres Aus jener Technik als die EU, die das zuletzt für 2035 faktisch vorgesehen hatte. „In Deutschland sollten bereits ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden“, fordert Habeck. „Deutschland muss als Industrienation etwas schneller vorangehen.“

Wasserstoff und E-Fuels als Alternativen zur Batterie erteilte er eine Abfuhr. Der Aufbau notwendiger Infrastrukturen dafür, obwohl Batteriefahrzeuge am effizientesten seien, sei „haushalterisch keine gute Idee“.

Elektrifizierung allein reicht nicht

Um genügend grünen Strom für immer mehr E-Autos verfügbar zu haben, müsse Deutschland mehr investieren. Neben dem Ausbau eigener regenerativer Energiequellen benötige man dafür auch Wasserkraft- und Solarstrom-Importe etwa aus Norwegen, Österreich, Spanien oder Nordafrika.

Eine reine Antriebswende bedeutet für Habeck aber noch keine Verkehrswende. „In den Innenstädten ballen sich die Fahrzeuge. Mobilitätswende heißt deshalb nicht, den Stau elektrisch zu machen. Sondern bessere Verbundsysteme zu schaffen, damit die Verkehrsdichte abnimmt“, erklärte der 51-Jährige. Zentraler Punkt der Grünen-Agenda sei es, den Schienen- und Busverkehr zu unterstützen.

Auf dem Land sei aber das Auto Verkehrsmittel Nummer eins, gab Habeck zu. Doch auch dort will die Partei „neue Angebote schaffen, und zwar nicht nur dichtere Bustaktungen“. Der Politiker denkt dabei etwa an E-Carsharing-Modelle für Gemeinden. Um Stadt und Land zu verbinden, will Habeck anders als in der Vergangenheit die Pendlerpauschale doch beibehalten. Diese könne „einen Konsens für die Mobilitätswende absichern“.

Insgesamt zeigte sich Habeck überzeugt, dass die Transformation gelingen kann. „Wenn wir in zehn Jahren durch deutsche Innenstädte gehen, wird der Verkehr ein anderer sein als heute. Wie genau er aussieht, wird sich von Stadt zu Stadt unterscheiden. Aber dass wir Staus und Blechlawinen wie im Moment haben, würde ich sehr stark bezweifeln“, sagte er. Mobilität könne sich ähnlich schnell wandeln, wie Handys und Streamingdienste Schallplatten und VHS-Kassetten abgelöst hätten.

Kein Klimaschutz wird wehtun.

Robert Habeck

Zu viel muss die Politik den Bürgern dabei nicht abverlangen, glaubt Habeck. „Kein Klimaschutz wird wehtun“, meint der Grünen-Chef Aktuell sei Deutschland zu langsam und müsse Zeit gutmachen. Bei der CO2-Bepreisung lägen die aktuelle Regierung und die Grünen nur einen Cent auseinander. Außerdem wolle die Partei die Einnahmen aus dem CO2-Preis vollständig an die Bürger zurückgeben. Besserverdienende sollten in den Augen Habecks höhere Abgaben leisten müssen, da sie auch einen größeren ökologischen Fußabdruck hätten.

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